Anklöpfeln

Gewünschter Weihnachtsbesuch

Sie bringen Wärme und Atmosphäre in kalte Winternächte: die Anklöpfer, die in der Tiroler Adventszeit von Haus zu Haus ziehen, um Weihnachtslieder zu singen. Die jahrhundertealte Tradition ist von der Unesco als immaterielles Weltkulturgut anerkannt worden.

Text: Emely Nobis / Bild: Volksliederchor Schwaz

Auf amol isch Winter wor’n …“ singen die neun Männer des Volksliederchors Schwaz, einer Stadt in derTiroler Silberregion Karwendel. Auch wenn es noch Sommer ist, ist Weihnachten während der vierzehntägigen Proben nie weit weg. Das ganze Jahr über proben sie die Weihnachts- und Volkslieder, die sie in der Adventszeit in etwa fünfzig Wohnzimmern aufführen werden. Das geschieht nach einem festgelegten Ritual. Als Schäfer verkleidet (Lodenmantel, Hut, Stock, Laterne) klopfen die Männer an die Haustür (Anklöpfln) und fragen, ob sie eintreten dürfen. Nach dem ‚Einlass‘ gehen die Lampen im Wohnzimmer aus, so dass der Raum durch den Schein der mitgebrachten Laternen stimmungsvoll erleuchtet wird. Die Sänger gruppieren sich in einem Halbkreis um die Familie und klopfen mit ihren Stöcken einige Male auf den Boden: für ihre Zuhörer das Signal, still zu sein und zuzuhören. Die „Hirten“ singen etwa zehn Lieder und tragen ein Weihnachtsgedicht vor. Dann gehen die Lampen wieder an, man bietet ihnen einen Schnaps, etwas Suppe oder Brot an und verabschiedet sich mit den Worten: „Mir wünsch’n eich no a besinnliche Adventzeit, recht scheane Weihnacht’n und all’s Guate im Neuen Jahr„.

Freudige Botschaft

Das Anklöpfln wurde 2011 als immaterielles Unesco-Weltkulturgut anerkannt, als eine „lebendige religiöse Tradition“, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Das Phänomen wird erstmals in sogenannten Losbüchern (Orakelbücher) aus der Mitte des 15. Jahrhunderts beschrieben. Damals war es noch ein weltlicher Brauch: Durch das Anklöpfeln wollte man die Zukunft kennen lernen. Wenn man zum Beispiel zur richtigen Zeit an eine Stalltür klopfte, konnte man die Tiere über die Todesfälle des kommenden Jahres sprechen hören. Die vier Donnerstage vor Weihnachten waren die sogenannten Klöpfelnächte.

Ab dem 16. Jahrhundert wurde die in ganz Tirol verbreitete Tradition zunehmend als unchristlich verboten oder im Gegenteil in christliche religiöse Bräuche eingebettet. Es gab auch regionale Unterschiede. Im Südtiroler Sarntal beim Klöckeln (wie die Tradition hier genannt wird) sind noch viele mehr „heidnische“ Elemente erhalten geblieben. Das hier beschriebene Anklöpfeln ist einzigartig im Tiroler Unterinntal und hat einen stark christlichen Charakter. Die singenden Hirten verkünden die freudige Botschaft von der Geburt Jesu. Das Anklopfen an Türen steht auch symbolisch für die Suche von Maria und Josef nach einer Herberge.

An einigen Orten werden die Sänger sogar von Maria, Josef und einem Gastwirt mit weißer Schürze begleitet. Dies ist in Schwaz nicht der Fall. „Die besinnliche Atmosphäre liegt uns sehr am Herzen“, sagt Josef Kirchmair. Er ist der Dokumentarist des 1928 gegründeten Chores und erlebt immer wieder, wie die Uhr zurückgedreht wird, sobald die Sänger ein Wohnzimmer betreten. Ihre altmodische Kleidung und das stimmungsvolle Kerzenlicht tragen dazu ebenso bei wie ihr vierstimmiger Gesang („Männerstimmen klingen warm“) und die Lieder selbst, die in Text und Melodie Ruhe und Harmonie ausstrahlen: „Genau das, was viele Menschen in der heutigen Zeit vermissen“.

Magische Weihnachten

Die Chormitglieder selbst investieren gerne ihre Zeit in die Pflege der Tradition. Auf diese Weise wollen sie die Tiroler Lieder am Leben erhalten. Sie legen auch großen Wert auf Kameradschaft und ein gemeinsames Bier nach den Proben. Natürlich genießen auch sie die besondere Atmosphäre während ihrer Auftritte. Sie finden nicht mehr nur donnerstags in der Adventzeit statt, sondern vor allem an den Wochenenden. An einem Abend klopfen sie im Durchschnitt an fünf bis acht Türen. Sie gehen nicht mehr wie früher automatisch von Haus zu Haus. Die Zeit hat sich in dieser Hinsicht geändert. „Nicht jeder bleibt dafür zu Hause und nicht jeder schätzt unseren Besuch“.

Wer den Anklöpfer empfangen möchte, muss sich jetzt vorher anmelden. Das sind immer noch genug Leute. Hinzu kommt, dass dort, wo der Chor hinkommt, in der Regel mehrere Generationen oder ganze Nachbarschaften im Wohnzimmer versammelt sind. „Für sie ist das einfach dazu. Wenn die Anklöpfer nicht kommen, ist es nicht Weihnachten. Wir machen Weihnachten magisch.“

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