Ferlacher Büchsenmacher

Handgefertigte Gewehren aus Ferlach (Kärnten) waren bereits im 17. Jahrhundert berühmt und sind immer noch ein beliebtes Sammlerstück. Seit 2010 gehört das Ferlacher Büchsenmacher-Handwerk sogar zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Text: Emely Nobis, Bild: Foto: UMJ/N. Lackner

Die Rüstungsindustrie in Ferlach, der südlichsten Stadt Österreichs, entstand im 16. Jahrhundert als Folge der Eisenindustrie in der Gegend. 1558 berief Kaiser Ferdinand hundert Büchsenmacher aus den habsburgischen Niederlanden nach Ferlach, um ihr Wissen an die örtlichen Handwerker weiterzugeben. Die zahlreichen türkischen Invasionen dürften damals eine Rolle gespielt haben, da anfangs vor allem militärische Waffen für die Arsenale in Wien und Graz hergestellt wurden. Während des 30-jährigen Krieges (1618-1648) genossen die Ferlacher-Gewehre Weltruhm. Eine Schlüsselrolle spielte dabei der aus Deutschland stammende Hans Schmidt, der ab 1626 in Ferlach arbeitete. Seine Waffen waren Kunstwerke, verziert mit fein gravierten Silberplatten und eingelegten Fäden und Nadeln aus Silber oder Eisen. Unter Schmidts Leitung spezialisierten sich die zahlreichen Ferlacher Schmiede jeweils auf Teile eines Gewehres. Schäfter fertigte die Holzarbeiten des Gewehrkolbens an, Graveure kümmerten sich um die Metallverzierungen, Rohrschmieden fertigte den Metalllauf und Schlosser fertigten den Abzugsmechanismus. Andere spezialisierten sich auf Laufverriegelung, Basküle, den Rahmen oder das Polieren. Büchsenmachermeister bauten die Waffen aus all diesen Teilen zusammen. Sie lernten die Kunst von ihren Vätern und gaben sie an ihre Söhne weiter.

Nach den Napoleonischen Kriegen (1803-1815) wurde die Rüstungsproduktion für militärische Zwecke in Ferlach eingestellt. Von da an konzentrierten sich die Büchsenmacher auf handgefertigte Jagdgewehre, die sich nicht nur durch ihre Qualität, sondern auch durch ihren hohen künstlerischen Wert auszeichneten. Von den mehr als dreihundert Ferlacher Büchsenmachermeistern aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sind noch etwa ein Dutzend übrig geblieben, meist Familienbetriebe, die wie in der Vergangenheit Teile ihrer Jagdgewehre an Spezialisten wie Graveure oder Kolbenmacher auslagerten. In Ferlach muss man sich nicht wundern, wenn jemand am helllichten Tag mit einem Gewehr die Straße entlang läuft oder Schüsse zu hören sind. Das Beschussamt – das Ballistikamt, in dem jedes neue Gewehr getestet werden muss, bevor es verkauft werden darf – befindet sich im Stadtzentrum und ist nur während der Bürozeiten geöffnet.

Das Büchsenmacher- und Jagdmuseum im Schloss Ferlach thematisiert die Geschichte der Ferlacher Büchsenmacher und zeigt Flinten, die dort in den letzten zweihundert Jahren hergestellt wurden. jagdmuseum-ferlach.at

Auch das Landeszeughaus (Arsenal) in Graz (Steiermark) verfügt über schöne Exemplare. museum-joanneum.at

Arie van Hoorne© FREN Media