Wandern

Bergwasserwelt Defereggental

Text: Emely Nobis /  Bild: Frits Roest

Bergseen und Flüsse, Wasserfälle, Gletscher und Heilwasser von tief unter der Erde prägen die Landschaft im Osttiroler Defereggental. Erkundung des unberührten Tal in den Ostalpen.
Defereggental

Defereggental

Das Defereggental in Osttirol ist, teilweise dank seiner geschützten Lage im Nationalpark Hohe Tauern, eines der ursprünglichsten und am wenigsten besiedelten Hochgebirgstäler der Alpen. Rund 2.400 Einwohner verteilen sich auf die drei Gemeinden St. Jakob, St. Veit und Hopfgarten. Neben der Umrahmung durch mehr als 50 Dreitausender prägt das Wasser die Landschaft. Kaum ein anderes Tal in den Alpen bietet so viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung am und auf dem Wasser.

Drachenboote

Drachenbootrennen - Pink Ladies

Drachenbootrennen – Pink Ladies

Während unseres Aufenthaltes werden wir Zeuge einer der schrägsten Ausprägungen dieses Vergnügens auf dem Wasser: das weltweit höchste Drachenbootrennen auf dem Obersee (2576 Meter) oberhalb von St. Jakob. Als wir mit dem Auto hinauffahren, um diesem Sommerereignis beizuwohnen, müssen wir regelmäßig anhalten, um umherlaufende Kühe vorbeizulassen. Offenbar ist ihnen das Gedränge auf den Bergweiden rund um den See zu viel. Sie ziehen es an diesem Morgen vor, auf die tiefer gelegenen, ruhigeren Weideflächen auszuweichen.

Oben treffen wir auf ein munteres Treiben. Es ist klar, dass es bei diesem Wettbewerb weniger um das Gewinnen als um das Vergnügen geht. Die Teams (16 bis 20 Paddler plus Trommler und Steuermensch) haben Namen wie Coal Miners & Friends, Pink Ladies, Red Hot Chili Päddler und Tabaluga Dragons. Sie bilden eine bunte Mischung aus Jung und Alt, Männer und Frauen, Größe S bis XL, sportlich oder einfach nur karnevalistisch gekleidet. Während ihre mit Drachenköpfen geschmückten Boote die 250 Meter lange Strecke über das Wasser zurücklegen, werden sie von den Trommlern, die das Tempo vorgeben, angefeuert und jedes Team wird vom Ufer aus gleichermaßen bejubelt. Bei diesem fun-cup ist die Teilnahme wichtiger als der Sieg.

Der Obersee

Der Obersee

Der Obersee liegt am Fuße des Almerhorns (2985 m) in der Nähe des Staller Sattels, dem Pass, der das Defereggental mit dem Südtiroler Antholzer Tal verbindet. Einige der Zuschauer nutzen die Zeit zwischen den Vorrunden am Vormittag und dem Finale am Nachmittag für einen Ausflug auf die italienische Seite. An der Grenze bildet sich bald ein Stau, denn da die Passstraße ab hier nur noch einspurig ist, wird der Verkehr durch eine Ampel geregelt. Auf der österreichischen Seite wird die Ampel nur in den ersten 15 Minuten jeder Stunde grün.

Wir lassen das Auto stehen und nutzen die Mittagspause für eine Rundwanderung (4,7 km) entlang des Obersees, auf einem gut begehbaren Weg zwischen sumpfigen Wiesen mit wunderschön blühenden Alpenrosen. Archäologische Funde zeigen, dass hier bereits in der Mittelsteinzeit Menschen wohnten. Ein weiterer Sensationsfund war der rund 1000 Jahre alte Einbaum der auf dem Boden des Sees gefunden wurde. Dieses frühe „Drachenboot“ dürfte dem Fischer des Fürstbischofs von Brixen gehört haben, der Eigentümer des Obersees war, und ist heute im Talschaftmuseum Zeitreise Defereggen in St. Jakob (Unterrotte 75) ausgestellt, zusammen mit vielen anderen Dokumenten und historischen Funden aus dem Defereggental.

Alpengasthaus Obersee

Alpengasthaus Obersee

Während des Drachenboot-Rennens wurde auf der Straße und den Wiesen rund um den Staller Sattel geparkt, aber normalerweise ist der Ausgangspunkt für einen Besuch am Obersee der Wanderparkplatz Grünbichl (auch Bushaltestelle) oder etwas weiter bei den Staller Almen. Von dort ist es etwa 1 Kilometer Fußweg zum Obersee. Direkt am Bergsee kann man sich im Alpengasthaus Obersee mit Speis und Trank versorgen.

Wasserwandern

Wasserwanderweg

Wasserwanderweg

Unmittelbar neben der Defereggental Landesstraße (die Hauptstraße durch das Tal) fließt die Schwarzach. An diesem Fluss, am östlichen Ortsrand von St. Jakob, beginnt ein schöner Rundweg durch Moore, vorbei an Teichen, Quellen, Bergbächen und Wasserfällen. Schilder entlang des Weges informieren über Flora, Fauna und Naturkatastrophen wie das Hochwasser von 1966. Die kurze Version dieser Wanderung dauert etwa eine Stunde. Wir verlängern die Route und wandern zum Weiler Maria Hilf. Dort biegen wir bei der Kapelle Maria Hilf in Richtung Stadtner Mühle und – 20 Minuten entfernt – zum Staller Wasserfall ab. Auf der Aussichtsplattform aus Lärchenholz stehen wir so nah am fallenden Wasser, dass wir die Tropfen im Gesicht spüren.

Stadtner Mühle und Staller Wasserfall

Stadtner Mühle und Staller Wasserfall

Wasser ist im Defereggental so allgegenwärtig, dass sogar eine eigene „Wasserschatzkarte“ herausgegeben wurde. Auch in Hopfgarten gibt es einen Wassererlebnisweg, und Kinder können sich in der Spiel- und Ausflugsarena Wassermythos Ochsenlacke vergnügen, wo sich rund um einen Bergsee auf 2350 Metern Höhe riesige Spielgeräte in Form von Tieren wie Bachforelle, Wasseramsel, Libelle, Alpenmolch und Grasfrosch befinden.

Heilendes Wasser

Heilwasserwelt

Heilwasserwelt

Der größte Wasserschatz des Defereggentals befindet sich nicht hoch oben in den Bergen, sondern tief unter der Erde auf 1850 Metern. Dort wurde im Jahr 2004 eine Quelle mit Thermalwasser angezapft. Im Jahr 2011 wurde das Wasser als „heilkräftig“ wegen seines extrem hohen Mineraliengehalts anerkannt: Vor allem Jod, Natrium und Chlorid, aber zum Beispiel auch Calcium und Magnesium.

Rund um die Quelle ist inzwischen die Heilwasserwelt entstanden, mit Kneippweg, Rastplätzen und dem Heilwasserhaus: Ein als Felsenhöhle gestalteter Ausstellungsbereich, in dem man Führungen zur Geschichte, Geologie und Wirkungsweise des mindestens 600.000 Jahre alten Wassers bekommt. „Wir haben mit den Bohrungen begonnen, weil wir vermuteten, dass wir auf Thermalwasser stoßen würden“, sagt Führerin Manuela Gutwenger. „Wir hofften, ein kleines Thermalbad mit einem Schwimmbad und allen möglichen Behandlungen einrichten zu können.“

Tresen der Heilwasserwelt

Tresen der Heilwasserwelt

So war die Euphorie groß, als tatsächlich warmes Wasser an die Oberfläche stieg, doch bald folgte die Ernüchterung. Denn das Wasser befindet sich nicht in einem unterirdischen See, sondern bildet an Rissen im porösen Gestein kleine Becken. Gutwenger: „Durch den natürlichen Druck kommt es nur sehr langsam an die Oberfläche, maximal 450 Liter pro Tag. Damit könnte man nicht einmal ein Schwimmbad füllen.“

Das Wasser, das durch unterirdische Leitungen gepumpt und in Flaschen abgefüllt wird, ist nicht trinkbar (zu salzig), wird aber (pur oder z.B. als Wickel) für medizinische Anwendungen genutzt. Nach Langzeituntersuchungen scheint es vor allem Gelenkbeschwerden und Hautkrankheiten wie Schuppenflechte, Akne und Ekzeme lindern zu können, sowie Erkrankungen der Nasennebenhöhlen und Atemwegen.

Schnabelmenschen

Die Kunstgrotte im Heilwasserhaus

Die Kunstgrotte – Sironahöhle – im Heilwasserhaus

Die Kunsthöhle im Heilwasserhaus (Sironahöhle, benannt nach der keltischen Göttin Sirona) wurde vom Osttiroler Künstler Michael Lang gestaltet. Zu sehen sind u.a. zylindrische Gesteinsstücke, die mit dem Bohrkern an die Oberfläche gebracht wurden. Sie zeigen Aufbau und Struktur der geologischen Schichten in unterschiedlichen Tiefen. Blickfang im angrenzenden Shop sind große, abstrakte Farbbilder. Es stellt sich heraus das es Fotografien von polierten Gesteinsscheiben sind, die unter dem Mikroskop tausendfach vergrößert wurden. „Eine Art Röntgenbilder aus Stein“, sagt Gutwenger.

Schnabelmenschen-Dekoration

Schnabelmenschen-Dekoration

Der Tresen und die Wände des Ladens sind mit aus Holz geschnitzten Schnäbeln verziert, wie auch die Fassade des Heilwasserhauses. Es ist eine Anspielung auf die Sage von den riesigen Schnabelmenschen, die in Urzeiten über das Defereggental und seine Bewohner wachten und für Wohlstand sorgten. Ihr Schutz war jedoch an Bedingungen geknüpft: Niemand durfte das Tal verlassen und Fremde durften nicht einreisen. Eines Tages jedoch sammelte sich in einer Mulde oberhalb der Jagdhausalm Wasser. Vorbeiziehende Wolken nahmen die Gestalt ferner Kontinente und Länder an, die sich auf der Oberfläche des Pfauenauges – wie der kleine See genannt wurde – spiegelten. So zog das Fernweh ins Defereggental ein. Bald zogen junge Männer als Hausierer durch die Welt und verkauften Sensen, Schleifsteine, Uhren, Teppiche und sogar Hüte.

Mitten durch das Naturschutzgebiet führt der Schwefelbrunner Wanderweg zur Heilwasserwelt.

Wanderweg zur Heilwasserwelt, mitten durch ein Naturschutzgebiet

Um eine lange Legende abzukürzen: Die Schnabelmenschen verschwanden und mit dem Wohlstand im Tal war es vorbei. Doch irgendwann kam alles wieder in Ordnung. Viele Jahrzehnte später brachte eine Gruppe von Heimkehrern eine Flöte mit, deren Mundstück sofort an die Schnabelmenschen erinnerte. Niemand konnte ihr einen Ton entlocken, und so wurde sie in St. Jakob zur Erinnerung direkt in den Boden gesteckt. Als der Wind durch die Flöte wehte, erklang eine schöne Melodie. Die von ihr angelockten Schnabelmenschen tauchten wieder auf. Sie versöhnten sich mit der Bevölkerung und zogen sich dann für immer in ihr Versteck im unterirdischen Salzsee zurück – denn „Salzsteine“ waren ihre liebste Delikatesse. Seither herrscht im Tal wieder Wohlstand.

Deferegger Heilwasser-Produkte wie ein reines Spray, eine Körperlotion, eine Feuchtigkeitscreme, ein Shampoo und ein Duschgel sind im Shop in der Heilwasserwelt selbst oder im Webshop (Versand nach Deutschland, Österreich und Italien) erhältlich. Klicken Sie hier für weitere Verkaufsstellen.

Musikfest

Gemeinsamer Auftritt der Musikkapellen St. Jakob und St. Veit

Gemeinsamer Auftritt der Musikkapellen St. Jakob und St. Veit in Defereggen

In jeder Legende steckt ein Körnchen Wahrheit. Tatsache ist, dass im Defereggental, das meist zu steil und unfruchtbar für die Landwirtschaft war, lange Zeit große Armut herrschte. Deshalb zogen viele Bewohner als Händler und Spielleute in die Ferne. Bei ihrer Rückkehr brachten sie Wissen von außerhalb des Tals mit. Unter anderem dadurch fasste der Protestantismus dort Fuß, was 1664/65 zu einer großen Vertreibung der evangelischen Christen durch die Erzdiözese Salzburg – zu der das Defereggental damals gehörte – führte.

Die Musikkapelle St. Virgen stellt sich auf

Die Musikkapelle Virgen stellt sich auf

Mitte des 19. Jahrhunderts siedelten sich in der gesamten österreichisch-ungarischen Monarchie Händler aus dem Tal an und eröffneten Fabriken. Dies führte zu einer verstärkten Abwanderung von Einheimischen, die jedoch meist den Kontakt zur Heimat nicht abbrachen. Aufgrund dieses Austausches war das Defereggental eines der ersten Täler Tirols, das sich dem Tourismus professionell zuwandte. Wäre es nicht relativ isoliert gelegen, wäre es heute wahrscheinlich ein touristischer Hotspot. Was früher als Nachteil angesehen wurde, ist heute ideal für ruhesuchende Touristen und Einheimische, die dank der Gäste genügend Arbeit und Einkommen haben und sich trotzdem nicht „überrannt“ fühlen. Auch deshalb kann man hier als Gast noch Teil der Gemeinschaft sein. Das merkt man, wenn sich Blasmusikkapellen und Schützen aus dem Iseltal sich in diesem Jahr in St. Jakob zu ihrem alljährlichen Event treffen: dem Iseltaler Bezirksmusikfest. Am Abend der offiziellen Eröffnung mit Musik, Speis und Trank sitzen wir auf dem Festgelände unter den Einheimischen, sprechen mit ihnen über dies und jenes  und fühlen uns zugehörig, als uns die Marketenderinnen der Schützen auch um eine Spende im Austausch für einem Glas Schnaps bitten. Natürlich geben wir großzügig.

Freiluftmesse

Die neue Fahne der Musikkapelle St. Jakob wird gesegnet

Die neue Fahne der Musikkapelle St. Jakob in Defereggen wird gesegnet

Am nächsten Morgen findet eine Messe unter freiem Himmel auf dem Posthofplatz in St. Jakob statt. Danach versammeln sich die Musikkapellen und Schützen zu einem Umzug zum Festgelände, wo sie alle auftreten und natürlich weiterfeiern werden. Wir schauen von der Terrasse der Café-Gelateria  Knappenstube (Unterrotte 2) aus zu, wieder mit kleinen Grüppchen anderer Gäste unter den meist festlich gekleideten Einheimischen in der Deferegger Tracht. Nach dem Finale mit der Musikkapelle Kals am Großglockner trinken wir ein letztes Glas Quellwasser (das hier überall aus dem Hahn kommt) und fahren selbst in Feierlaune aus dem Defereggental hinaus.

Klein-Tibet

Jagdhausalm

Jagdhausalm © Wikimedia Commons, Roman Klementschitz

Eine der touristischen Hauptattraktionen im Defereggental ist die Jagdhausalm, die älteste Alm Österreichs und einer der meistfotografierten Orte des Nationalparks Hohe Tauern. Da das Gebiet hoch über der Baumgrenze auf 2008 Metern liegt, wurden die 16 Häuser und die Kapelle ab dem frühen 13. Jahrhundert aus Stein gebaut, was ihnen den Beinamen „Klein-Tibet“ einbrachte. Ursprünglich waren die heute unter Denkmalschutz stehenden Almen ganzjährig bewohnt. Heute nutzen die Eigentümer, ein Zusammenschluss von 15 Südtiroler Bauern aus dem Tauferer Tal und einigen anderen Dörfern des Pustertals, die Almen nur noch im Sommer. Dann weiden dort unter der Aufsicht von drei bis fünf Hirten durchschnittlich 350 Stück Vieh, meist Rinder und Schafe.

Das Pfauenauge

Das Pfauenauge © Nationalpark Hohe Tauern / Mathäus Gartner

Oberhalb der Almen, gleich hinter einer Moräne, verbirgt sich ein kleiner runder See: Das Pfauenauge“ aus der Sage vom Schnabelvolk.

Wer die Jagdhausalm (mit Jausenstation) besuchen möchte, sollte sich einen schönen Tag aussuchen, um die Aussicht zu genießen. Die Wanderung vom Alpengasthof Oberhaus (wo man parken kann) hin und zurück ist nicht anstrengend, dauert aber mindestens vier Stunden (12,5 Kilometer, 324 Höhenmeter).

Tipps & Adressen

Allgemein

Das 60 km lange Defereggental in Osttirol ist umgeben von den Deferegger Alpen, der Rieserfernergruppe, der Lasörlinggruppe und der Schobergruppe. Die höchstgelegene Gemeinde (1.495 Meter) ist St. Veit. St. Jakob liegt auf 1.389 Metern und Hopfgarten auf 1.107 Metern. Vom Bahnhof in Lienz, die einzige Stadt und Hauptstadt Osttirols, verkehren täglich mehrere Busse. Der nächstgelegene Flughafen befindet sich in Innsbruck. Klicken Sie hier für weitere Informationen zur (nachhaltigen) Mobilität in und nach Osttirol.

Allgemeine Informationen zu Unterkünften, Gastronomie, Aktivitäten, Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen im Tourismusbüro: Unterrotte 44 in St. Jakob in Defereggen, osttirol.com/defereggental

Das Defereggental ist ein schneesicheres Wintersportgebiet. Klicken Sie hier, um mehr darüber zu erfahren, was Sie dort erleben können.

Lesen Sie auch unsere Berichte über das Virgental in Osttirol und über die Hauptstadt Lienz.

Schlafen, essen, trinken

Landhaus Santolina

Natürliche Materialien wie Holz und Stein prägen die gemütlichen Gästezimmer im Landhausstil im Landhaus Santolina, benannt nach einer Heilpflanze. Alle Zimmer verfügen über einen Balkon. Das Frühstücksbuffet ist reichhaltig. Die freundliche Gastgeberin Brigitte Steinhauser ist auch Heilpraktikerin und ausgebildete Skilehrerin. Innerrotte 57, St. Jakob im Defereggental, santolina.at

Biohof Stemberger

Bernhard und Isabella Stemberger verbinden ihren Biohof mit der Vermietung von vier modernen und großzügigen Ferienwohnungen. Ideal also für einen (Familien-)Urlaub am Bauernhof. In ihrem großen Hofladen verkaufen sie auch alles, was man zum Kochen braucht, sowie eigenes Fleisch und Käse und Spezialitäten von anderen Produzenten aus dem Tal. Bruggen 49 in St. Veit, biohof-stemberger.at

Gasthof Jagawirt

Im Gasthof der Familie Paulitschke werden traditionelle österreichische/tirolerische Gerichte sowie Wildspezialitäten gut zubereitet. Wir haben z.B. perfekte Käsespätzle gegessen, ein Gericht, das sich einfach anhört, aber oft durch „falschen“ (nicht sehr würzigen) Käse oder die Zugabe von Sahne enttäuscht. Die Familie vermietet auch einige Gästezimmer. Innerrotte 26 in St. Jakob, urlaub-stjakob.at

Kohlplatzl

In diesem Restaurant (zu dem auch ein einfaches Gästehaus gehört) gibt es ausnahmsweise (fast) keine österreichischen Klassiker auf der Karte, sondern vor allem Pizzen, Burger und Wraps sowie das eigens gebraute Kohlenbier. Mit Kinderspielplatz neben der großzügigen Terrasse. Dorf 21 in Hopfgarten in Defereggen, kohlplatzl.at

Landgasthof Alpenrose

Stumpferstube: So heißt die stimmungsvolle Gaststube im Tiroler Stil im Landgasthof Alpenrose. Hier werden österreichische Klassiker in zeitgemäßem Stil zubereitet und präsentiert. Die Familie Wieser verfügt auch über einige Gästezimmer. Oberrotte 49, St. Jakob in Defereggen, gasthofalpenrose.at

Alpengasthof Pichler

Das Hotel-Restaurant im Bergdorf St. Veit auf 1.500 Metern liegt inmitten des Nationalparks Hohe Tauern und ist Nationalpark Partnerbetrieb. Es ist somit ein idealer Ausgangspunkt für die Erkundung der umliegenden Bergwelt. Mit modern-traditionellen Deluxe-Zimmern im Haupthaus oder rustikalen Alpinzimmern im Nebengebäude. Das Restaurant ist als AMA Genusswirt zertifiziert, ein Gütesiegel für Gastronomen, die Regionalität, Qualität und kulinarischen Genuss zu verbinden wissen. Auf der Speisekarte stehen typische Tiroler Gerichte, saisonale Spezialitäten und moderne vegetarische Kreationen. Gsaritzen 13 in St. Veit, alpengasthof-pichler.at

Jausenstation Feistritzstüberl

Bergrestaurant in St. Jakob, an der Piste vom Feistritzlift mit Anschluss an das Skizentrum St. Jakob. Im Sommer kann man mit dem Auto hinauffahren oder gemütlich hinauf wandern und von der Panoramaterrasse den Blick über das Defereggental genießen. Auf der Speisekarte finden sich neben Tiroler Gerichten auch Kuchen und Eis. Feistritz 22 in St. Jakob, Jausenstation-Feistritzstüberl

Jausenstation Alpe Stalle

Von Maria Hilf (Parkplatz bei der Kapelle Maria Hilf) aus kann man in etwa einer Stunde zu dieser rustikale und schön gelegene Almhütte wandern. Wer sich den teilweise beschwerlichen Aufstieg ersparen möchte, kann aber auch mit dem Hüttentaxi anreisen. Hüttenwirt Bruno serviert Spezialitäten aus der Tiroler Küche, wie Knödel, Schlipfkrapfen und hausgemachten Apfel-Quark-Strudel. Alpe Stalle 1 in Oberrotte, jausenstation-stalle.edan.io

Einkaufen

Deferegger Machlkammer

Früher gab es auf jedem Bauernhof im Defereggental eine Machlkammer: eine Stube, in der vom Essen bis zum Werkzeug alles hergestellt wurde. Als die Hausarbeit immer unbeliebter wurde und viele Fähigkeiten verloren zu gehen drohten, gründete eine Gruppe von Kreativen aus dem Tal die Machlkammer, eine Vereinigung von Handwerkern und Produzenten. Sie präsentieren und verkaufen ihre Produkte im gleichnamigen Geschäft in Hopfgarten. Hier finden Sie einzigartige Souvenirs, von kulinarischen Spezialitäten über Kunsthandwerk bis hin zu Produkten aus dem Deferegger Heilwasser. Besuchen Sie auch die Galerie neben dem Geschäft, in der wechselnde Ausstellungen moderner Künstler zu sehen sind. Dorf 10 in Hopfgarten, deferegger-machlkammer.at

Kunsthandwerk

Von der Krippe bis zur (Heiligen-)Figur, von der Krampuslarve bis zur Reliefschnitzerei: Der Bildhauer und Restaurator Johann Planer ist für sein traditionelles Tiroler Kunsthandwerk mit Liebe zum Detail bekannt, was sich besonders in seinen Naturszenen und ausdrucksstarken Krippenfiguren zeigt. Er verkauft seine Werke weltweit, oft auch an Touristen, die ihm nach einem Besuch in seiner Werkstatt in St. Veit – wo eine große Auswahl ausgestellt ist – Aufträge erteilen. Görtschach 54 in St. Veit, herrgottschnitzer.info

Bier

Der 2020 gegründete Verein Geigenseer vermarktet ein Osttiroler Bier, das mit Wasser aus der Scharzach (der Fluß durch das Tal) gebraut wird. Das Geigenseer, ein Helles, ist nach dem Geigensee benannt, der auf einer Höhe von 2400 Metern über dem Meeresspiegel liegt und über eine zwar anstrengende aber lohnende Wanderung von Hopfgarten aus erreichbar ist. Erfreulicherweise ist das Bier im Tal in der Brauerei selbst (Dölach 33 in Hopfgarten) und in vielen ADEG-, SPAR- und Lagerhaus-Läden in Osttirol erhältlich. geigenseer.at

Deferegger Senf

Auch für Bernd Troger, gelernter Koch und nun Senfmacher, ist das Deferegger Bergwasser eine der Hauptzutaten für seinen Deferegger Senf. Die Senfkörner werden mit dem Bergwasser kalt vermahlen, damit sich die ätherischen Öle und Wirkstoffe optimal entfalten können. Aus Kräutern, Früchten und Gewürzen stellt er dann rund 30 verschiedene Senfsorten her. Erhältlich u.a. in der Deferegger Machlkammer. senfmacher.at

Stadtner Mühle und Staller Wasserfall

Wandern

Bergwasserwelt Defereggental

Text: Emely Nobis /  Bild: Frits Roest

Bergseen und Flüsse, Wasserfälle, Gletscher und Heilwasser von tief unter der Erde prägen die Landschaft im Osttiroler Defereggental. Erkundung des unberührten Tal in den Ostalpen.
Defereggental

Defereggental

Das Defereggental in Osttirol ist, teilweise dank seiner geschützten Lage im Nationalpark Hohe Tauern, eines der ursprünglichsten und am wenigsten besiedelten Hochgebirgstäler der Alpen. Rund 2.400 Einwohner verteilen sich auf die drei Gemeinden St. Jakob, St. Veit und Hopfgarten. Neben der Umrahmung durch mehr als 50 Dreitausender prägt das Wasser die Landschaft. Kaum ein anderes Tal in den Alpen bietet so viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung am und auf dem Wasser.

Drachenboote

Drachenbootrennen - Pink Ladies

Drachenbootrennen – Pink Ladies

Während unseres Aufenthaltes werden wir Zeuge einer der schrägsten Ausprägungen dieses Vergnügens auf dem Wasser: das weltweit höchstes Drachenboot-Rennen auf dem Obersee (2576 Meter) oberhalb von St. Jakob. Als wir mit dem Auto hinauffahren, um diesem Sommerereignis beizuwohnen, müssen wir regelmäßig anhalten, um umherlaufende Kühe vorbeizulassen. Offenbar ist ihnen das Gedränge auf den Bergweiden rund um den See zu viel. Sie ziehen es an diesem Morgen vor, auf die tiefer gelegenen, ruhigeren Weideflächen auszuweichen.

Oben treffen wir auf ein munteres Treiben. Es ist klar, dass es bei diesem Wettbewerb weniger um das Gewinnen als um das Vergnügen geht. Die Teams (16 bis 20 Paddler plus Trommler und Steuermensch) haben Namen wie Coal Miners & Friends, Pink Ladies, Red Hot Chili Päddler und Tabaluga Dragons. Sie bilden eine bunte Mischung aus Jung und Alt, Männer und Frauen, Größe S bis XL, sportlich oder einfach nur karnevalistisch gekleidet. Während ihre mit Drachenköpfen geschmückten Boote die 250 Meter lange Strecke über das Wasser zurücklegen, werden sie von den Trommlern, die das Tempo vorgeben, angefeuert und jedes Team wird vom Ufer aus gleichermaßen bejubelt. Bei diesem fun-cup ist die Teilnahme wichtiger als der Sieg.

Der Obersee

Der Obersee

Der Obersee liegt am Fuße der Seespitze in der Nähe des Staller Sattels, dem Pass, der das Defereggental mit dem Südtiroler Antholzer Tal verbindet. Einige der Zuschauer nutzen die Zeit zwischen den Vorrunden am Vormittag und dem Finale am Nachmittag für einen Ausflug auf die italienische Seite. An der Grenze bildet sich bald ein Stau, denn da die Passstraße ab hier nur noch einspurig ist, wird der Verkehr durch eine Ampel geregelt. Auf der österreichischen Seite wird die Ampel nur in den ersten 15 Minuten jeder Stunde grün.

Wir lassen das Auto stehen und nutzen die Mittagspause für eine Rundwanderung (4,7 km) entlang des Obersees, auf einem gut begehbaren Weg zwischen sumpfigen Wiesen mit wunderschön blühenden Alpenrosen. Archäologische Funde zeigen, dass hier bereits in der Mittelsteinzeit Menschen wohnten. Ein weiterer Sensationsfund war der rund 1000 Jahre alte Einbaum der auf dem Boden des Sees wurde gefunden. Dieses frühe „Drachenboot“ dürfte dem Fischer des Fürstbischofs von Brixen gehört haben, der der Eigentümer des Obersees war, und ist heute im Talschaftmuseum Zeitreise Defereggen in St. Jakob (Unterrotte 75) ausgestellt, zusammen mit vielen anderen Dokumenten und historischen Funden aus dem Defereggental.

Alpengasthaus Obersee

Alpengasthaus Obersee

Während des Drachenboot-Rennens wurde auf der Straße und den Wiesen rund um den Staller Sattel geparkt, aber normalerweise ist der Ausgangspunkt für einen Besuch am Obersee der Wanderparkplatz Grünbichl (auch Bushaltestelle) oder etwas weiter bei den Staller Almen. Von dort ist es etwa 1 Kilometer Fußweg zum Obersee. Direkt am Bergsee kann man sich im Alpengasthaus Obersee mit Speis und Trank versorgen.

Wasserwandern

Wasserwanderweg

Wasserwanderweg

Unmittelbar neben der Defereggental Landesstraße (die Hauptstraße durch das Tal) fließt die Schwarzach. An diesem Fluss, am östlichen Ortsrand von St. Jakob, beginnt ein schöner Rundweg durch Moore, vorbei an Teichen, Quellen, Bergbächen und Wasserfällen. Schilder entlang des Weges informieren über Flora, Fauna und Naturkatastrophen wie das Hochwasser von 1966. Die kurze Version dieser Wanderung dauert etwa eine Stunde. Wir verlängern die Route und wandern zum Weiler Maria Hilf. Dort biegen wir bei der Wallfahrtskirche in Richtung Stadtner Mühle und – 20 Minuten entfernt – zum Staller Wasserfall ab. Auf der Aussichtsplattform aus Lärchenholz stehen wir so nah am fallenden Wasser, dass wir die Tropfen im Gesicht spüren.

Stadtner Mühle und Staller Wasserfall

Stadtner Mühle und Staller Wasserfall

Wasser ist im Defereggental so allgegenwärtig, dass sogar eine eigene „Wasserschatzkarte“ herausgegeben wurde. Auch in Hopfgarten gibt es ein Wassererlebnisweg, und Kinder können sich in der Spiel- und Ausglugsarena Wassermythos Ochsenlacke vergnügen, wo sich rund um einen Bergsee auf 2350 Metern Höhe riesige Spielgeräte in Form von Tieren wie Bachforelle, Wasseramsel, Libelle, Alpenmolch und Grasfrosch befinden.

Heilendes Wasser

Heilwasserwelt

Heilwasserwelt

Der größte Wasserschatz des Defereggentals befindet sich nicht hoch oben in den Bergen, sondern tief unter der Erde auf 1850 Metern. Dort wurde im Jahr 2004 eine Quelle mit Thermalwasser angezapft. Im Jahr 2011 wurde das Wasser als „heilkräftig“ anerkannt wegen seines extrem hohen Mineraliengehalts: Vor allem Jod, Natrium und Chlorid, aber zum Beispiel auch Calcium und Magnesium.

Rund um die Quelle ist inzwischen die Heilwasserwelt entstanden, mit Kneippweg, Rastplätzen und dem Heilwasserhaus: Ein als Felsenhöhle gestalteter Ausstellungsbereich, in dem man Führungen zur Geschichte, Geologie und Wirkungsweise des mindestens 600.000 Jahre alten Wassers bekommt. „Wir haben mit den Bohrungen begonnen, weil wir vermuteten, dass wir auf Thermalwasser stoßen würden“, sagt Führerin Manuela Gutwanger. „Wir hofften, ein kleines Thermalbad mit einem Schwimmbad und allen möglichen Behandlungen einrichten zu können.“

Tresen der Heilwasserwelt

Tresen der Heilwasserwelt

So war die Euphorie groß, als tatsächlich warmes Wasser an die Oberfläche stieg, doch bald folgte die Ernüchterung. Denn das Wasser befindet sich nicht in einem unterirdischen See, sondern bildet an Rissen im porösen Gestein kleine Becken. Gutwanger: „Durch den natürlichen Druck kommt es nur sehr langsam an die Oberfläche, maximal 450 Liter pro Tag. Damit könnte man nicht einmal ein Schwimmbad füllen.“

Das Wasser, das durch unterirdische Leitungen gepumpt und in Flaschen abgefüllt wird, ist nicht trinkbar (zu salzig), wird aber (pur oder z.B. als Wickel) für medizinische Anwendungen genutzt. Nach Langzeituntersuchungen scheint es vor allem Gelenkbeschwerden und Hautkrankheiten wie Schuppenflechte und Akneekzeme lindern zu können, sowie Erkrankungen der Nasennebenhöhlen und Atemwegen.

Schnabelmenschen

Die Kunstgrotte im Heilwasserhaus

Die Kunstgrotte – Sironahöhle – im Heilwasserhaus

Die Kunsthöhle im Heilwasserhaus (Sironahöhle, benannt nach der keltischen Göttin Sirona) wurde vom Osttiroler Künstler Michael Lang gestaltet. Zu sehen sind u.a. zylindrische Gesteinsstücke, die mit dem Bohrkern an die Oberfläche gebracht wurden. Sie zeigen Aufbau und Struktur der geologischen Schichten in unterschiedlichen Tiefen. Blickfang im angrenzenden Shop sind große, abstrakte Farbbilder. Es stellt sich heraus das es Fotografien sind von polierten Gesteinsscheiben, die unter dem Mikroskop tausendfach vergrößert wurden. „Eine Art Röntgenbilder von Stein“, sagt Gutwanger.

Schnabelmenschen-Dekoration

Schnabelmenschen-Dekoration

Der Tresen und die Wände des Ladens sind mit aus Holz geschnitzten Schnäbeln verziert, wie auch die Fassade des Heilwasserhauses. Es ist eine Anspielung auf die Sage von den riesigen Schnabelmenschen, die in Urzeiten über das Defereggental und seine Bewohner wachten und für Wohlstand sorgten. Ihr Schutz war jedoch an Bedingungen geknüpft: Niemand durfte das Tal verlassen und Fremde durften nicht einreisen. Eines Tages jedoch sammelte sich in einer Mulde oberhalb der Jagdhausalm Wasser. Vorbeiziehende Wolken nahmen die Gestalt ferner Kontinente und Länder an, die sich auf der Oberfläche des Pfauenauges – wie der kleine See genannt wurde – spiegelten. So zog das Fernweh ins Defereggenertal ein. Bald zogen junge Männer als Hausierer durch die Welt und verkauften Sensen, Schleifsteine, Uhren, Teppiche und sogar Hüte.

Mitten durch das Naturschutzgebiet führt der Schwefelbrunner Wanderweg zur Heilwasserwelt.

Wanderweg zur Heilwasserwelt, mitten durch ein Naturschutzgebiet  

Um eine lange Legende abzukürzen: Die Schnabelmenschen verschwanden auf und mit dem Wohlstand im Tal war es vorbei. Doch irgendwann kam alles wieder in Ordnung. Viele Jahrzehnte später brachte eine Gruppe von Heimkehrern eine Flöte mit, deren Mundstück sofort an die Schnabelmenschen erinnerte. Niemand konnte ihr einen Ton entlocken, und so wurde sie in St. Jakob zur Erinnerung direkt in den Boden gesteckt. Als der Wind durch die Flöte wehte, erklang eine schöne Melodie. Die von ihr angelockten Schnabelmenschen tauchten wieder auf. Sie versöhnten sich mit der Bevölkerung und zogen sich dann für immer in ihr Versteck im unterirdischen Salzsee zurück – denn „Salzsteine“ waren ihre liebste Delikatesse. Seither herrscht im Tal wieder Wohlstand.

Deferegger Heilwasser-Produkte wie ein reines Spray, eine Körperlotion, eine Feuchtigkeitscreme, ein Shampoo und ein Duschgel sind im Shop in der Heilwasserwelt selbst oder im Webshop (Versand nach Deutschland, Österreich und Italien) erhältlich. Klicken Sie hier für weitere Verkaufsstellen.

Musikfest

Gemeinsamer Auftritt der Musikkapellen St. Jakob und St. Veit

Gemeinsamer Auftritt der Musikkapellen St. Jakob und St. Veit

In jeder Legende steckt ein Körnchen Wahrheit. Tatsache ist, dass im Defereggental, das meist zu steil und unfruchtbar für die Landwirtschaft war, lange Zeit große Armut herrschte. Deshalb zogen viele Bewohner als Händler und Spielleute in die Ferne. Bei ihrer Rückkehr brachten sie Wissen von außerhalb des Tals mit. Unter anderem dadurch fasste der Protestantismus dort Fuß, was 1664/65 zu einer großen Vertreibung der evangelischen Christen durch die Erzdiözese Salzburg – zu der das Defereggental damals gehörte – führte.

Die Musikkapelle St. Virgen stellt sich auf

Die Musikkapelle Virgen stellt sich auf

Mitte des 19. Jahrhunderts siedelten sich in der gesamten österreichisch-ungarischen Monarchie Händler aus dem Tal an und eröffneten Fabriken. Dies führte zu einer verstärkten Abwanderung von Einheimischen, die jedoch meist den Kontakt zur Heimat nicht abbrachen. Aufgrund dieses Austausches war Defereggen eines der ersten Täler Tirols, das sich dem Tourismus professionell zuwandte. Wäre es nicht relativ isoliert gelegen, wäre es heute wahrscheinlich ein touristischer Hotspot. Was früher als Nachteil angesehen wurde, ist heute ideal für ruhesuchende Touristen und Einheimische, die dank der Gäste genügend Arbeit und Einkommen haben und sich trotzdem nicht „überrannt“ fühlen. Auch deshalb kann man hier als Gast noch Teil der Gemeinschaft sein. Das merkt man, wenn sich Blaskapellen und Schützen aus dem Iseltal in St. Jakob zu ihrem alljährlichen Event treffen: dem Iseltaler Bezirksmusikfest. Am Abend der offiziellen Eröffnung mit Musik, Speis und Trank sitzen wir auf dem Festgelände unter den Einheimischen, sprechen mit ihnen über dies und jenes  und fühlen uns zugehörig, als uns die Marketenderinnen der Schützen auch um eine Spende im Austausch für einem Glas Schnaps bitten. Natürlich geben wir großzügig.

Freiluftmesse

Die neue Fahne der Musikkapelle St. Jakob wird gesegnet

Die neue Fahne der Musikkapelle St. Jakob wird gesegnet

Am nächsten Morgen findet eine Messe unter freiem Himmel auf dem Platz bei der Kirche St. Jakob statt. Danach versammeln sich die Musikkapellen und Schützen zu einem Umzug zum Festgelände, wo sie alle auftreten und natürlich weiterfeiern werden. Wir schauen von der Terrasse der Café-Gelateria  Knappenstube (Unterrotte 2) aus zu, wieder mit kleinen Grüppchen anderer Gäste unter den meist festlich gekleideten Einheimischen. Nachdem als letzter die Kalser Musikkapelle vorbeimarschiert ist, trinken wir ein letztes Glas Quellwasser (das hier überall aus dem Hahn kommt) und fahren selbst in Feierlaune aus dem Defereggental hinaus.

Klein-Tibet

Jagdhausalm

Jagdhausalm © Wikimedia Commons, Roman Klementschitz

Eine der touristischen Hauptattraktionen im Defereggental ist die Jagdhausalm, das älteste Alpendorf Österreichs und einer der meistfotografierten Orte des Nationalparks Hohe Tauern. Da das Gebiet hoch über der Baumgrenze auf 2008 Metern liegt, wurden die 16 Häuser und die Kapelle ab dem frühen 13. Jahrhundert aus Stein gebaut, was ihnen den Spitznamen „Klein-Tibet“ einbrachte. Ursprünglich waren die heute unter Denkmalschutz stehenden Almen ganzjährig bewohnt. Heute nutzen die Eigentümer, ein Zusammenschluss von 15 Südtiroler Bauern aus Taufers und einigen anderen Dörfern des Pustertals, die Almen nur noch im Sommer. Dann weiden dort unter der Aufsicht von drei bis fünf Hirten durchschnittlich 350 Stück Vieh, meist Rinder und Schafe.

Das Pfauenauge

Das Pfauenauge © Nationalpark Hohe Tauern / Mathäus Gartner

Oberhalb der Almen, gleich hinter einer Moräne, verbirgt sich ein kleiner runder See: Das Pfauenauge“ aus der Sage vom Schnabelvolk.

Wer die Jagdhausalm (mit Jausenstation) besuchen möchte, sollte sich einen schönen Tag aussuchen, um die Aussicht zu genießen. Die Wanderung vom Alpengasthof Oberhaus (wo man parken kann) hin und zurück ist nicht anstrengend, dauert aber mindestens vier Stunden (12,5 Kilometer, 324 Höhenmeter).

Tipps & Adressen

Allgemein

Das 60 km lange Defereggenertal in Osttirol ist umgeben von den Deferegger Alpen, der Rieserfernergruppe, der Lasörlinggruppe und der Schobergruppe. Die höchstgelegene Gemeinde (1.495 Meter) ist St. Veit. St. Jakob liegt auf 1.389 Metern und Hopfgarten auf 1.107 Metern. Vom Bahnhof in Lienz, der Hauptstadt Osttirols, verkehren täglich mehrere Busse. Der nächstgelegene Flughafen befindet sich in Innsbruck. Klicken Sie hier für weitere Informationen zur (nachhaltigen) Mobilität in und nach Osttirol.

Allgemeine Informationen zu Unterkünften, Gastronomie, Aktivitäten, Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen im Tourismusbüro: Unterrotte 44 in St. Jakob in Defereggen, osttirol.com/defereggental

Das Defereggental ist ein schneesicheres Wintersportgebiet. Klicken Sie hier, um mehr darüber zu erfahren, was Sie dort erleben können.

Lesen Sie auch unsere Berichte über das Virgental in Osttirol und über die Hauptstadt Lienz.

Schlafen, essen, trinken

Landhaus Santolina

Natürliche Materialien wie Holz und Stein prägen die gemütlichen Gästezimmer im Landhausstil im Landhaus Santolina, benannt nach einer Heilpflanze. Alle Zimmer verfügen über einen Balkon. Das Frühstücksbuffet ist reichhaltig. Die freundliche Gastgeberin Brigitte Steinhauser ist auch Heilpraktikerin und ausgebildete Skilehrerin. Innerrotte 57, St. Jakob im Defereggental, santolina.at

Biohof Stemberger

Bernhard und Isabella Stemberger verbinden ihren Biohof mit der Vermietung von vier modernen und großzügigen Ferienwohnungen. Ideal also für einen (Familien-)Urlaub am Bauernhof. In ihrem großen Hofladen verkaufen sie auch alles, was man zum Kochen braucht, sowie eigenes Fleisch und Käse und Spezialitäten von anderen Produzenten aus dem Tal. Bruggen 49 in St. Veit, biohof-stemberger.at

Gasthof Jagawirt

Im Gasthof der Familie Paulitschke werden traditionelle österreichische/tirolerische Gerichte sowie Wildspezialitäten gut zubereitet. Wir haben z.B. perfekte Käsespätzle gegessen, ein Gericht, das sich einfach anhört, aber oft durch „falschen“ (nicht sehr würzigen) Käse oder die Zugabe von Sahne enttäuscht. Die Familie vermietet auch einige Gästezimmer. Innerrotte 26 in St. Jakob, urlaub-stjakob.at

Kohlplatzl

In diesem Restaurant (zu dem auch ein einfaches Gästehaus gehört) gibt es ausnahmsweise (fast) keine österreichischen Klassiker auf der Karte, sondern vor allem Pizzen, Burger und Wraps sowie das eigens gebraute Kohlenbier. Mit Kinderspielplatz neben der großzügigen Terrasse. Dorf 21 in Hopfgarten in Defereggen, kohlplatzl.at

Landgasthof Alpenrose

Stumpferstube: So heißt die stimmungsvolle Gaststube im Tiroler Stil im Landgasthof Alpenrose. Hier werden österreichische Klassiker in zeitgemäßem Stil zubereitet und präsentiert. Die Familie Wieser verfügt auch über einige Gästezimmer. Oberrotte 49, St. Jakob in Defereggen, gasthofalpenrose.at

Alpengasthof Pichler

Das Hotel-Restaurant im Bergdorf St. Veit auf 1.500 Metern liegt inmitten des Nationalparks Hohe Tauern und ist offizieller Partner des Naturparks. Es ist somit ein idealer Ausgangspunkt für die Erkundung der umliegenden Bergwelt. Mit modern-traditionellen Deluxe-Zimmern im Haupthaus oder rustikalen Alpinzimmern im Nebengebäude. Das Restaurant ist als AMA Genusswirt zertifiziert, ein Gütesiegel für Gastronomen, die Regionalität, Qualität und kulinarischen Genuss zu verbinden wissen. Auf der Speisekarte stehen typische Tiroler Gerichte, saisonale Spezialitäten und moderne vegetarische Kreationen. Gsaritzen 13 in St. Veit, alpengasthof-pichler.at

Jausenstation Feistritzstüberl

Bergrestaurant in St. Jakob, an der Piste der Feistritzbahn mit Anschluss an das Skigebiet Brunnalm. Im Sommer kann man mit dem Auto hinauffahren oder von der Talstation der Feistritzbahn in einer Stunde dorthin wandern und von der Panoramaterrasse den Blick über das Defereggental genießen. Auf der Speisekarte finden sich neben Tiroler Gerichten auch Kuchen und Eis. Feistritz 22 in St. Jakob, Jausenstation-Feistritzstüberl

Jausenstation Alpe Stalle

Von Maria Hilf (Parkplatz bei der Wallfahrtskirche) aus kann man in etwa einer Stunde zu diesem rustikalen und schön gelegenen Bergrestaurant wandern. Wer sich den teilweise beschwerlichen Aufstieg ersparen möchte, kann aber auch mit dem Auto anreisen. Hüttenwirt Bruno serviert Spezialitäten aus der Tiroler Küche, wie Knödel, Schlipfkrapfen und hausgemachten Apfel-Quark-Strudel. Alpe Stalle 1 in Oberrotte, jausenstation-stalle.edan.io

Einkaufen

Deferegger Machlkammer

Früher gab es auf jedem Bauernhof im Defereggental eine Machlkammer: eine Stube, in der vom Essen bis zum Werkzeug alles hergestellt wurde. Als die Hausarbeit immer unbeliebter wurde und viele Fähigkeiten verloren zu gehen drohten, gründete eine Gruppe von Kreativen aus dem Tal die Machlkammer, eine Vereinigung von Handwerkern und Produzenten. Sie präsentieren und verkaufen ihre Produkte im gleichnamigen Geschäft in Hopfgarten. Hier finden Sie einzigartige Souvenirs, von kulinarischen Spezialitäten über Kunsthandwerk bis hin zu Produkten aus dem Deferegger Heilwasser. Besuchen Sie auch die Galerie neben dem Geschäft, in der wechselnde Ausstellungen moderner Künstler zu sehen sind. Dorf 10 in Hopfgarten, deferegger-machlkammer.at

Kunsthandwerk

Von der Krippe bis zur (Heiligen-)Figur, von der Krampusmaske bis zur Reliefschnitzerei: Der Bildhauer und Restaurator Johann Planer ist bekannt für sein traditionelles Tiroler Kunsthandwerk mit Liebe zum Detail, was sich besonders in seinen Naturszenen und ausdrucksstarken Krippenfiguren zeigt. Er verkauft seine Werke weltweit, oft auch an Touristen, die ihm nach einem Besuch in seiner Werkstatt in St. Veit – wo eine große Auswahl ausgestellt ist – Aufträge erteilen. Görtschach 54 in St. Veit, herrgottschnitzer.info

Bier

Der 2020 gegründete Verein Geigenseer vermarktet ein Osttiroler Bier, das mit Wasser aus den Defereggen gebraut wird. Das Geigenseer, ein Helles, ist nach dem Geigensee benannt, der auf einer Höhe von 2004 Metern über dem Meeresspiegel liegt und über eine anstrengende Wanderung von Hopfgarten aus erreichbar ist. Erfreulicherweise ist das Bier im Tal in der Brauerei selbst (Dölach 33 in Hopfgarten) und in vielen ADEG-, SPAR- und Lagerhaus-Läden in Osttirol erhältlich. geigenseer.at

Deferegger Senf

Auch für Bernd Troger, gelernter Koch und nun Senfmacher, ist das Deferegger Bergwasser eine der Hauptzutaten für seinen Deferegger Senf. Die Senfkörner werden mit dem Bergwasser kalt vermahlen, damit sich die ätherischen Öle und Wirkstoffe optimal entfalten können. Aus Kräutern, Früchten und Gewürzen stellt er dann rund 30 verschiedene Senfsorten her. Zu kaufen u.a. in der Deferegger Machlkammer. senfmacher.at

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