ApfelLand in der Oststeiermark

Die sanfte Landschaft des ApfelLandes
„Die Gegend war fast unheimlich vor lauter Herrlichkeit. Hin und hin lange Strecken waren wir sozusagen eingewölbt von Äpfeln, Birnen und Zwetschgen, die über uns auf den Bäumen hingen.“
So beschrieb Peter Rosegger, der bekannte Waldheimat-Autor, seine erste Begegnung mit dem oststeirischen ApfelLand um Puch. Er war in seiner Jugend dort zu Besuch und fand das ‘Paradies‘: “
„Denn anders kann man die Gegend nicht nennen, die weit “unten auf dem Lande”, am Fuße des Kulm liegt, ein blühender, üppiger Obstgarten, so weit das Auge reicht!“

Blühende Apfelbäume (die Hagelnetze sind oft aufgerollt, aber manchmal bitter nötig)
Roseggers Besuch muss im Herbst stattgefunden haben, wenn die Bäume tatsächlich voller reifer, goldgelber, oranger und roter Äpfel sind und man in den vielen Buschenschanken frischen Most verkosten kann. Hier hat jede Jahreszeit ihren eigenen Reiz. Im Frühling verwandeln die weißen und rosafarbenen Blüten von mehr als einer halben Million Apfel-, Quitten- und Pfirsichbäumen die Region in einen romantischen, duftenden Garten. Im Sommer sehen Sie ‘fifty shades of green‘, wenn die Apfelblätter in zahlreichen Nuancen mit dem Grün der Wiesen und bewaldeten Hänge wetteifern. Auch im Winter können Sie die Vielfalt der Natur, die Kleinräumigkeit mit der Besiedlungsform entlang der Höhenkämme und die von Obstbauern geschaffene Kulturlandschaft genießen.
Themenweg Apfelstraße

Apfelblüten
In der Gegend um den fast 1.000 Meter hohen Kulm werden wahrscheinlich schon seit der Zeit der Kelten Äpfel angebaut. Das Klima – ein Wechselspiel von warmer Luft aus der pannonischen Tiefebene und kühlen Winden aus den Bergen – lässt das Obst hier besonders gut gedeihen und hocharomatisch werden. Nicht umsonst ist hier das größte Anbaugebiet für Apfelbäume in Österreich entstanden, und deswegen auch das größte Lager für biologisch angebaute Äpfel.

Beim Apfelblütenfest: Einzug der Apfelkönigin (zweite von links) in Begleitung von Hoheiten aus anderen Regionen (von links nach rechts Most-, Blumen-, Schafsmilch-, Dachstein- und Narzissenkönigin).
Nicht alles kommt in den Handel oder ins Lager. Einen Teil ihrer Erzeugnisse verarbeiten die Obstbauern selbst zu Saft, Most, Schnaps, Marmeladen, Chutneys und anderen Produkten, die sie in regionalen Supermärkten, auf Märkten und „ab Hof“ verkaufen. Gemeinsam mit dem Tourismusverband organisieren sie auch regelmäßig Veranstaltungen rund um den Apfel, wie zum Beispiel das jährliche Apfelblütenfest am letzten Aprilwochenende. Auch die Gastronomie der Region feiert die Frucht und bietet manchmal sogar ganze Apfelmenüs an: von der Mostsuppe bis zum Apfeltiramisu. Diese Zusammenarbeit stärkt sowohl die wirtschaftliche als auch die touristische Kraft des ApfelLandes, ohne Zugeständnisse an die Qualität und die kleinbetriebliche Struktur zu machen.
Geheimnisvolle Apfelmänner
Das ApfelLand lässt sich perfekt mit dem Auto, zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden, dank der 1986 eröffnete steirischen Apfelstraße. Sie verbindet die fünf Gemeinden (Albersdorf-Prebuch, Puch, St. Ruprecht, Floing, Anger) auf einer Länge von fast 34 Kilometern und führt an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Obstbauern vorbei. Links und rechts der Apfelstraße sind gut markierte Rad- und Wanderwege von unterschiedlicher Länge und Schwierigkeitsgrad angelegt.

Durch die Jahren ausgeschliffener Hohlweg
An einem strahlenden Frühlingstag im April wandern wir auf dem abwechslungsreichen, zehn Kilometer langen Ilzberg-Rundweg, der durch Felder, Wiesen, Wälder und Obstgärten führt und vom Ilzberg aus herrliche Panoramablicke auf das ApfelLand verspricht. Da es sich um eine Rundwanderung handelt, kann man überall „einsteigen“. Wir parken unser Auto beim Haus des Apfels der Familie Kelz (Hartl 25 in Puch bei Weiz), wo – so wird uns erzählt – eine Gruppe geheimnisvoller Apfelmänner jedes Jahr in strenger Abgeschiedenheit einen sagenumwobenen Apfelschnaps destilliert: den Abakus. Mehr dazu aber später, nach unserem Spaziergang.

Weg durch die Obstgärten
Zuerst wandern wir über den Glatzenberg nach Hohenilz und weiter hinauf zur Ilzbergkapelle aus den 1930er Jahren, wo wir auf einer Bank die weite Aussicht genießen. Dann geht es wieder hinunter durch Wälder und Streuobstwiesen zum Wein- und Obsthof der Familie Fink. Deren Verkostungsraum ist an diesem Morgen geöffnet, wie wir bei der Planung unserer Wanderung schon gesehen hatten. Die Einheimischen, die sich dort treffen, trinken fast alle einen hübsch aussehenden rosa Frizzante aus Zweigelt-trauben. Da wir haben noch nicht einmal die Hälfte unserer Wanderung hinter uns haben, trinken wir ein Glas Gespritzter Apfelsaft. Auch lecker.
Apfel-Museum
Gestärkt wandern wir weiter und erreichen bald Puch bei Weiz. Das traditionelle Zentrum der Apfelstraße ist auch als „Apfeldorf“ bekannt. Es entpuppt sich als lebendiger Ort mit einer Kirche und einigen prima Restaurants. Zum Glück finden wir noch einen freien Tisch auf der ansonsten gut gefüllten, schattigen Terrasse des 135 Jahre alten Wirsthauses Meißl. Natürlich probieren wir die Pikante Apfelschaumsuppe (ausgezeichnet) und der Nicht-Fahrer trinkt ein Glas Apfelstrassen Apfelwein. Dieser etwas süße Wein aus der Apfelsorte Dalinbel, einem Gemeinschaftsprodukt mehrerer Apfelstraßenobstbauern, erweist sich an diesem heißen Tag als feiner Durstlöscher.

Hörgenuss-Liege
Nach dem Mittagessen geht es noch einmal 30 Minuten zu Fuß zum Ausgangspunkt. Auf halber Höhe des Singerbergs bietet sich eine weitere Gelegenheit, auf einer der „Hörgenuss-Liegen“ zu entspannen, die seit 2012 an Aussichtspunkten entlang des Weges aufgestellt wurden. Nach dem Scannen eines QR-Codes kann man sich dort Geschichten und Sagen aus der Region anhören. Wir wollen derweil mehr über die geheimnisvollen Apfelmänner erfahren und wandern weiter zum Haus des Apfels. Auf Initiative des Vereins „Steirische Apfelstraße“ wurde auf dem Gelände dieses Bauernhofs ein „Obstbaumuseum“ eingerichtet. Draußen spaziert man durch einen Obstgarten, der unter anderem über alte Apfelsorten informiert. Im Inneren, in einem ehemaligen Stall, geht es neben der Geschichte des Apfels, der Apfelverarbeitung und dem Hagelschutz auch um die Bedeutung des Apfels in Kunst, Religion, Mythologie, Glauben und Traditionen.

Die Apfelmänner © Bernhard Bergmann
Eine dieser Traditionen wurde 1998 von den regionalen Apfelbauern selbst ins Leben gerufen. Seitdem schließen sich einige von ihnen – die Apfelmänner – jedes Jahr im Dezember für drei Tage und zwei Nächte in der Brennerei des Haus des Apfels ein, um aus den besten Äpfeln der Saison nach „geheimen“ Regeln den „besten Apfelbrand der Welt“ zu brennen. Während ihrer „Einsiedlertage“ brennen sie genug, um genau 1444 Flaschen mit diesem Abakus zu füllen, der dann mindestens ein Jahr lang ruhen muss, bevor er bei einer feierlichen Zeremonie präsentiert und zum Verkauf freigegeben wird. Von jedem Jahrgang wird eine Flasche in eine Mauer neben der Pfarrkirche von Puch eingemauert. Diese wurde im Jahr 1444 erbaut: Daher auch die 1444 Flaschen!
Maschanzker

Abakus © Bernhard Bergmann
Natürlich ist für die Apfelmänner, angeführt von „Josef der Sanftmütige“, die Klausur vor allem ein Vorwand, um sich zu amüsieren und Apfelschnaps zu verkosten, aber der Hintergrund ist ernst. Apfelschnaps hatte früher keinen allzu guten Ruf. Ihm wurde nachgesagt, dass er im Vergleich etwa zu Birnenschnaps zu wenig Aroma habe. Überzeugt von ihrem Produkt – mit dem Calvados als leuchtendes Beispiel – beschlossen einige Apfelbauern, einen gemeinsamen, ebenso hervorragenden „Apfelstraßen-Calvados“ als Visitenkarte der Region zu entwickeln. Eine Flasche Abakus kostet über 100 Euro und wird daher meist als Geschenk gekauft.

Haus des Apfels
Erfreulicherweise werden im Verkaufsraum des Haus des Apfels auch weniger teure Edelbrände angeboten. Unsere Wahl fällt auf einen Brand von Maschanzker, einer alten Apfelsorte, die wahrscheinlich aus der Steiermark stammt und die man anderswo nicht so leicht findet. Außerdem kaufen wir Kronprinz Rudolf, eine weitere oststeirische Apfelspezialität, die erstmals auf der Wiener Weltausstellung 1873 präsentiert wurde.
Das Haus des Apfels hat auch einen Mostschank mit gemütlicher Terrasse, wo wir noch ein Glas Apfelmost und ein Stück Apfelkuchen genießen. Dann steigen wir ins Auto und machen auf dem Weg zu unserem Hotel einen Umweg zum Bauernhof der Familie Fink. Als wir dort früher am Tag eine Pause einlegten, stellte sich heraus, dass sie neben Apfelsaft auch Pfirsich-, Aprikosen- und Traubensaft aus eigener Produktion verkaufen. Zu schwer, um ihn in unserem Rucksack mitzuschleppen, aber zu lecker, um ihn nicht als flüssiges Souvenir mit nach Hause zu nehmen.
Slow Trip: Lost Place Tour

Museum im Steinpaißhaus © Erich Brandl
Lust auf einen Slow Trip? Bei der „Lost Places Tour“ in Anger – einem hübschen, historischen Dorf im ApfelLand – entdecken Sie bei einem Spaziergang mit Guide und Initiativnehmer Erich Brandl Relikte der Vergangenheit. Die Tour beginnt mit einem Besuch im ältesten Gebäude des Ortes: dem Steinpaißhaus im Renaissancestil aus dem Jahr 1351 (Hauptplatz 7), in dem ein Museum zur Geschichte der Region untergebracht ist. Zu sehen sind Hunderte von Objekten: von Lochsteinen aus prähistorischer Zeit über Funde aus der Römer- und Keltenzeit bis hin zur Jungsteinzeit. Vom Museum aus wandert man durch den malerischen Bürgerwald hinauf zur Ruine Waxenegg auf einer Anhöhe über Anger und erfährt dabei mehr über das ausgedehnte unterirdische Gangsystem der Region, dessen genaue Bedeutung und Entstehung bis heute nicht vollständig geklärt ist.

Burgruine Waxenegg © Erich Brandl
Die „Lost Place Tour“ gibt es in zwei Varianten: Eine kurze Route (4 km, 150 Höhenmeter, 2 bis 3 Stunden) führt direkt vom Museum nach Waxenegg und wieder zurück. Die längere Route (8 km, 400 Höhenmeter, 4 bis 5 Stunden) führt auf einem „Umweg“ über das „Heimatmuseum Rauchstubenhaus“ (Edelschachen 13 in Anger), ein einfaches Bergbauernhaus ohne Schornstein, so dass der Innenraum ständig vom Rauch des offenen Feuers erfüllt war. Das Rauchstubenhaus, das erstmals 1450 urkundlich erwähnt wurde, war noch bis 1978 bewohnt. Heute ist es ein Museum, das einen Einblick in die Lebensweise und Kultur der Bergbauern und Handwerker vergangener Zeiten gibt. Die Rauchstube wird immer noch regelmäßig zum Räuchern und Kochen von Fleisch beheizt. Peter Almer vom Gasthaus Almer neben dem Rauchstubenhaus (Enkel der letzten Bewohnerin) macht auf Vorbestellung „Häfennigl“ für die Gäste: eine traditionelle Süßspeise aus flüssigem Teig, der unter Rühren auf dem offenen Feuer zubereitet wird.

Peter Almer (rechts) kocht in der Rauchstube © Tourismusverband Oststeiermark, Bernhard Bergmann
Mehr Informationen über das Museum in Anger, die Ruine Waxenegg und die Lost Place Tour: waxenegg.at
Die „Lost Place Tour“ ist Teil der europäischen Initiative Slow Trips, die sich auf soziokulturellen Tourismus und langsame Reiseerlebnisse konzentriert.
Weitere Tipps & Adressen
Allgemein

Das ApfelLand liegt in der Oststeiermark nördlich von Graz. Ein Urlaub hier lässt sich gut mit einem Besuch in der trendigen Hauptstadt der Steiermark verbinden. Anger, eine der Gemeinden des ApfelLandes, liegt ebenfalls am Feistritztalradweg R8 durch die Oststeiermark. Allgemeine Informationen über Erreichbarkeit, Unterkünfte, Gastronomie, Sehenswürdigkeiten, Veranstaltungen und die GenussCard (mit Ermäßigungen in Gastronomiebetrieben und bei Ausflügen): apfelland.info
Mehr Informationen über die Oststeiermark: oststeiermark.com
Mehr Informationen über die Gemeinden und Betriebe entlang der Apfelstraße, Veranstaltungen, Wanderwege, Unterkünfte und Gastronomie: apfelstrasse.at
Website der steirischen Apfelproduzenten mit Fakten über Äpfel und Rezepten: apfel.co.at
Nächtigen
Posthotel Thaller

Posthotel Der Thaller © René Strasser
Wir wohnten während unserer Reise in diesem 4-Sterne-Hotel–Wirtshaus-Restaurant in Anger, das seit 1875 von der Familie Thaller geführt wird. Hier speist man immer ausgezeichnet, sowohl im 3-Hauben-Restaurant als auch im traditionellen Wirtshaus mit österreichischen Klassikern. Beide geschmackvoll eingerichteten Restaurants – mit viel warmem Holz – teilen sich denselben Raum, allerdings auf verschiedenen Ebenen. Alles, was der Sohn des Hauses Luis Thaller jun. (sechste Generation) hier auf den Teller zaubert, wirkt durchdacht und geschmackvoll. Er gilt als einer der aufstrebenden kulinarischen Stars Österreichs. Im Eingangsbereich des Hotels befinden sich auch eine kleine Konditorei und eine Bar, was das Lokal auch für Einheimische zu einem gemütlichen Treffpunkt macht. Hauptplatz 3 in Anger, posthotel-thaller.at
Sehen & Tun
Feistritztalbahn

Feistritztalbahn © Feistritztalbahn
Nostalgie pur bei einer Fahrt mit der Feistritztalbahn aus dem Jahr 1911 (Weiz-Anger-Birkfeld). An die Dampflokomotive angehängt sind alte Personenwagen mit Holzbänken, die noch aus der Gründungszeit der Bahn stammen. Ohne Eile durchquert man die Oststeiermark. Aufgrund der gewagten Bauweise dieser Schmalspurbahn (zahlreiche Brücken, Viadukte und Tunnel) gibt es entlang der Strecke viel zu fotografieren. Informationen, Fahrpläne (nur im Sommer) und Reservierungen: feistritztalbahn.at
Apfelblütenfest

Gemütlicher Rummel beim Apfelblütenfest
Ende April ist das Volksfest in und um Puch bei Weiz der Höhepunkt eines jeden „Apfeljahres“. Es zelebriert das Erwachen der Natur im Frühling. Es gibt einen Markt mit Kunsthandwerk und regionalen Produkten und ein umfangreiches Festprogramm mit Volksmusik, Tanz und kulinarischen Köstlichkeiten rund um den Apfel. Der Eintritt ist frei. Termin und Informationen: apfelstrasse.at/de/termine
Apfelcorso
Tausende von roten, gelben und grünen Äpfeln, die zu Tiere, Gebäude und Puppen geformt und an Autos, Anhängern und Traktoren befestigt sind… der Apfelcorso im September findet alle drei Jahre statt und ist dann ein echtes Erlebnis. Die letzte Ausgabe fand 2022 statt, also findet der Nächste 2025 statt. Termin und Informationen: apfelstrasse.at/de/termine
Apfeldorfer Adventbaumstraße
35 beleuchtete Bäume und 24 geschmückte Fenster an den Häuserfassaden sorgen in der Adventzeit für viel Stimmung im Zentrum von Puch bei Weiz. Bis zum 1. Jänner sind die Adventfenster und -Baumstraße zwischen 16 bis 22 Uhr beleuchtet.
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