Lobmeyr

Glas und Kronleuchter
Wie ein Hersteller von Biedermeiergläsern und klassischen Kronleuchtern zu einer Ikone des modernen Designs wurde.

Text: Emely Nobis / Bild: Lobmeyr

Was ist Lobmeyr?

Ein weltberühmtes Wiener Familienunternehmen, das etwa vierzigtausend Gläser und vierhundert Kronleuchter (einschließlich Restaurierungen) pro Jahr herstellt. Ihre Kronleuchter hängen in der Spanischen Hofreitschule in Wien, im Kreml in Moskau und (die arabischen Modelle) in den großen Moscheen in Mekka und Medina. Viele Lobmeyr-Gläser sind von Museen angekauft worden. Umso erstaunlicher ist es, dass all diese Schönheit in einer fast altmodischen Manufaktur hergestellt wird, vollgestopft mit Schränken voller Teile und (Rahmen von) Kronleuchtern, die von der Decke hängen. In jedem Winkel schleifen, polieren oder gravieren Arbeiter Glas oder basteln an komplexen Kronleuchtern.

Warum so berühmt?

Als Josef Lobmeyr 1823 seine „Firma für Glaswaren“ gründete, stellte er ziemlich traditionelle Biedermeiergläser und klassische Kronleuchter her. Damit war er zwar erfolgreich (er wurde 1835 k. u. k. Hoflieferant), aber berühmt wurde er damit nicht. Dank seiner Söhne Josef junior und Ludwig (von 1855-1917) nahm die Firma einen anderen Verlauf. Die Brüder zerstörten, was noch an Gläsern ihres Vaters vorhanden war, und entschieden sich für einen zeitgenössischen Stil. Aufsehen erregten die Kronleuchter, die Lobmeyr 1882 gemeinsam mit Thomas Edison für den Redoutensaal der Wiener Hofburg entwickelte. Es waren die ersten elektrischen Kronleuchter weltweit. Josef starb 1864, Ludwig 1917. Der Erbe Stefan Rath (Sohn der Schwester) war seit 1902 in der Firma tätig und ließ berühmte Architekten und Künstler wie Adolf Loos und Josef Hoffmann Glasgeschirr entwerfen. Das etwas verstaubte Bild der Kronleuchter verschwand mit dem ikonischen Starburst aus 1962 endgültig. Nicht weniger als dreiundzwanzig Exemplare dieses Entwurfs von Hans Harald Rath (vierte Generation) hängen im Zuschauerraum und in der Lobby der Metropolitan Opera in New York. Der Starburst sieht aus wie der Sternenhimmel nach dem Urknall und ist von der Raumfahrt inspiriert, die in den 1960er Jahren noch in den Kinderschuhen steckte. Lobmeyr wurde damals von der österreichischen Regierung, die den Vereinigten Staaten für die Marshall-Hilfe nach dem Zweiten Weltkrieg danken wollte, beauftragt.

Das staubige Bild der Kronleuchter verschwand für immer wegen des ikonischen Starburst von 1962, der wie der Sternenhimmel nach dem Urknall aussieht.

Wer leitet das Unternehmen jetzt?

Die sechste Generation besteht aus drei Cousins. Andreas Rath leitet das Lobmeyr-Geschäft in Wien. Johannes ist für die Kronleuchter zuständig und Leonid für die Glaswaren verantwortlich. Sie haben etwa fünfzig Mitarbeiter, meist spezialisierte Handwerker. Ein großer Teil der Produktion ist handgefertigt. Die meisten Gläser werden aus mundgeblasenem, sehr feinem Muschelglas hergestellt. Sie durchlaufen mindestens achtzehn Paar Hände und vier Qualitätsprüfungen, bevor sie auf den Markt kommen. Auch wenn die Glasteile für die Kronleuchter von Swarovski stammen und die Metallrahmen an anderer Stelle gegossen und vergoldet werden, ist auch hier die Handwerkskunst das Wichtigste. Leonid: „Wir machen zwar Arbeitszeichnungen, aber am Ende entscheidet der Handwerker, wie alle Guss- und Glasteile genau zusammengesetzt werden. Dies ist auch eine Frage der Qualität: „Ein Kronleuchter muss so aussehen, als wäre er zufällig so zusammengebaut worden, und nicht so, als käme er vom Fließband. Der Zusammenbau kann mit der Herstellung von Schmuck auf hohem Niveau verglichen werden.“

Wann ist ein Entwurf gut?

Leonid hat in den letzten Jahren von vielen zeitgenössischen Designern Glasbestecke entwickeln lassen. Dann bitte ich auch meine Cousins und Cousinen um Rat. Vor allem Andreas ist kritisch und in neun von zehn Fällen nicht damit einverstanden. Sein tödlichstes Argument: „Das sind nicht wir“.

Dank dieser Diskussionen ist Leonid in der Lage, immer besser auszudrücken, was Lobmeyr ist. Jeder Entwurf muss ein klares Konzept haben, wie der Starburst-Kronleuchter. Ein Beispiel aus jüngster Zeit ist die Serie Still nach einem Entwurf des Studios Formafantasma, eine Sammlung von Glaswaren in Kombination mit Kupfer zum Servieren von Leitungswasser. Die Muster der Gravuren im Glas beziehen sich auf Bakterien und Organismen in Flüssen und Ozeanen, als Hinweis auf die wichtigste Quelle des Lebens auf der Erde“.

Dennoch lässt Leonid manchmal einen Entwurf realisieren, der ihm gefällt, von dem er aber weiß, dass er nicht typisch Lobmeyr ist: „Seitdem ich in unsere Archive eingetaucht bin und entdeckt habe, dass unsere Vorfahren manchmal sehr hässliche Dinge gemacht haben, bin ich ein wenig lockerer darin geworden. Die Zeit entscheidet, was bleibt und was nicht.“

Wo kaufen Sie es?

Lobmeyr hat ein eigenes Geschäft in der Kärtner Straße in Wien (Nummer 26). Im ersten Stock gibt es auch ein kleines Glasmuseum mit historischen Gläsern und Kronleuchtern. In der Manufaktur (Salesianergasse 9) gibt es auch einen Ausstellungsraum für (renovierte) Kronleuchter und Spiegel (die Lobmeyr auch herstellt). Selbstverständlich wird Lobmeyr auch weiterhin in Fachgeschäften außerhalb Österreichs verkauft werden.

lobmeyr.at

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