Geschmacksparadies Lavanttal

Text: Emely Nobis /  Bild: Frits Roest

Rauschende Wälder, saftig grüne Wiesen, sonnenverwöhnte Hänge, duftende Obstbäume und kulinarische Köstlichkeiten… das Lavanttal spricht alle Sinne an. Entdecken Sie dieses Slow Food Reiseziel im äußersten Osten Kärntens.
Blühende Obstbäume in Lavanttal

Blühende Obstbäume in Lavanttal © Lavanttaler Obst

Jonathan, Jonagold, Brünnerling, Idared, Rubinette, Welschbrunner, Bohnapfel…  Martina Lippitz weiß, wie man aus jeden Apfel einen hervorragenden Most macht. Wir sitzen auf der Panoramaterrasse ihrer hochgelegenen Buschenschank in St. Paul im Lavanttal (Kollnitzgreuth 1) und stellen fest, dass Wein aus verschiedenen Apfelsorten so unterschiedlich im Charakter ist wie Wein aus verschiedenen Rebsorten. Von recht süß mit viel Restzucker (köstlich zu ihren Krapfen mit Marmeladenfüllung) bis süß-sauer oder überwiegend säuerlich, von dezent würzig bis intensiv aromatisch (ein guter Begleiter zu ihrem würzigen Glundner Kas, einem Brotaufstrich aus gekochtem Topfen mit Kümmel).

Glundner Kas von Martina Lippitz

Glundner Kas von Martina Lippitz

Der Grundstein der Obstbautradition im Lavanttal und damit für die Mostproduktion wurde von Händlern aus dem bayerischen Bamberg gelegt. Zu der Zeit, als das Tal im Besitz der Bischöfe von Bamberg war (bis 1796), verkauften sie hier wagenweise junge Obstbäume: Ein lukratives Geschäft. Der Obstbau ist seither wichtig geblieben, auch wenn Martina Lippitz auf dem 2011 von ihren Eltern übernommenen Hof nun auch Wein aus Trauben, vor allem Sauvignon Blanc und Grüner Veltliner, erzeugt. Als Weinregion ist das Lavanttal ohnehin im Kommen, doch vorerst ist der Most (mit einem Alkoholgehalt bis zu 8 Prozent) dort das Nationalgetränk und gewinnt Martina zahlreiche Auszeichnungen für ihr „flüssiges Gold“.

Slow Food

Martina Lippitz

Martina Lippitz

Das Lavanttal, zwischen Koralpe und Saualpe gelegen, ist die östlichste Region Kärntens. Der Name stammt von dem Fluss Lavant, der das 64 Kilometer lange Tal von Norden nach Süden durchfließt und bei Lavamünd im Süden in die Drau mündet. Anders als im übrigen Kärnten finden Sie hier keine natürlichen Seen, dafür aber viel Grün, ein gut begehbares Mittelgebirge und ein mediterranes Alpenklima. Die warmen Sommertage und kühlen Nächte fördern die Aromen von Äpfeln und Birnen. Außerdem gedeihen auf dem fruchtbaren Boden zahlreiche andere Gemüse und Kräuter. Nicht umsonst ist das Lavanttal seit 2020 eine Slow Food Travel Destination, ein Projekt von Slow Food International zur Förderung des Naturtourismus. Weltweit gibt es noch keine 10 Regionen, die diesen Titel führen dürfen. Um zertifiziert zu werden, mussten die Lavanttaler Produzenten und Gastronomen vor allem das tun, was sie seit jeher tun: biologische Landwirtschaft, handwerkliche Verarbeitung regionaler Produkte und Verzicht auf Farb- und Aromastoffe oder Konservierungsmittel. Martina Lippitz zum Beispiel fördert die Artenvielfalt, indem sie in einigen Streuobstwiesen mit alten Apfel- und Birnensorten kaum noch pflückt. Dort ist die Natur sich selbst überlassen, als Nahrung für Vögel und Insekten.

Kloster-Brennerei

Stift Sankt Paul mit dem Kräutergarten im Vordergrund

Stift Sankt Paul mit dem Kräutergarten im Vordergrund

Der Kern des Konzepts der Slow Food-Reiseziele besteht darin, Touristen durch Führungen, Verkostungen und Workshops mit Erzeugern/Bauern bekannt zu machen, deren Methoden mit der Slow Food-Philosophie übereinstimmen: Zurück zu den Wurzeln des Geschmacks. Außerdem muss eine Region auch genügend kulturelle Attraktionen zu bieten haben. Beide Kriterien erfüllt die 1091 gegründete Benediktinerabtei St. Paul, die auf einem Hügel oberhalb des gleichnamigen Dorfes thront. Das Kloster (Hauptstraße 1 in St. Paul) hat einen schönen Barockgarten, beherbergt bedeutende Kunstschätze und besitzt eine imposante Bibliothek, die unter anderem Guttenbergs erstes gedrucktes Werk enthält. Der Lavanttaler Slow Food Partner bietet aber auch Führungen mit Verkostung in der Brennerei. Hier stellt der noch junge Pater Nikolaus Reiter rund 18 Sorten Bio-Edelbrände aus dem Obst der stifteigenen Streuobstwiesen her. Sein Sinn für Humor manifestiert sich in Namen wie Sündenfall für seinen Apfelbrand. Als er in das Kloster eintrat, so sagt er, wurden die Früchte der eigenen Obstgärten nicht mehr geerntet. ‚Ich hielt es für einen Skandal, besonders für ein Kloster, ein Lebensmittel auf Bäumen verrotten zu lassen. Zuerst wollte ich Marmelade daraus machen, aber wie viel Marmelade kann ein Mensch essen? Also bat ich den Abt um die Erlaubnis, es brennen zu dürfen.‘

Pater_Nikolaus Reiter

Pater_Nikolaus Reiter

Seitdem hat er mehrere Auszeichnungen für seine Destillate erhalten und stellt er auch einen „Monastic Gin“ mit Wildkräutern aus der Region her. Auf seiner Wunschliste stehen noch Whiskey und Wodka. Vielleicht wagt er sich eines Tages sogar an den Absinth, denn das dafür benötigte Kraut Absinthsalbei wächst im Kräutergarten des Klosters, der vor nicht allzu langer Zeit angelegt wurde.

Tonnen von Walnüssen

Während Martina Lippitz die Mostproduktion sozusagen von ihren Eltern übernommen hat, sind andere Lavanttaler Produzenten tatsächlich vom Weg ihrer Eltern abgewichen. Rund um den Hof von Othmar und Brigitte Kienzl gab es Unmengen von Nussbäumen, aber Brigittas Eltern machten nichts daraus. „Als die neuen Walnüsse geerntet wurden, lagerten die Nüsse aus den Vorjahren noch in der Scheune. Nüsse für den Eigenbedarf haben wir im Laden gekauft.“

Brigitte und Othmar Kienzl

Brigitte und Othmar Kienzl

Als Brigitte und ihr Mann 2010 den Betrieb übernahmen, beschlossen sie, Walnussöl herzustellen, zunächst für den Eigenbedarf und als Geschenk an Freunde und Bekannte. Nachdem seine Mutter in drei Wochen nur etwa 30 Kilo Nüsse geknackt hatte (und die ersten Tester mehr verlangten), kauften sie einen mechanischen Nussknacker. Mittlerweile verarbeiten sie sechs Tonnen eigene Walnüsse pro Jahr und einige weitere Tonnen von Nachbarn, denn auch diese können ihre getrockneten Walnüsse nun bei Familie Kienzl pressen lassen. „Jeder hier hat einen Walnussbaum im Garten. In der Vergangenheit ließen sie das Fallobst oft auf der Wiese verrotten. Jetzt kommen sie mit vollen Körben hierher und tragen das Öl nach dem Pressen wie einen Schatz nach Hause“, lacht Brigitte. Was mit der Idee begann, die eigenen Walnüsse bestmöglich zu verwerten, entwickelte sich nach und nach zu einer kleinen Manufaktur mit fast 15 verschiedenen Produkten aus der Walnuss: Neben hochwertigem kaltgepresstem und geröstetem Walnussöl auch Likör, Schnaps, Marmelade und Mehl, alles zu kaufen im Hofladen oder im Webshop (Lindhof 5 in Maria Rojach, wallnusöl-kienz.at).

Kaiserforelle

Fischzucht Marzi

Fischzucht Marzi – Teiche nebem dem Hof

Die Familie Marzi war vor mehr als 30 Jahren gezwungen, eine andere Art von Landwirtschaft zu betreiben, als sie durch den Bau einer Autobahn durch das Lavanttal große Teile ihres Landes verlor. Gerhard und Marianne Marzi beschlossen, sich auf eine ganz neue Branche zu konzentrieren: Forellenzucht. Sie entschieden sich von Anfang an für eine extensive Tierhaltung und verzichteten auf die Gabe von Antibiotika oder anderen Medikamenten. Ihre fünf Forellenarten schwimmen auch in natürlichen Teichen, die dank einer Quelle und eines Baches ständig frisches Wasser führen. Noch wichtiger ist, dass die Fische Zeit haben, zu wachsen. So werden sie beispielsweise im Winter nicht gefüttert, da Forellen im freien bei kaltem Wetter ebenfalls kaum fressen. Das macht sie natürlich weniger schnell „marktfähig“. Ihre patentierte Kaiserforelle mit saftigem rosa Fleisch, die als Alternative zum Seelachs entwickelt wurde, braucht sogar fünf Jahre, um ihr Endgewicht von 8 Kilo zu erreichen.

Stefanie Marzi

Stefanie Marzi

Die Fischzucht Marzi (Völking in St.Marein, marzi-forellen.at) wird mittlerweile von Sohn Gerhard Junior und seiner Frau Stefanie geführt. Über ihren Hofladen und an Gastronomen in der Region verkaufen sie jährlich rund 30 Tonnen Fisch, sowohl frisch als auch „veredelt“ zu (preisgekrönten) Produkten wie heiß und kalt geräucherten oder gebeitzte (graved) Forellen, Fischaufstrichen und Fischravioli. „Unser Motto lautet Small is beautifull„, sagt Stefanie. „Wir wollen regional bleiben, weil das am ökologischsten ist. Wir suchen auch immer noch nach einer Alternative zu Fischmehl, denn das ist im Moment wirklich noch ein Problem in der Fischzucht. Wir ersetzen bereits einen Teil davon durch Soja und Getreide aus Österreich, aber man braucht immer noch Fischmehl. Am liebsten würden wir ihn aus regional gesammelten Fischabfällen herstellen, aber das geht nur, wenn alle Gastronomen mitmachen. Unser eigener Abfall allein ist nicht genug.“

Hildegard von Bingen

Fräulein Maier’r Kräuterei

Fräulein Maier’r Kräuterei

Nicht jeder Slow-Food-Erzeuger ist von Geburt an Landwirt. Elisabeth Maier war Sozialarbeiterin in Graz (Steiermark). Nach der Pensionierung wollten sie und ihr Mann auf dem Lande leben. Dass sie im Lavanttal gelandet sind, war Zufall: Dort stand das abgelegene und ziemlich heruntergekommene ehemalige Gasthaus mit umliegendem Grundstück zum Verkauf, in das sie sich verliebten.

Elisabeth Maier und ihr Mann

Elisabeth Maier und ihr Mann

In den ersten Jahren waren sie nur in den Ferien und an den Wochenenden da, um aufzuräumen und die vernachlässigten Obstbäume und den überwucherten Garten frei zu hacken. Nach und nach begannen sie, Gemüse und Kräuter für den Eigenbedarf anzubauen. „Aber es wurde bald viel mehr, als wir selbst essen konnten“, sagt Elisabeth. Und so ließ sie sich zur Hildegard von Bingen-Kräuterexpertin ausbilden und gründete eine Firma: Fräulein Maier’s Kräuterei. In ihrem Hofladen (Rabensteingreuth 3 in Lavamünd) vertreibt sie nun essbare und kosmetische Produkte aus Kräutern, Obst, Gemüse und Blumen. Außerdem hat sie eine „Tomateria“ mit inzwischen rund 50 (meist alten) Tomatensorten aufgebaut, die sie unter anderem zu Marmelade, Ketchup und Essenz verarbeitet. Im Rahmen von Slow Food organisiert sie auch Kräuterwanderungen durch die Wälder rund um ihren Hof oder bietet Wanderern ein vegetarisches Frühstück mit hausgemachten Produkten und ihrem selbstgebrannten Schnaps zum Abschluss. Sie schätzt sich glücklich, ihr Grundstück in 650 Metern Höhe zu haben. Weil sich die aufgestaute Drau im Tal stark aufheizen kann, gibt es hier oft Nebel und ist es feucht: Ideal für Gemüse und Kräuter.

Elisabeth Maier bei einer Kräuterwanderung im Wald

Elisabeth Maier bei einer Kräuterwanderung im Wald

Der Nachteil ist, dass das Wetter schnell umschlagen kann. Am Abend vor unserem Besuch beschädigte ein plötzliches Gewitter mit Hagel nicht nur einige der historischen Fenster der Abteikirche in St. Paul, sondern auch Elisabeths Tomatengewächshäuser wurden zertrümmert und ihre Kräuter plattgedrückt. Sie bleibt trotzdem positiv. „Jetzt sieht es so aus, als ob ein Riese darauf getreten wäre, aber alles steht wieder auf und wächst weiter. Als Landwirt muss man lernen, mit den Launen der Natur zu leben.“

Knoblauchsfest

Knoblauchprodukte von Margit Holzer im Genussladen

Knoblauchprodukte von Margit Holzer im Genussladen

Slow Food Partnerin Margit Holzer ist zwar im Lavanttal aufgewachsen, hatte aber nie den Wunsch, den elterlichen Bauernhof in St. Margarethen zu übernehmen. Sie hat in Wien Tourismus studiert, hatte 17 Jahre lang einen „tollen Job und ein tolles Haus“ in Mailand und ging immer modisch gekleidet. Als ihr Vater 2013 plötzlich starb, beschloss sie, nach 26 Jahren Abwesenheit nach Kärnten zurückzukehren. „Meine Mutter wollte nicht mehr in der Landwirtschaft arbeiten, und ich konnte mich nicht dazu durchringen, den Hof zu verkaufen, ohne vorher zu versuchen, selbst etwas daraus zu machen.“

Margit Holzer

Margit Holzer

Sie fährt jetzt öfter Traktor als Cabrio, trägt öfter Stiefel als Pumps, und ist Bäuerin aus Überzeugung – aber mit dem Ehrgeiz und der Phantasie, unwegsame Pfade zu wählen. Ihre Eltern bauten Erdbeeren an, und ihre Tochter tut es immer noch – nur ist viel mehr dazugekommen. Als sie nach ihrer Rückkehr feststellte, dass in Österreich kaum Knoblauch angebaut wird, beschloss sie, in diese „Marktlücke“ einzutauchen – auch wenn alle sie für verrückt erklärten. Um für ihr neues Produkt zu werben, organisierte sie mit anderen regionalen Erzeugern und Gastronomen ein „Knoblauchfest“. „Ich hatte Angst, dass niemand kommen würde, aber beim ersten Mal waren mindestens tausend Leute da. Um 11 Uhr war alles ausverkauft und ich musste jemanden zum Bauernhof schicken, um schnell noch mehr Knoblauch zu ernten.“

Kreativität ohne Grenzen

Frischer Knoblauch

Frischer Knoblauch

Mittlerweile ist das St. Pauler Knoblauchfest im Juni ein Fixpunkt im Kalender der Feinschmecker und die anfängliche Skepsis der Bauernkollegen ist dem Respekt gewichen. Natürlich verkauft Margit Knoblauchknollen, aber ganz im Sinne von Slow Food veredelt sie ihre 15 Knoblauchsorten auch durch Fermentation (schwarzer Knoblauch), Gefriertrocknung und Räuchern oder verarbeitet sie zu Aufstrichen, Pesto, Nudeln oder Essig. Sie experimentiert ständig mit neuen Produkten, schon allein um im Falle eines Ernteausfalls nicht von einem einzigen Produkt abhängig zu sein. Ihre Kreativität scheint keine Grenzen zu kennen. Sie baut jetzt auch Safran, Rhabarber, Kiwano (eine melonenart) und Okra an und erforscht die Möglichkeiten von Erdnusspflanzen. Einen eigenen Hofladen hat sie (noch) nicht, aber ihre Produkte gibt es online (holzer-austria.com), im Haus der Region in Wolfsberg und im Genussladen in St. Paul – wo ohnehin ein breites Sortiment an regionalen Produkten erhältlich ist.

Qualität zählt

Schloss Thürn im Lavanttal

Schloss Thürn im Lavanttal © ÖWM

Laut Margit, heute auch Obfrau des Tourismusvereins St. Paul, ist die Kombination von Slow Food und Tourismus genau das Richtige für das Lavanttal. „Wir leben in einer Region, in der Landwirte und Erzeuger die Qualität in den Vordergrund stellen und nicht unbedingt versuchen, so viel wie möglich zu verdienen. Wenn einer von uns die Qualität nicht liefern kann, weil es zum Beispiel zu nass, zu heiß oder zu trocken war, hat er oder sie genug Verantwortungsbewusstsein, um dies zu erkennen und zu melden, damit wir gemeinsam nach einer Lösung suchen können. Für Touristen ist es ein echter Mehrwert, wenn es in einer Region viele hochwertige Erzeuger und Restaurants gibt. Für viele Menschen ist das bei der Buchung eines Urlaubs sogar wichtiger als der Strand oder die Natur.“

Nicht umsonst lautet die erste Frage, die man nach dem Urlaub oft bekommt: „Und, wie war das Essen?“

Die Lavant fließt durch Wolfsberg

Die Lavant fließt durch Wolfsberg

Das Lavanttal ist eine von drei Regionen in Kärnten und Österreich, die sich als Slow Food Reiseziel bezeichnen dürfen. Die anderen sind Gitsch, Gail, Lesachtal und Weissensee und Mittelkärnten. Alle drei Regionen bieten Touristen ein strukturiertes Angebot an Slow-Food-Aktivitäten. Sie können zum Beispiel in Slow-Food-Hotels und -Restaurants schlafen, essen und trinken, und mehrere Geschäfte verkaufen Slow-Food-Produkte. Bei Führungen und Workshops können Sie den Produzenten und Köchen über die Schulter schauen (und mit ihnen arbeiten). Regelmäßig werden kulinarische Wanderungen und Slow-Food-Wochen rund um regionale Spezialitäten organisiert. Sie können eine organisierte Reise mit verschiedenen Slow Food-Elementen buchen oder Ihre eigene kulinarische Entdeckungsreise auf der Grundlage von Modulen zusammenstellen. Mehr Informationen zum Angebot: slowfood-kaernten.at und genussexpedition.at

800 Jahre Geschichte

Schloss Wolfsberg © Emira Husidic, Kaernten Werbung

Schloss Wolfsberg © Emira Husidic, Kaernten Werbung

Das Lavanttal wurde 1007 vom deutschen Kaiser Heinrich II. dem bayerischen Bistum Bamberg geschenkt, das dort bis 1795 regierte. Nachdem sie die Gold- und Silbervorkommen im Lavantfluss und den umliegenden Bergen ausgebeutet hatten, verkauften sie das Tal an die österreichische Kaiserin Maria Theresia, die es wiederum an verschiedene Adelsfamilien weiterverkaufte. Wolfsberg, die Hauptstadt des Lavanttals, kam in den Besitz der Grafen Henckel von Donnersmarck. Sie begannen dort mit der Ausbeutung neuer Bodenschätze: Braunkohle und Erze. Die ehemalige bischöfliche Burg auf einer Anhöhe oberhalb von Wolfsberg wurde von der Grafenfamilie zum heutigen Schloss Wolfsberg im englischen Tudorstil umgebaut: In Österreich einzigartig. Das Schloss wird heute hauptsächlich für Hochzeiten genutzt und kann leider nicht besichtigt werden. Der umliegende Park ist jedoch öffentlich zugänglich und es gibt ein Schlossrestaurant.

Pest- bzw. Mariensäule auf dem Hohen Markt in Wolfsberg

Pest- bzw. Mariensäule auf dem Hohen Platz in Wolfsberg

In der historischen Oberen Altstadt von Wolfsberg, am Fuße des Schlosses, führt ein historischer Pfad durch 800 Jahre Stadtgeschichte. An allen Kunstwerken und Sehenswürdigkeiten entlang der Route sind Informationstafeln angebracht. So stammt die Pestsäule auf dem Hohen Platz aus dem Jahr 1683 und wurden die Biedermeierhäuser rund um diesen Platz nach dem letzten großen Stadtbrand in 1777 errichtet. Ein besonderes Schmuckstück ist die Bäckerkapelle (Markusplatz 68). Im Mittelalter war es üblich, dass die Zünfte für festliche Anlässe wie Taufen und Hochzeiten eigene Kapellen bauten. Solche Kapellen sind heute nirgendwo mehr in Privatbesitz, da der Unterhalt für die Zünfte zu teuer wurde. Nur das 1497 erstmals erwähnte, der Heiligen Anna geweihte Bethaus in Wolfsberg ist noch im Besitz der Bäckerinnung.

Berühmte Schriftstellerin

Das Museum im Lavanttal

Das Museum im Lavanthaus

Mehr über die Geschichte Wolfsbergs und des Lavanttals erfahren Sie im Museum im Lavanthaus (St. Michaelerstraße 2). Von außen sieht das in einem Bürogebäude untergebrachte Museum unscheinbar aus, doch drinnen befindet man sich in einem geräumigen, historischen Gewölbekeller mit 15 thematischen Teilausstellungen: Von der Stadtgeschichte (einschließlich des Kriegsgefangenenlagers, das sich hier während des Zweiten Weltkriegs befand) bis hin zu Volkskunde, Lavanttaler Dialekt und Literatur. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der im Lavanttal geborenen Schriftstellerin Christine Lavant, einer der wichtigsten österreichischen Literaten des 20. Jahrhunderts. Eine Besonderheit ist auch die Sammlung von Tachenes: Geschirr aus unglasierter schwarzer Keramik, das nur im Lavanttal hergestellt wurde. Name und Farbe leiten sich von dem Ton (Tachen) ab, der vom Dachberg südlich von St. Andrä stammt. Aufgrund seiner besonderen Beschaffenheit (z.B. nicht wasser-, aber fettdurchlässig) war dieses einzigartige Schwarzhafner-Geschirr vom Mittelalter bis ins frühe 20. Jahrhundert über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Heute ist es ein begehrtes, aber seltenes Sammlerstück. Das Museum im Lavanthaus besitzt eine der größten Sammlungen Kärntens.

Tachenes

Tachenes

Mehr Informationen zu den Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten in Wolfsberg: tourismus-wolfsberg.at





Tipps & Adressen

Allgemein

Das Lavanttal (55.000 Einwohner) ist die östlichste Region Kärntens und besteht aus neun Gemeinden: Neben der Hauptstadt Wolfsberg u.a. St. Paul (Slow Food Village), Bad St. Leonard, St. Georgen, St. Andrä und Lavamünd. Wer sich in der Natur bewegen möchte, findet im Tal 1.000 Kilometer markierte Wanderwege, 220 Kilometer Radwege und 450 Kilometer Mountainbiketouren. Außerdem gibt es mehrere Skigebiete und gute Möglichkeiten zum Langlaufen und Winterwandern. Allgemeine Informationen zu Unterkünften, Gastronomie, Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen im Tourismusbüro (Minoritenplatz 1 in Wolfsberg) und über: region-lavanttal.at

Unterkunft & Gastronomie

Das Lavanttal hat keine großen Bettenburgen, und viele Ferienhäuser, Pensionen und Hotels liegen hoch oben in den Bergen mit Blick auf das Tal. Einige Tipps:

Kleinhenner
Familie Grillitsch vom Gasthof Kleinhenner

Familie Grillitsch vom Gasthof Kleinhenner

Die warmherzige Familie Grillitsch betreibt seit dreihundert Jahren einen kleinen Bauernhof und vermietet auch Zimmer/Ferienwohnungen. Von der Terrasse des Restaurants hat man einen wunderschönen Blick auf das Lavanttal. Die Fahrt vom Tal über eine kurvenreiche Straße kann für manche eine Herausforderung sein, aber gerade diese hochgelegene, abgelegene Berglage macht sie zu einer perfekten Adresse für Ruhesuchende. Fleisch aus eigener Produktion (ausgezeichnet mit dem Gütesiegel „Genussland Kärnten“) steht selbstverständlich auf der Speisekarte des Restaurants. Vorderwölch 19 in St. Gertraud, kleinhenner.at

Poppmeier
Gasthaus Poppmeier

Gasthaus Poppmeier

Schönes, traditionelles Restaurant in einem historischen Gebäude am Fuße des Hügels, auf dem die Abtei St. Pauls thront, mit schattiger Terrasse unter den Weinreben. Das Restaurant der Familie Poppmeier ist Slow-Food-Partner, daher gibt es hier unter anderem Fisch von Familie Marzi, Knoblauch von Margit Holzer und Weine aus der Abtei. Hauptstraße 4 in St. Paul im Lavanttal, poppmeier.co.at

Friesacherhof
Friesacherhof

Friesacherhof

Hotel-Restaurant der Familie Friesacher, in den Bergen auf 921 m Höhe mit Blick auf die Koralpe. Auch dieser Slow-Food-Partner kocht mit regionalen Produkten von vertrauenswürdigen Lieferanten. Wie in fast allen Restaurants der Region stehen mehrere Arten von gefüllten Nudeln auf der Speisekarte, darunter auch die berühmten Kärtner Kasnudeln. Prebl 61 in Prebl, hotel-friesacherhof.at

Zoller

Gasthof und Pension auf 920 m Höhe inmitten der Saualpe. Neben gutbürgerlichen, typisch österreichischen Speisen und Kärntner Hausmannskost saisonbedingt auch Wild (aus eigener jagd), Spargel- und Kürbisspezialitäten (aus eigenem Garten). Gekocht wird ausschließlich mit Bioprodukten aus eigenem Anbau oder aus der heimischen Landwirtschaft. Mitglied der Genusswirte Kärnten. Forst 57 in St. Margarethen, zoller-urlaube.at

Anfora
Im Seerestaurant Anfora kocht Bernhard Jandl

Im Seerestaurant Anfora kocht Bernhard Jandl © Rene Knabl Foodfotografie

Im stilvollen Restaurant Anfora (mit einer Terrasse direkt an einem Badesee und umgeben von grünen Wiesen) serviert Bernhard Jandl ebenso stilvolle wie schmackhafte Gerichte. Das Restaurant ist bekannt für seine frischen Fischspezialitäten (von Marzi) und Steaks vom hauseigenen Holzkohlegrill, aber die täglich wechselnde Speisekarte umfasst auch mediterrane Gerichte wie Pasta und Risotto. St. Jakob 35 in St. Andrä, restaurant-anfora.at

Kulinarisch einkaufen

Geschäftsführer Roland Bachmann im Haus der Region

Geschäftsführer Roland Bachmann im Haus der Region

Neben den Hofläden gibt es im Haus der Region in Wolfsberg (Getreidemarkt 3) und im kleineren Genussladen in St. Paul (Schwarzviertler Straße 2) ein breites Angebot an regionalen Qualitätsprodukten, u.a. von Slow Food Partnern. Die Läden sind eine Initiative einer Non-Profit-Organisation, die regionale Produzenten, Künstler und Handwerker bei der Vermarktung ihrer Produkte unterstützen und Menschen mit einer gewissen Distanz zum Arbeitsmarkt Beschäftigungsmöglichkeiten bieten will, sagt Geschäftsführer Roland Bachmann. Sie haben die Möglichkeit, hier oder im firmeneigenen  café Cafino in Wolfsberg (Offnerplatzl 1) Berufserfahrung zu sammeln. Mit rund 120 Anbietern (und einer Warteliste) sind die regionalen Delikatessen- und Geschenkeläden ein Erfolg. Wer etwas zum Mitnehmen sucht, kann die Initiatoren mit dem Kauf des Rosé Frizzante Cafino unterstützen. Dieser fruchtige Wein aus der Isabella-Traube mit einem Alkoholgehalt von nur 11 Prozent ist ein feiner Aperitif für den Sommer.

Josef Trippolt

Josef Trippolt

Ein weiteres exklusives Lavanttaler „Souvenir“ ist Bärmut: Ein Aperitif auf Basis von Grünem Veltliner oder Gemischter Satz, aromatisiert mit Wermut und anderen Gewürzen. Das Getränk wurde vom Gastronomen Josef Trippolt entwickelt und nach seinem ausgezeichneten Restaurant Zum Bären in Bad St. Leonard (Hauptplatz 7) benannt. Mehr Informationen über das Haus der Region und den Genussladen: hausderregion.at

Sehen & Tun

Neben dem hervorragenden Essen hat das Lavanttal aber noch viel mehr zu bieten. Wir haben die Produzenten in unserer Reportage nach ihrer Lieblingsbeschäftigung oder -attraktion gefragt. Hier sind die Tipps dieser Locals.

Basilika St. Andrä

Basilika Maria Loreto in St. Andrä

Martina Lippitz: „Die schönste Wanderzeit im Jahr ist der Mai, wenn überall die Apfelbäume blühen. Ich persönlich wandere gerne zu den Stauseen Soboth und Packer und nehme auch dort ein Bad im Wasser – aber es ist sehr kalt. Ein kulturelles Muss ist die schwarze Madonna in der Basilika Maria Loreto in St. Andrä, eine Kopie der berühmten Madonna im italienischen Loreto aus dem 17. Jahrhundert.“

Schwarze Madonna in der Basilika

Schwarze Madonna in der Basilika

Brigitte Kienzl: „Ich gehe lieber in einen einfachen Buschenschank als in ein gewöhnliches Restaurant. Wir haben nicht so viele dieser Weinstuben, aber man sitzt immer herrlich auf der Terrasse bei einem Glas Most oder Wein, einer Jause und einer fantastischen Aussicht. Einige Favoriten sind Lippitz in St. Paul und Heritzer in St. Michael.“

Buschenschank Lippitz

Buschenschank Lippitz

Stefanie Marzi: „Mein Tipp ist eine Wanderung auf den Gipfel der Saualpe, wo man eine fantastische Aussicht hat. Der Aufstieg ist nicht allzu anstrengend und führt an mehreren guten Almhütten vorbei. Die Gießlhütte auf 1350 m ist über eine asphaltierte Straße zu erreichen. Wenn man vom Parkplatz hier hinaufgeht, kommt man auch an der Offnerhütte und der Wolfsbergerhütte vorbei, die man auch über die Straße erreichen kann.“

Wolfsberger Hütte auf der Saualpe

Wolfsberger Hütte auf der Saualpe

Elisabeth Maier: „Auf jeden Fall das Museum Liaunig in Neuhaus, auch wenn es etwas außerhalb des Lavanttals liegt. Es bietet eine wunderbare Kombination aus Natur, moderner Architektur und moderner Kunst in einer Gegend, die sonst nicht viel Kunst zu bieten hat.“

Museum Liaunig © Herbert Liaunig Privatstiftung

Museum Liaunig © Herbert Liaunig Privatstiftung

Margit Holzer: „Radfahrern kann ich den Lavantradweg R10 empfehlen, vom Zentrum Lavamünds zum Drauradweg R1 Richtung Völkermarkt und weiter nach Dravograd in Slowenien. Einen Abstecher wert ist auch eine Verkostung im Weingut Vulgo Ritter, wo die Quereinsteigerin Sabine Ritter international preisgekrönte, nachhaltig angebaute Weine herstellt.“

Weingut Vulgo Ritter © Arnold Poeschl

Wein testen im Weingut Vulgo Ritter und Inhaberin Sabine David © Arnold Poeschl

Mehr Informationen zum Weinbau im Lavanttal und in Kärnten: weinauskaernten.at





Stadtner Mühle und Staller Wasserfall
Rätselkarte - Geister-Sticker
Brüggaweg zum Kesselwasserfall
Berliner Hütte, Zillertal
Balilika St Michael
Weinkeller Winkler-Hermaden
Blick auf das Geburtshaus von Peter Rosegger
Blühende Obstbäume in Lavanttal© Lavanttaler Obst
Traunsee bei Traunkirchen
St Wolfgang im Salzkammergut
Endlinge
Kornkammer und Gemüseanbaugebiet Österreichs
Freigut Thallern © ÖWM© ÖWM
Steinach am Brenner
Blick auf Zell am Ziller
Gefrorene Wand
Verdrängung der Lärchwiesen
Crystal Cube
Pressegger See
Dorferbachwasserfall
© Steiermark Tourismus, Hartmann