Sehenswürdigkeit

Zwergerlgarten

Text: Emely Nobis / Bild: Frits Roest

Es ist eine der bemerkenswertesten Sehenswürdigkeiten in Salzburg: Die 17 Marmorzwerge im Bastions- oder Zwergerlgarten bei Schloss Mirabell.

In der Barockzeit waren solche Zwerggärten mit karikaturhaften und/oder allegorischen Statuen in Europa weit verbreitet, der Salzburger Zwerggarten (ab 1695) ist der älteste. Sie wurden zu einer Zeit geschaffen, als die meisten Königshäuser kleine Leute als Unterhalter beschäftigten. Sie wurden wegen ihrer vermeintlichen Loyalität hoch geschätzt und erreichten manchmal einen beachtlichen Status.

Sie betreten den Zwergerlgarten über eine kleine Treppe im Mirabellgarten. In der Nähe des Eingangs spielen die ersten beiden Zwerge Pallone, ein beliebtes barockes Ballspiel. Etwas weiter versucht einer mit Turban und Schnurrbart vergeblich, einen kleinen Baumstamm zu zerlegen. Auf diese Weise verspottet er die osmanischen Invasoren während der zweiten Türkenbelagerung 1683. Die anderen Figuren auf einem Hügel inmitten von Bäumen sind über eine kleine Brücke erreichbar. Einige symbolisieren einen Monat, wie der Zwerg mit Sense (Heumonat Juli) und der weibliche Zwerg mit Apfel und Trauben (Erntemonat September). Andere vertreten bekannte Theaterfiguren.

Einst gab es 28 mannshohe Figuren, alle aus weißem Untersberger Marmor und daher schwere Jungen und Mädchen. Nachdem es immer mehr Kritik an den Karikaturen während der Aufklärung gab, wurde die Skulpturengruppe Anfang des 19. Jahrhunderts verkauft. Im Jahr 1919 bedauerte das die Stadt, begann Statuen zurückzukaufen und den Garten neu zu gestalten. Bislang wurden 17 Statuen aufgespürt. Nach einer gründlichen Restaurierung und Umgruppierung sind sie seit 2018 wieder in ihrer ganzen Pracht zu sehen. Die Suche nach den vermissten Personen geht weiter. salzburg.info

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© Christian Stemper 2012