Made in Austria: Doppelmayr

Seilbahnen

Text: Emely Nobis / Bild: Doppelmayr Seilbahnen GmbH

Wie ein Familienunternehmen aus Wolfurt in Vorarlberg zum Marktführer in der Personen- und Güterbeförderung mit der Seilbahn wurde – und weiter aufsteigt.
Doppelmayer 6-Sitzer-Lift

Doppelmayer 6-Sitzer-Lift

Woher kennen wir Doppelmayr?

Zumindest aus dem Sommer- oder Winterurlaub in den Bergen. Das Unternehmen ist Weltmarktführer im Bau von Seilbahnen: Schlepplifte, Gondeln, Sessellifte und Standseilbahnen. Seit dem ersten Schlepplift im Jahr 1937 hat die Doppelmayr/Garaventa-Gruppe rund 15.000 Seilbahnen in 95 Länder geliefert und 50 Niederlassungen weltweit eröffnet. Die Hälfte der mehr als dreitausend Beschäftigten arbeitet in Österreich selbst, insbesondere am größten Produktionsstandort, dem Werk Hohe Brücke in Wolfurt (Vorarlberg). Neben Stahl- und Maschinenteilen für Stationen, Stützpfeiler und Kabinen werden hier auch alle Klemmen hergestellt, mit denen die Kabinen an den Seilen befestigt werden. Wolfurt ist auch das Zentrum der Produktentwicklung. In einer Testhalle und mit einer Testliftanlage werden hier Innovationen wie kindersichere Sessellifte, Aufhängsysteme für Mountainbikes, neue Materialien oder die neueste D-Linie mit u.a. einer viel intuitiveren Steuerung auf Qualität und Sicherheit geprüft.

Wer hat den Betrieb gegründet?

Konrad (mitten) met Sohn Emil en Enkel Arthur

Konrad Doppelmayr, der 1893 die Schmiede seines Meisters übernahm, gab dem Unternehmen seinen Namen. Erst 1937 entwickelte Sohn Emil den ersten Skilift nach einer Idee des Lecher Skiliftpioniers Sepp Billstein, der mit diesem Schlepplift mehr Wintersportler in das Skigebiet Lech-Zürs am Arlberg locken wollte. Emil erkannte schon früh, dass der Markt im Alpenraum mal gesättigt sein würde: Ein Skilift hält immerhin fünfundzwanzig Jahre. Im Jahr 1953 erhielt er den ersten ausländischen Auftrag in Kanada, obwohl er selbst kein Wort Englisch sprach. Ein weiterer Meilenstein war die Entwicklung der kuppelbaren Gondelbahn im Jahr 1972, als Emils Sohn Arthur das Ruder übernahm. Unter dessen Sohn Michael wuchs das Unternehmen durch Fusionen und Übernahmen zur europäischen Doppelmayr/Garaventa-Gruppe, zu der auch die Doppelmayr Seilbahnen GmbH gehört.

Welche Arten von Seilbahnen gibt es?

Ha Long Queen Cable Car in Vietnam

Viele, wie ein Rundgang durch die Produktionshalle in Wolfurt zeigt. Die grobste Einteilung ist die in Schlepplifte, Seilbahnen und Standseilbahnen, die natürlich alle von einem Seil gezogen werden. Die Standseilbahn (Finucular) nutzt ein Schienengleis mit Überholmöglichkeiten für die beiden Züge, die sich gegenseitig ausgleichen. Bei Schleppliften, Sesselliften und Gondelbahnen sind die Kabinen oder Sessel mit einer Klemme an einem Seil befestigt. Bei Kabinen kann diese Klemme in der Station gelöst werden, um die Kabine zu verlangsamen und so ein sicheres Ein- und Aussteigen zu ermöglichen. Es gibt auch einen Unterschied zwischen Pendelzügen (mit zwei Kabinen, die sich in entgegengesetzte Richtungen bewegen, wie bei Standseilbahnen) und Kabinen (mit mehreren Gondeln oder Sesseln an einem endlos drehenden Kabel). Ganz zu schweigen von den 2 & 3S-Bahnen, Funitel, Funifor oder dem Lawinenlift, mit der künstlich Lawinen ausgelöst werden können. Für Interessierte sind alle Typen auf der Website des Unternehmens beschrieben.

Warum Weltrekorde?

Cabrio Kälti-Stanserhorn in der Schweiz

Viele Kunden wollen sich z. B. durch Farbe, Polsterung und Form der Kabinen oder durch das Design einer Station unterscheiden. Dies führt automatisch zu Weltrekorden, wie z. B. der doppelstöckige Pendelbahn über die Ha Long-Bucht in Nordvietnam, mit den größten Kabinen der Welt (für 230 Fahrgäste) und den höchsten Betonpfeiler (188,80 Meter). Ein weiterer Rekord: das Cabrio Kälti-Stanserhorn in der Schweiz, mit 30 Stehplätzen auf einem Oberdeck im Freien. Doppelmayr denkt gerne mit dem Kunden mit, aber an die Technik selbst (wie z.B. Stützen und Aufhängung) wird aus Sicherheitsgründen nichts geändert. Jeder neue Auftrag beginnt daher mit einer Besichtigung vor Ort, bei der der Projektleiter und die Techniker das Gelände erkunden, um zu berechnen, was angesichts der Geologie (z. B. des Untergrunds, auf dem die Stützen stehen werden) und der zu überbrückenden Höhe und Länge möglich ist. So wurde beispielsweise eine Bergstation in der Aletsch Arena in der Schweiz in einer Betonwanne gebaut, die sich wegen des instabilen Bodens mit der Landschaft bewegen kann und sich in den kommenden Jahren horizontal um 11 Meter und vertikal um 7 Meter verschieben wird.

Was ist der Mehrwert?

Linea Amarilla

Linea Amarilla der Mi Teleférico in Colombia

Bei Doppelmayr unterscheidet man zwischen „Erlebnisbahnen“ zum Spaß, die zum Beispiel auf einen Berggipfel oder in einen Vergnügungspark führen, und Seilbahnen, die die beste Lösung für ein logistisches Problem sind. Denken Sie an Transportaufzüge, die schweres Gerät für den Bau von Tunneln transportieren und nach Fertigstellung wieder abgebaut werden, damit die Landschaft nicht dauerhaft geschädigt wird. Das beste Beispiel für funktionalen Transport ist das 33 Kilometer lange Seilbahnnetz, das Doppelmayr zwischen 2014 und 2019 zwischen den bolivianischen Städten La Paz und El Alto errichtet hat. Mit 10 Linien und 26 Stationen ist sie die Lösung für das Verkehrsproblem in einem Gebiet, in dem eine unterirdische U-Bahn aufgrund des großen Höhenunterschieds nicht in Frage kam und die Straßen für eine Straßenbahnverbindung zu eng sind. Dieser Mi Teleférico gleitet mit einer Geschwindigkeit von bis zu 21 Stundenkilometern lautlos über und zwischen den Städten, erspart den täglich 300.000 Fahrgästen staubedingte Verspätungen und ist dank seines zentralen Elektroantriebs zudem umweltfreundlich.

Weitere Informationen: doppelmayr.com

Doppelmayr: Weitere Meilensteine und Weltrekorde
  • Die Gondelbahn auf der deutschen Seite der Zugspitze hat die höchste Stahlstütze der Welt (127 Meter), das längste freihängende Seil zwischen zwei Stützen (3200 Meter) und den größten Höhenunterschied zwischen Berg- und Talstation (fast zwei Kilometer: von 1000 auf 3000 Meter).
  • Die längste Gondelbahn der Welt (7.899,9 Meter) verbindet die Ferieninseln Phu Quoc und Hon Tom in Vietnam. Der Aufzug wurde Anfang 2018 eröffnet. Der Aufzug, der von der Sun Grouw Corporation in Auftrag gegeben wurde, hat sogar einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde.
  • Für Universal Orlando Resort baute Doppelmayr eine Nachbildung des berühmten Hogwarts Express aus den Harry Potter Filmen. Diese Kombination aus einer Dampflokomotive, Kohlewagen und drei Waggons verbindet die Universal Island of Adventure mit den Universal Studios in Florida. Dank der LED-Bildschirme in den Fenstern, die Szenen aus dem Film zeigen, haben die Fahrgäste auf der vierminütigen Fahrt das Gefühl, mit dem echten Hogwarts-Express von King’s Cross Station in London nach Hogsmeade zu fahren und Harry und seine Freunde auf der anderen Seite vorbeilaufen zu sehen. Theme Park Insider, ein Online-Führer für die beliebtesten Freizeitparks der Welt, wählte den Hogwarts Express zur besten Attraktion in der Kategorie „The Best Family Rides in America“.
  • Während der Floriade in Venlo (Niederlande) im Jahr 2012 schwebte eine Doppelmayr-Seilbahn über das Floriade-Gelände. Mit 35 Metern Höhe und über einem Kilometer Länge war sie damals die größte Seilbahn der Niederlande. Nach der Floriade wurde die Seilbahn verkauft, abgebaut und im Skigebiet Silvretta Montafon wieder aufgebaut.
Brüggaweg zum Kesselwasserfall
Vöslauer 2008, ProduktionPeter Rigaud
Vase nach einem Entwurf von Zaha Hadid
Arie van Hoorne© FREN Media
Blaudruckerei Koó, Joseph & Miriam© FREN Media
©anja koehler | andereart.de
© Stekovics