Sehenswürdigkeit

Burg Hochosterwitz

Text: Emely Nobis / Bild: Frits Roest

Burg Hochosterwitz

Burg Hochosterwitz © Wikimedia Commons / Arcomonte26

Die mittelalterliche Burg Hochosterwitz, eindrucksvoll auf einem 172 Meter hohen Dolomitfelsen bei Sankt Georgen am Längsee in Kärnten gelegen, ist an klaren Tagen schon von weitem sichtbar. Wer das Museum im Schloss besuchen will, muss einen Höhenunterschied von 800 Metern überwinden und durch vierzehn Tore gehen. Obwohl es einen modernen Aufzug gibt, der Sie in 60 Sekunden bequem nach oben bringt, ist es besser, zu Fuß in den Einfallsreichtum des Architekten Georg Khevenhüller einzutauchen. Dieser Kärntner Adelige ließ Hochosterwitz zwischen 1571 und 1585 als Kaserne für sein siebenhundert Mann starkes Heer errichten. Obwohl die Gefahr, angegriffen zu werden, zu dieser Zeit – an der Grenze zwischen Mittelalter und Renaissance – nicht so groß war, unternahm er ernsthafte Anstrengungen, die Verteidigen zu perfektionieren.

Zugbrücke

Eingang der Kapelle und eines der vielen Tore

Eingang der Kapelle und eines der vielen Tore

Stellen Sie sich eine feindliche Armee vor, die in Formationen von acht Soldaten pro Reihe, Schulter an Schulter, aufmarschiert, um die Burg einzunehmen. Bei einer Rüstung, die etwa 25 Kilo wiegt, ist das eine ganz schöne Arbeit. Noch schwieriger wird es, wenn diese enge Formation durch zu enge Serpentinen unterbrochen wird. Und dann sind da noch die Tore selbst, die neben Zugbrücken, Fallgittern, Schießscharten und Pechlöchern allerlei raffinierte Gimmicks aufweisen. Nehmen Sie das sogenannte Wächertor, das zwischen einer steilen Felswand und dem Abgrund eingekeilt ist. Eine Steintreppe im Inneren des Tores führt zu einem kleinen Felsplateau, von dem aus der Feind mit Steinen beworfen werden kann. Genial ist auch das Manntor. Der Eingang ist nicht verschlossen, und das Tor, das den Ausgang verschließt, öffnet sich auf der „falschen“ Seite: nicht in Richtung des Schlosses, sondern in Richtung des Feindes. Wenn der Feind das Tor aufreißt, steht dahinter eine schießfreudige Armee bereit, um ihn unter Beschuss zu nehmen. Das Landschaftstor ist auch unter dem Gesichtspunkt der Verteidigung etwas Besonderes. Über einer Felsspalte befindet sich eine Zugbrücke. In geschlossenem Zustand bildet sie den Boden des Ganges. Sobald eine Reihe von Soldaten darauf steht, kann die Brücke gekippt werden und der Feind stürzt in den Abgrund.

Abgesehen von seiner Geschichte ist auch die Architektur sehenswert, mit vielen schönen Details und einer mit Fresken bemalten Kapelle in einem der Tore. Die Festung diente nicht nur der Verteidigung, sondern war vor allem ein Prestigeprojekt, um die Macht und den Reichtum der Familie zu demonstrieren. Noch heute ist das Schloss im Besitz der Khevenhüllers, denn Georg hat testamentarisch verfügt, dass es niemals verkauft und immer in männlicher Linie vererbt werden soll. Das hat die Familie in den letzten 500 Jahren getan, auch wenn eine weibliche Erbin – wenn sie ihren Mädchennamen behält – heute auch akzeptiert würde.

Der Riese von Hochosterwitz

Burg Hochosterwitz - Erstes Tor

Burg Hochosterwitz – Erstes Tor

Es ist sicherlich kein sorgloses Erbe. Die Kosten für die Wartung (und den Bau des Aufzugs) sind enorm. Deshalb ist für den Besuch des Komplexes ein Eintrittsgeld zu entrichten. Im Preis inbegriffen ist der Besuch des Schlossmuseums mit Familienporträts, Baumodellen, Büchern zur Kriegsführung und einer umfangreichen Sammlung historischer Waffen und Rüstungen. Berühmt ist die Rüstung des Ritters und Burghauptmanns Reinherr Schenck, der – besonders für die damalige Zeit – mit seinen 2,25 Metern eine imposante Erscheinung gewesen sein muss. Der Legende nach ging Schenck während einer Belagerung zum unteren Tor, um zu verhandeln. Dort beschwerte er sich beim Feind, dass immer der kleinste Mann für diese Aufgabe abgestellt wurde. Die Angreifer waren so geschockt von der Tatsache, dass dieser Riese offenbar der kleinste Soldat war, dass sie sich eilig zurückzogen.

In Wirklichkeit wurde Hochosterwitz nie angegriffen, obwohl es nicht so schwer zu erobern gewesen wäre. Das Schloss hat keine eigene Quelle, und seine Bewohner waren auf das in Zisternen gesammelte Regenwasser angewiesen. Hätte der Feind bei schönem Wetter lange genug gewartet, wären alle aus Mangel an Trinkwasser gestorben.

Die Burg Hochosterwitz liegt etwa 7 Kilometer von St. Veit an der Glan in Kärnten entfernt und ist von April bis Oktober geöffnet. In der ehemaligen Schmiede und Schreinerei finden regelmäßig Vorführungen alter Handwerke statt. Essen und Trinken können Sie im Schlossrestaurant, wo Sie sich bei schönem Wetter unter den Kastanienbäumen im Innenhof entspannen können.

Informationen und genaue Öffnungszeiten: burg-hochosterwitz.com

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