Sehenswürdigkeit

Biblia Pauperum


Ein besonderes Juwel des Virgentals (Ost-Tirol) ist die Wallfahrtskirche „Unsere Liebe Frau Maria Schnee“ (1456) in Obermauern. Ihre Lage auf einer Anhöhe über dem Dorf mit schönen Holzhäusern rundherum ist schon schön, aber der eigentliche Wert liegt im Inneren. Die Wände sind vollständig mit Fresken bemalt. Es ist eine so genannte Biblia Pauperum – eine Armenbibel.

Die Fresken, wie Glasfenster und Statuen, sollten die biblische Geschichte für die Menschen, die zu dieser Zeit weitgehend Analphabeten waren, verständlich machen. Fast nirgendwo sind sie so vollständig und gut erhalten wie hier. Besonders die Fresken an der Nordwand – über das Leben Mariens – sind kostbar. Sie wurden 1495 von Simon von Taisten, Hofmaler der Görzer Grafen von Lienz, gemalt. Andere Fresken stellen unter anderem die Kindheit und die Passion Christi, das letzte Abendmahl sowie Himmelfahrt und Krönung Mariens dar.

Jedes Jahr am Samstag nach Ostern wird ein mit Blumen und Schleifen geschmückter weißer Widder (der Virger Opferwidder) in einer Prozession zur Kirche geführt, wo nach altem Brauch das „Opfertier“ dreimal um den Altar geführt wird. Danach wird das Tier nicht getötet, sondern verlost. Die Tradition wurde 2015 von der Unesco als immaterielles Kulturerbe anerkannt.

Vom Dorf Virgen aus führt ein Kreuzweg zur Wallfahrtskirche. Die vierzehn Kreuzwegstationen von 1890 waren aus Holz und konnten vor einigen Jahren nicht mehr renoviert werden. Einheimische Künstler ergriffen daraufhin die Initiative und fertigten neue, dauerhafte Kreuzwegstationen aus Serpentinstein mit Bronzereliefs an, die durch eine fünfzehnte Statue (die Auferstehung Christi) in der Nähe der Kirche selbst ergänzt wurden. Damit ist der Kreuzweg auch zu einem Kunstweg geworden.

Der Kreuzweg von Virgen nach Obermauern ist 1,2 Kilometer lang und weist nur einen geringen Höhenunterschied auf. Informationen: virgen.at

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