Tradition & Brauchtum

Totentanzmuseum Metnitz

Text: Emely Nobis / Bild: Frits Roest

Im Totentanzmuseum in Metnitz (Kärnten) ist der Tod allgegenwärtig, dank zahlreicher historischer und moderner Kunstwerke, die einen „Totentanz“ darstellen.

Das Thema des Totentanzes oder ’dance macabre’ ist seit Jahrhunderten Teil der westlichen Kultur, insbesondere der Malerei. Vor allem im Mittelalter, als kaum jemand lesen oder schreiben konnte, hatten die Bilder einen didaktischen Zweck. Sie sollten die Menschen dazu anregen, ein gutes Leben zu führen angesichts des unvermeidlichen Todes, der alle Menschen ohne Ansehen des Standes zu sich ruft.

Totentanzmuseum Metnitz

Totentanzmuseum Metnitz

Gotisches Leichenhaus

Dass in Metnitz in Kärnten ein ganzes Museum dem Motiv des Totentanzes gewidmet ist, geht auf den gotischen Karner in diesem Ort bei Sankt Veit an der Glan zurück. Die Außenwand dieses achteckigen Gebäudes mit steilem Pyramidendach wurde im Mittelalter mit einem imposanten Totentanzzyklus bemalt, der etwa 1,20 Meter hoch und 50 Meter lang ist. Das Fresko zeigt drei Gruppen (Adel, Klerus, Volk) mit insgesamt 25 Figuren, die jeweils vom Tod begleitet werden. Gemeinsam tanzen sie einen Reigen um das Beinhaus. Zu ihren Füßen ist ein deutschsprachiges Spruchband abgebildet, das unter jedem Figurenpaar den Dialog des Todes mit seinem Opfer zeigt.

Im Laufe der Jahrhunderte waren die Bilder so verwittert (und teilweise verschwunden), dass man 1968/69 beschloss, die am besten erhaltenen Teile zu entfernen und zur Restaurierung nach Wien zu bringen. Dann wollte das Bundesdenkmalamt die Fresken dauerhaft im Schloss Straßburg bei Gurk in Kärnten ausstellen. „Das haben wir natürlich nicht akzeptiert“, sagt Kurator Walter Vinzenz Ebner vom Totentanzmuseum. Der darauf folgende Kulturkampf wurde von Metnitz gewonnen. Dort erhielten die restaurierten Kunstwerke Ende der 1990er Jahre ein eigenes Museum.

Restauriertes Fresko

Restauriertes Fresko

Fröhlicher Tod

Von den ursprünglich 25 Figurenpaaren konnten zehn restauriert werden. Im Museum sind nun der Krüppel, der Koch (erkennbar an seinen Kochutensilien), der Bauer (mit Dreschflegel), das Kind, die Mutter (neben einer leeren Wiege), zwei Prediger (ein Franziskaner und ein Dominikaner), der Papst, der Kaiser und die Kaiserin zu sehen. Außerdem sind das Schweißtuch der Heiligen Veronika und eine Darstellung der Hölle in Form einer aufgerissenen Kehle eines Monsters, in der sich verschiedene Verdammte befinden, zu sehen. Was die Aufmerksamkeit auf sich zieht und sogar zum Schmunzeln anregt, ist der Tod selbst, der in verschiedenen Gestalten auftritt. Der Papst zum Beispiel wird von einer trommelnden Todesgestalt aufgefordert, ihm zu folgen. Das Kind wird von einer schwarzen Todesgestalt mit einem weißen Leichentuch an der Hand genommen. Der König wird von einer breit grinsenden Todesgestalt angesprochen und lässt vor Schreck sein Zepter fallen. Ebner kann nicht mit Bestimmtheit sagen, warum der Sensenmann eher fröhlich als makaber dargestellt wird. Als die Fresken entstanden, gehörte der Tod auf jeden Fall viel mehr zum Leben als heute.

(Internationale) Exponate

(Internationale) Exponate

Inzwischen ist die Sammlung des Museums um zahlreiche weitere historische und moderne Totentanzkunstwerke erweitert worden. Der Zyklus Ein Totentanz des Kärntner Künstlers Peter Brandstätter etwa stellt in elf Ölgemälden moderne Todsünden wie Macht- und Geldgier, Drogensucht, Terror, Klimaverschmutzung und die Gefahr eines Atomkriegs dar. Weniger düster ist Der Tod lebt, 19 farbenfrohe glasierte Keramikreliefs mit Szenen, die von den Malereien des Metnitzer Karner abgeleitet sind.

Karner oder Beinhaus in Metnitz

Karner oder Beinhaus in Metnitz

Karner

Auf dem Karner oder Beinhaus selbst, in der Nähe des Museums, ist heute der gleiche Bilderzyklus wie im Mittelalter (fast) wieder zu sehen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass bereits 1885 Aquarellkopien des Originals angefertigt wurden, noch bevor ein Großteil des Bildes für immer verblasst war. Diese Aquarelle wurden 1989 von den Künstlern Walter Campidell und Dietrich Wiedergut verwendet, um das Beinhaus in Freskotechnik neu zu gestalten. Lediglich für die Südwestseite, wo es 1885 noch nichts gab, musste die Hilfe eines Totentanzzyklus aus dem sogenannten Heidelberger Blockbuch (1465) in Anspruch genommen werden. Der Textband unter den Figuren iat ebenfalls diesem Buch entnommen. Am Beinhaus kann man nun auch die Figuren sehen, die im Museum fehlen, darunter ein Erzbischof, ein Ritter, ein Abt, ein Kaufmann, ein Apotheker und eine Nonne. Und viele weitere verschiedene Sensenmänner. Neben dem Trommler gibt es auch Flötisten und Dudelsackspieler, und neben einem grauen Tod auch einen fröhlichen springenden Tod.

Zusammen bildet dieser rekonstruierte Zyklus die passende Kulisse für den Metnitzer Totentanz, ein Theaterstück das alle vier Jahre von Metznitzer Laienschauspielern und Chören rund um den Karner aufgeführt wird. Die nächsten Aufführungen finden im Juli und August 2022 statt. Lesen Sie hier mehr darüber.

Kopien der Fresken auf dem Beinhaus

Kopien der Fresken auf dem Karner

Der Karner  mit den Kopien der Fresken, direkt südlich der Pfarrkirche, ist das ganze Jahr über frei zugänglich.

Das Totentanz-Museum (neben der Kirche) ist vom 1. Mai bis Mitte Oktober geöffnet. Neben den Kunstwerken wird auch ein Film über die Geschichte des Totentanz-Zyklus und seine Restaurierung gezeigt, sowie Aufnahmen von früheren Ausgaben der Totentanzspiele in Metnitz. Marktplatz 7 in Metnitz, totentanz.eu

Berliner Hütte, Zillertal
Technisches Museum Wien © TMW
Tierwelt Herberstein - Eingang
Glöckner Ebensee Kappenmotiv
Wiener Sängerknaben
Maria Theresia © BMobV, Tina Haller
Marchfelder Schlösserreich
Burg Laudeck
Unterirdischer See im Salzbergwerk© C. Kossmann
Stift Stams
Donauturm
Franzensburg
Kaiservilla
Naturpark Neusiedler See Leithagebirge
Festung Nauders
Donau zwischen Wien und Hainburg
Palmenhaus Schönbrunn
Goldenes Dachl
Panda im Tiergarten Schönbrunn
Wiener Staatsoper© Wien Werbung
Rattenberg
Schloss Grafenegg© Alexander Haiden
Hofkirche mit den schwarzen Mandern
Museum Tiroler Bauernhöfe
Schloss Ambras
Carnuntum - Villa Urbana
Bewegte Miniatur eines Handwerks (Holzarbeiter)
Burg Hochosterwitz© Wikimedia Commons / Arcomonte26
Schloss Hof
© Wikimedia Commons / Naturpur Fotos
Schloss Eckartsau
© Christian Stemper 2012
© disney.wikia.com