Manner

Wiener Waffeln

Text: Emely Nobis

Wie ein Wiener Chocolatier mit Haselnüssen aus Neapel und essbarem Papier aus Karlsbad Österreichs berühmtestes und beliebtestes Gebäck schuf.

Was ist eine Manner-Schnitte?

Die Original Manner Neapolitaner Schnitte ist das bekannteste Produkt des österreichischen Mischkonzerns Josef Manner & Comp AG, der auch viele andere süße Köstlichkeiten (teilweise unter anderen Markennamen) herstellt. Eine Schnitte besteht aus fünf Schichten hauchdünner Waffeln mit vier Schichten Haselnusskakaocreme dazwischen, die in zehn Stücken in zartrosa Folie mit blauen Buchstaben, einem Bild des Wiener Stephansdoms und einem roten Faden zum Öffnen der Verpackung verpackt sind. Jede Schnitte misst genau 49x49x17 Millimeter und wiegt 7,5 Gramm.

Wer hat es gegründet?

Josef Manner

Josef Manner, damals 25 Jahre alt, eröffnete 1890 einen Schokoladenladen einen Steinwurf vom Stephansdom entfernt. Da seine Lieferanten nicht die gewünschte Qualität lieferten, kaufte er noch im selben Jahr eine kleine Fabrik, um seine eigene Schokolade herzustellen. Darüber hinaus versuchte er, das Luxusprodukt einer breiteren Gruppe zugänglich zu machen, indem er Schokolade mit billigeren Rohstoffen kombinierte. Daraus entstand auch die Idee, Oblaten (Speisepapier) aus dem tschechischen Karlsbad mit Schokolade und Haselnusspaste zu beschmieren. Im Jahr 1898 erblickte die „Neapolitaner Schnitte Nr. 239“ das Licht der Welt, so genannt wegen der verwendeten Haselnüsse aus der Gegend um Neapel. Am Anfang wurden die Schnitten einzeln verkauft, da sich kaum jemand mehr als einen leisten konnte. Als es ihm gelang, billiger zu produzieren, ließ Josef sie pro Zehntel in einer mit einer rosa Schleife verzierten Metalldose verpacken: der Anfang dieser Farbe als Markenzeichen.

Wann kam der Erfolg?

Manner Steinmetz am Stephansdom

Fast sofort! Das Unternehmen wuchs so explosionsartig, dass Josef bereits um 1900 mit einem Geschäftspartner zusammenarbeitete: Johann Riedl. Unter beider Händen wuchs das Unternehmen zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum wichtigsten Süßwarenhersteller in der österreichisch-ungarischen Monarchie und beschäftigte am Höhepunkt bis zu 3.000 Mitarbeiter. Als der Erfolg in dem Geschäft in der Nähe des Stephansdoms begann, glaubte Josef fest daran, dass die Kirche eine schützende Hand über seine Firma gelegt hatte und er deponierte ihr Image als „geschützte Marke“. Tatsächlich ist Manner die einzige kommerzielle Marke, die dieses Logo tragen darf. Aus Dankbarkeit zahlt das Unternehmen deshalb seit mehr als einem Vierteljahrhundert das Gehalt eines der Steinmetze, die pausenlos an der Restaurierung des Stephansdoms arbeiten. Manner hatte auch schwierige Zeiten. Vor allem während des Zweiten Weltkriegs ging die Produktion stark zurück, aber auch dank amerikanischer Soldaten, die den Schnitten als Souvenir mit nach Hause nahmen, nahm der Export (heute 60 Prozent des Umsatzes) schnell wieder zu.

Warum immer noch trendy?

Manner ist der Tradition verpflichtet, versteht es aber auch, den Brückenschlag in unsere Zeit zu vollziehen. So wird beispielsweise die Original Manner Neapolitaner Schnitte jetzt als vegan beworben, obwohl die Waffel schon immer für Veganer geeignet war. Regelmäßig werden auch trendige neue Produkte wie eine glutenfreie Schnitte, eine Vollkornschnitte oder ‚Salzkaramell‘ auf den Markt gebracht. Darüber hinaus legt Manner großen Wert auf Qualität. Beispielsweise stammen die Haselnüsse noch immer aus der Gegend um Neapel, und sowohl die Nüsse als auch die (nachhaltigen) Kakaobohnen werden intern geröstet und gemahlen, um den gewünschten Geschmack kontrollieren zu können. Gleichbleibende Qualität ist für Manner so wichtig, dass alle Mitarbeiter als Verkoster geschult werden. In reizarmen, abgedunkelten Kabinen prüfen sie bei jeder neuen Charge, ob sie so schmeckt, wie sie schmecken soll.

Waffeltransport © Frits Roest

Manner und Wien gehören zusammen. Als die Fabrik in Wien 2017 zu klein wurde, beschloss man, nicht umzuziehen, sondern durch vertikale Produktion Platz zu sparen. Zu diesem Zweck wurde der Innenhof eines der beiden Blöcke, in denen sich die Firma befindet, überdacht und mit sechs Stockwerken ‚gefüllt‘, die jeweils eine eigene Funktion erhielten. Alle festen und flüssigen Rohstoffe gelangen über Silos und Rohrleitungen in die oberste Etage, wo sie zu verschiedenen Cremes und Teigmassen verrührt werden. Ein Stockwerk tiefer befinden sich die gigantischen Öfen, in denen die Waffeln gebacken werden (etwa 27.000 pro Tag). In den unteren Stockwerken werden die Waffeln nacheinander mit Cremes bedeckt, in mundgerechte Stücke geschnitten, verpackt und schließlich vom Erdgeschoss aus in die Welt geschickt.

Woher bekommen Sie sie?

Outlet Wilhelminenstraße © Frits Roest

Wo bekommt man sie nicht? Flughäfen, Supermärkte (auch in Deutschland) und Flagshipstores u.a. in Wien und Salzburg. Im Manner-Shop neben der Fabrik in Wien (Wilhelminenstraße 6, erreichbar mit Straßenbahnlinie 2 oder Bus 10A) finden Sie saisonale Produkte und Angebote (wie z.B. Bruchware oder Chargen, die aufgrund von Fehlern oder in der Verpackung nicht in die regulären Geschäfte gelangen), aber auch Waren wie nostalgische Keksdosen.

manner.com; josef.manner.com/shops (Übersicht der Verkaufsadressen).

Hier ein Film über die Produktion von Manner Schnitten.

Arie van Hoorne© FREN Media
Blaudruckerei Koó, Joseph & Miriam© FREN Media
© FREN Media, Frits Roest
© Stekovics
© Christian Stemper 2012