Tradition & Brauchtum

Metnitzer Totentanz

Text: Emely Nobis / Bild: Frits Roest

Vor dem Tod sind alle Menschen gleich… Das ist das Thema des Metnitzer Totentanzes, einem beliebten Theaterstück, das alle vier Jahre von Laienschauspielern und Chören aus Metnitz in Kärnten aufgeführt wird. Im Sommer 2022 wird es erneut aufgeführt.
Karner

Karner

Auf, auf, o Mensch
mach dich bereit…
es gilt ein Kranz,
der Tot rufet alle nach sein
Gefallen zu seinem Tanz

Mit dem obigen Text kündigt ein Engel vom Metnitzer Kirchturm aus den Beginn des Metnitzer Totentanzes an. Rund fünfhundert Zuschauer haben vor einer Stunde Platz genommen auf Stühlen rund um die Freilichtbühne: Der Karner südlich der Pfarrkirche. Zu Beginn des Abends sahen sie das Privilegierte Schützenkorps Metnitz einmarschieren, etwa hundert Musikern, Wachen, Fahnenträgern und Marketenderinnen in Uniformen aus dem achtzehnten Jahrhundert. Sie unterhalten das Publikum mit Musik, bis sich gegen 21.10 Uhr die Chöre und Schauspieler – allesamt Amateure aus Metnitz – auf der Bühne versammeln.

Als kurz darauf der Engel seinen Ruf ertönen lässt, ist es bereits dunkel. Fackeln – die einzige Lichtquelle – schaffen eine fast mythische Atmosphäre. Dann erscheint der Sensenmann auf der Bühne. Nachdem er sich in einem langen Prolog vorgestellt hat, holt er nacheinander einen Knaben, einen König, einen Richter, einen Arzt, eine Jungfrau, einen Bauern, eine Mutter, einen Bischof und siebzehn weitere Figuren in sein Totenreich. Nach jeder Szene singt der Chor ein Lied…

Fresko des Totentanzes

Fresko des Totentanzes auf dem Karner

Gerechter Augenblick

Im Totentanz erinnert uns der Tod an die Vergänglichkeit des Lebens und der Engel an den Allmacht Gottes. Im Mittelalter waren Aufführungen dieses geistlichen Spiels, das vor allem die Buße predigte, weit verbreitet. Von den Klöstern und Städten aus wurde die Tradition unter der bäuerlichen Bevölkerung lebendig gehalten. Im Jahr 1870 wurde beispielsweise noch in Moosburg in Kärnten ein Totentanz aufgeführt. Außer in Theaterstücken wurde der Totentanz auch in Gemälden und Skulpturen, Gedichten, Sagen und Liedern thematisiert.

Es ist nicht bekannt, wann der letzte historische Totentanz in Metnitz aufgeführt wurde. Jedenfalls wurde die Tradition 1962 wieder aufgegriffen. Überlieferte mittelalterliche Texte wurden modernisiert und mit Kärntner Totenliedern angereichert. Heutzutage strömt ein internationales Publikum zu der alle vier Jahre stattfindenden Veranstaltung, obwohl alle Laiendarsteller Mundart sprechen und es keine Unter- oder Übertitel gibt. Das würde nicht nur die Authentizität verletzen, sagt der langjährige Organisator des Volksspiels Vinzenz Ebner. „Die Menschen verstehen die Symbolik ohnehin. Es geht darum, dass der Tod vielleicht der einzige gerechte Moment in unserem Leben ist, weil er keine Rücksicht auf Rang und Namen nimmt. König oder Bettler, Kind oder Mutter… wenn deine Zeit um ist, musst du dich verabschieden. Jeder, der vom Tod dazu gedrängt wird, ihm zu folgen, klagt. „Ich habe keine Zeit zum Sterben…“ „Ich bin noch zu jung….“ Aber der Tod ist unerbittlich, hat keine Geduld und gewährt niemandem zusätzliche Zeit.“

Totenschiff-Skulptur vor dem Museum

Totenschiff-Skulptur vor dem Museum

Totenschiff

Obwohl Metnitz nicht der einzige Ort ist, an dem heute noch Totentänze aufgeführt werden, ist das Thema wohl nirgends so allgegenwärtig wie hier. So ist an der Außenwand des Karners, der den Hintergrund für die Aufführung bildet, ein monumentaler Freskenzyklus (1,20 m hoch, 50 m lang) eines Totentanzes gemalt worden. Es handelt sich um eine rekonstruierte Kopie des ursprünglichen Bilderzyklus aus dem 15. Jahrhundert, der – sofern er erhalten gebleiben ist – im Totentanz-Museum neben der Kirche ausgestellt wird (und so vor weiteren Witterungsschäden geschützt ist). Zahlreiche weitere historische und moderne Kunstwerke mit Abbildungen von Totentänzen sind im Museum zu sehen. Auf dem Platz vor dem Eingang zieht auch ein riesiges rostbraunes Metall-„Todesschiff“ die Blicke auf sich: Das Werk des Bildhauers Hans-Peter Profunser aus dem Jahr 2011, das Metnitz gestiftet wurde, ist ein ehemaliges Kulissenstück einer Totentanz-Aufführung in Berg im Drautal.

Konfrontation

Ebner ist überzeugt, dass der mittelalterliche Totentanz auch – oder gerade – in unserer Zeit nichts von seiner Aussagekraft verloren hat. „Es ist ein Weckruf. Sehen Sie sich die Kriege und Klimaprobleme in der Welt an. Im Mittelalter wütete die Pest in Europa, in den letzten Jahren sterben täglich Menschen an der Corona. Wenn man während des Spiels auf der Bühne steht, geht man ganz anders nach Hause, als man gekommen ist. Man sieht Leute, die mit 20 oder 30 Stundenkilometern nach Hause fahren, während sie früher am Abend viel schneller unterwegs waren. Gerade in unserer Zeit, in der wir den Gedanken an den Tod lieber weit von uns schieben, ist es eine eindringliche Konfrontation mit unserer eigenen Sterblichkeit und der Sterblichkeit der Welt.“

Der makabre Totentanz im Fackelschein wirkt durch die Art und Weise, wie sich der Tod seinen Opfern nähert, besonders eindrucksvoll. Manchmal unverblümt und schroff, ein anderes Mal als erlösender väterlicher Freund. Die vielen Gesichter des Todes sorgen dafür, dass sich die Zuschauer auch fast persönlich angesprochen fühlen, wenn er gegen 23 Uhr seine letzten mahnenden Worte spricht:

Tretet all zu meinem Reigen dar,
die ihr bereits das Leben schon habt gegeben
in Gottes Hand zum seligen End!

Die Aufführungen des Metnitzer Todentanzes im Jahr 2022 finden am Freitag, den 29. Juli, Samstag, den 30. Juli, Freitag, den 5. August und Samstag, den 6. August statt. Bei schlechtem Wetter werden die Aufführungen in die Kirche verlegt. Die Karten sind oft schon Monate im Voraus ausverkauft, daher ist eine frühzeitige Buchung unerlässlich. Informationen und Karten: totentanz.eu, E-Mail: info@totentanz.eu

Lesen Sie hier mehr über das Totentanz-Fresko und das Totentanz Museum in Metnitz.

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