Boutiquehotel Walliserhof

Design und Nachhaltigkeit

Text: Emely Nobis / Bild: © Walliserhof GmbH

„Aktive Lifestyle“ statt leerem Luxus… Mit diesem Motto zielen Michaela Berthold und Raimund Meyer vom Boutiquehotel Walliserhof im Brandnertal (Vorarlberg) auf sportliche, naturverbundene Gäste. Um sie dann doch mit dem nötigen Luxus zu verwöhnen: Von feiner Wellness bis zu raffiniertem Essen.
Die Zimmer mit Blick auf die fantastische Berglandschaft des Brandnertals

Die Zimmer mit Blick auf die fantastische Berglandschaft des Brandnertals

Als Raimund Meyer und Michaela (Michi) Berthold im Jahr 2002 den Walliserhof von seinen Eltern übernahmen, wollten sie renovieren. „Wir hatten aber kein Geld, um zu modernisieren. Deshalb haben wir beschlossen, alles älter zu machen“, sagt Michaela.

Und so durchstöberten sie Flohmärkte und reisten um die Welt auf der Suche nach Vintage- und Designerschätzen, mit denen sie ihr Hotel einrichten wollten. Das Ergebnis ist eine Kombination aus Traditionell und Modern, aus 1960er Jahren und nordic Flair. Auf der einen Seite viel Holz und helle Töne. Auf der anderen Seite warme Farben, Vintage-(Design-)Möbel und ungewöhnliche Accessoires. Wie die Collage aus Suppenterrinen an einer der Wände im Restaurant Hochsitz. Oder die Sammlung von originalen Walser-Zinnkrügen, ein „Erbe“ der Walserfamilien aus dem Kanton Wallis in der Schweiz, die die ersten Bewohner des Brandnertals waren. Ein solcher Walserkrug findet sich auch im Logo des Walliserhofs (benannt nach diesen ersten Bewohnern).

Suppenterrinen aus der Sammlung schmücken das Restaurant Hochsitz

Suppenterrinen schmücken das Restaurant Hochsitz

Ein Hotel, drei Gebäude

Nach dem Bau im Jahre 1966 wurde der Walliserhof in der ersten Generation von Raimunds Großmutter geführt, während das viel ältere Hotel Scesaplana auf der anderen Straßenseite von ihrer Schwester geleitet wurde. Im Jahr 2018 wurden die beiden Hotels zusammengelegt. Seither besteht der Walliserhof aus drei Häusern mit insgesamt 100 Zimmern. Im Scesa-Teil (mit der Rezeption und zwei Bars) liegt der Schwerpunkt auf Vintage-Stil. Im Walliser Teil (mit Restaurant-Bar Hochsitz) überwiegt das Design. Das dritte Gebäude (mit Kids Club) ist, anders als der Name Alte Post vermuten lässt, modern eingerichtet.

Die gemütliche Bar im Scesaplana

Die gemütliche Bar im Scesaplana

Alte Post und ‚Walliser‘ sind miteinander, aber nicht mit dem Scesa-Teil verbunden. „Wir haben überlegt, eine Laufbrücke über die Straße zu bauen“, erklärt Michaela, „aber das wäre zu umständlich gewesen und hätte auch das Straßenbild stark dominiert.“

Familie Berthold-Meyer

Michaela und Raimund mit ihren Kindern

Im Nachhinein ist sie froh, dass es nicht dazu gekommen ist. Die Gäste scheinen kein Problem damit zu haben, im Bademantel die Straße zu überqueren, um von der Sauna in Scesa zur Sauna oder Massage im Walliser zu gehen. „Im ersten Winter nach der Zusammenlegung waren wir allerdings froh über unsere Wahl der fröhlich gelben Bademäntel. Selbst mit einer dicken Schneedecke ist jeder noch gut zu erkennen.“

Sportliche Gäste

Das Vier-Sterne-Superior-Hotel verfügt über ein umfangreiches Wellness-Angebot. Verteilt auf das Scesa- und das Walliser-Gebäude findet man verschiedene Dampfbäder, Saunen (u.a. eine Familiensauna und eine finnische Gartensauna in Form eines Iglus) sowie Ruheräume. Der mosaikgeflieste Pool in verschiedenen Blautönen mit einem „Wald“ aus großen Kugellampen darüber ist ein weiteres Beispiel für den guten Geschmack von Michaele und Raimund. Doch Michaela sieht den Walliserhof nicht als Wellnesshotel, sondern als Hotel für sportliche Menschen mit Wellnessangebot. „Ein Wellnesshotel verbinde ich mit Menschen, die gezielt Ruhe suchen. Wir richten uns eher an Menschen, die Ruhe suchen durch Aktivitäten in der Natur und es in Ordnung finden, wenn im Haus ab und zu laut gelacht wird.“

Poollandschaft

Poollandschaft

Für die sportlichen Gäste hat das Hotel einen eigenen Tennisplatz, einen Fitnessraum und einen Yogaraum im alten Ballsaal mit Kronleuchtern und Fischgrätenparkett, wo regelmäßig Workshops stattfinden und täglich eine Yogastunde per Livestream übertragen wird. Seit 2022 verfügt das Hotel auch über eine eigene Reitschule mit Stallungen. Und wer draußen aktiv sein will, kann sich Fahrräder und Skier ausleihen.

Michaela und Raimund, die selber mit ihren vier Kindern oberhalb des Pferdestalls auf dem Grundstück leben, wollen möglichst im Einklang mit der Natur leben. Deshalb wurden bei der Renovierung des Hotels Naturmaterialien verwendet. Auch der grüne Strom kommt aus Vorarlberg selbst, und in der Küche des Restaurants (mit Blick auf die Rätikoner Berge) werden (meist biologische) Zutaten von wo möglich regionalen Produzenten verwendet. Michaela: „Aber unsere Eier aus Freilandhaltung kommen zum Beispiel aus Tirol. Für große Hotels ist es schwierig, die benötigten Mengen garantiert und in gleichbleibender Qualität geliefert zu bekommen. Die tausend Eier, die wir wöchentlich verarbeiten, mussten wir deshalb aus Tirol beziehen.“

Schön angerichtete Teller im freundlichen Restaurant Hochsitz

Schön angerichtete Teller im freundlichen Restaurant Hochsitz

Um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, ist man im Walliserhof von dem in vielen Hotels üblichen Salatbuffet abgerückt, von dem immer viel übrig bleibt. Beim Abendessen wird nun jeder der fein zubereiteten und schmackhaften Gänge am Tisch serviert und die Portionen sind relativ klein. Wer mehr möchte, kann jederzeit nachbestellen. Und wer abends nach einem kräftigen Mittagessen nur ein Hauptgericht (wahlweise Fleisch, Fisch oder vegetarisch) möchte, kann das auch tun. Michaela: „Wir haben inzwischen so viel Erfahrung in der Planung, dass fast nichts mehr übrig bleibt. Von manchen vegetarischen Gerichten zum Beispiel wissen wir, dass immer etwa 40 Prozent der Gäste das wählen. Und wenn ein Zwiebelrostbraten auf der Speisekarte steht, wird er fast garantiert von 90 Prozent bestellt. Nur wenn plötzlich 20 Gäste von außerhalb kommen, haben wir ein Problem. Dann gehen manche Gerichte einfach aus und wir denken uns spontan etwas anderes aus, mit dem, was wir vorrätig haben.“

Denn obwohl also auch Nicht-Hotelgäste im Restaurant Hochsitz willkommen sind, essen sie einfach das, was gerade auf der Karte steht. „Eine à la carte-Speisekarte fördert die Lebensmittelverschwendung, weil man dann für jedes Gericht auf der Karte alles haben muss, was man braucht. Das ist unmöglich, wenn man immer frisch kochen will.“

Lässig

Chillraum im Kids Club

Chillraum im Kids Club

So ernst Michaela und Raimund es mit Design und Nachhaltigkeit meinen, als Gast erlebt man die Atmosphäre des Hotels vor allem als ‚lässig‘. Dazu tragen neben der persönlichen Einrichtung und der ungezwungenen Atmosphäre auch die vielen Aktivitäten bei, die drinnen und draußen organisiert werden. Vom Fingermalen über Ponyreiten und Disco- oder Filmabende für die Kleinen bis hin zu Cocktailabenden, Mitternachts-Spa oder Downhill-Biken für die Älteren. Auf diese Weise versuchen Raimund und Michaela, ihren Gästen ein Urlaubserlebnis zu bieten, das sie selbst cool finden würden. Und das gelingt ihnen ganz gut…

Walliserhof, Mühledörfle 158 in Brand, walliserhof.at
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