Alpe Adria Radweg: Kärnten

Mit dem Fahrrad über die Alpen

Text & Bild: Binnert de Beaufort

Der österreichische Teil des Alpe Adria Radweges führt entlang ruhiger Flüsse, durch Städtchen und Dörfer, hier und da durch Wald und gelegentlich über herausfordernde Hügel. Ein Abenteuer mit dem Fahrrad, mit der Sonne als Treibstoff.

Der Ciclovia Alpe Adria Radweg, wie sie offiziell heißt, wurde 2008 mit Hilfe der Europäischen Union realisiert. Die grenzüberschreitende Radtour von Salzburg bis zum italienischen Grado an der Adria, insgesamt 410 Kilometer lang, schlängelt sich durch eine wunderschöne Berglandschaft und besteht hauptsächlich aus eigene Radwegen mit klarer Beschilderung. Obwohl die Route durch und über die Alpen verläuft, ist sie nicht allzu schwierig, unter anderem weil sie durch ein paar Tunnel geht. Auf diese Weise „erobern“ Sie die Strecke zwischen Gastein in Salzburg und Mallnitz in Kärnten mit der Bahn durch den acht Kilometer langen Tauerntunnel. Kurzum, mit einer Basiskondition ist die Alpe Adria leicht zu schaffen. Der Aufstieg findet hauptsächlich in den ersten Etappen statt. Wenn Sie damit zu kämpfen haben, ist es eine gute Idee, ein E-Bike zu nehmen. Wir erkunden den österreichischen Teil der Tour: vier Etappen (200 Kilometer) von Salzburg durch das Salzburgerland nach Villach in Kärnten, unweit der italienischen und slowenischen Grenze. Im Folgenden können Sie über die zwei Etappen in Kärnten lesen, die zwei Etappen in Salzburg können Sie hier nachlesen.

Etappe 3: Bad Gastein-Spittal (44 Kilometer)

Es ist neblig und kalt, als wir früh morgens Bad Gastein verlassen. Im Gasteinertal schweben Wolken unter uns. Wir fahren weiter bis zum Bahnhof der Tauernschleusse. Dort gehen die Räder auf den Zug, der uns durch einen Tunnel in den Tauern nach Mallnitz in Kärnten bringt.

Es ist ein sechs Kilometer langer Aufstieg zum Bahnhof, und während wir in die Pedale treten, vertreiben wir die Kälte aus unseren Körpern. Wir kaufen Fahrkarten für den Zug an der Schranke. Danach können Sie Ihr Fahrrad in den speziell dafür vorgesehenen Waggons selbst in den Zug setzen. In etwas mehr als fünfzehn Minuten rasen wir durch den Tunnel auf die ‚andere Seite‘. Als wir aussteigen, spüren wir eine laue Brise im Gesicht: Die Südseite der Tauern bringt uns in ein anderes Klima. Wir trauen uns kaum, es laut auszusprechen, aber wir ‚riechen‘ Italien schon.

Von Mallnitz nach Obervellach ist es eine acht Kilometer lange, kurvenreiche Straße bergab. Natürlich macht das Spaß, aber wenn wir einmal hinunterfahren, finden wir es doch etwas unheimlich. Es ist fast unmöglich, die Geschwindigkeit des Fahrrads unter dreißig Stundenkilometer zu halten. Wir werden ständig von Rennradfahrern überholt, die mindestens doppelt so schnell den Berg hinunter sausen, manche sogar ohne Helm. Als wir in Obervellach, einer relaxten Stadt mit einem schönen Hauptplatz, ankommen, trinken wir erleichtert Kaffee und essen Apfelstrudel.

Nach Oberfellach klettern wir heimlich hier und da ein bisschen, aber nicht so, dass wir absteigen müssten. Uns fällt die weite Landschaft auf, mit hier und da, mitten auf einer Wiese oder zwischen den Getreidefeldern, einer kleinen, von Bäumen umgebenen Kirche. Wir folgen nun der Drau, einem würdigen Nachfolger der Salzach, die hier eine schöne blaue Farbe hat und essen in Kolbnitz zu Mittag, einer ländlichen Gemeinde in einem etwas flacheren Tal.

Kapelle

Kapelle

Heidnisches Heiligtum

Ziemlich bald nach Kolbnitz passieren wir einen langgestreckten See auf einem angenehmen Radweg. Schwäne schwimmen anmutig über das Wasser. Auf beiden Seiten des Tals sind die Berge hier niedriger als im Salzburgerland, als ob sie sich bereits vor der Adria verneigen würden, die noch über zweihundert Kilometer entfernt ist. In Lurnfeld verlassen wir die Straße, um einen Blick auf die kleine Feldkirche St. Magdalena zu werfen, die 1473 erstmals erwähnt wird. Kärnten war im frühen Mittelalter ein slawisches Gebiet – Slowenien ist nicht weit entfernt – und noch nicht vollständig christianisiert. Vor 1200 Jahren hätte es hier bereits ein heidnisches Heiligtum gegeben.

Und dann, in der Ferne, nähert sich Spittal an der Drau. Einmal in der Stadt angekommen, macht sich die Nähe Italiens richtig bemerkbar. Vor allem wegen des Schlosses Porcia, eines wunderschönen Renaissance-Palastes, der im frühen 16. Jahrhundert von italienischen Architekten für den Grafen Gabriel von Salamanca-Ortenburg erbaut wurde, der mehr oder weniger als Beamter für Erzherzog Ferdinand I. von Österreich arbeitete. Wir steigen beim hippen Hotel Erlebnis Post ab, das wie die anderen Hotels, in denen wir übernachten, über einen speziellen Abstellplatz für Fahrräder verfügt.

Am Abend essen und trinken wir im benachbarten Restaurant/Weincafé. Das trendige Spittal versammelt sich hier, um etwas zu trinken. Es ist ein schöner und warmer Sommerabend, und wir bleiben einfach etwas zu lange, da wir wissen, dass uns morgen nur eine kurze und auch ziemlich flache Etappe erwartet.

Etappe 4: Spittal-Villach (40,8 Kilometer)

Radfahrer

Radfahren an Maisfelder vorbei

Es ist windstill und schwülwarm, als wir die Stadtgrenze von Spittal hinter uns lassen. Wir radeln durch Maisfelder, folgen einem asphaltierten Radweg entlang der Autobahn und erreichen schließlich wieder die Drau. Hier wird der Fahrradweg unbefestigt. Es ist heute bemerkenswert viel los ‚unterwegs‘, aber niemand hat es eilig. Auch wir halten an einem schönen Aussichtspunkt entlang des Flusses, der hier fast meeresgrün gefärbt ist.

Fähre

Fähre läuten

Bei Paternion überqueren wir den Fluss, folgen ihm aber weiter. Kurz hinter dem Dorf Feffernitz sehen wir in der Ferne plötzlich mehrere Flaggen in hohen Masten, unter anderem die der Europäischen Union. Es stellt sich heraus, dass es hier eine kleine Fähre gibt, die mit der Unterstützung Europas frühere Zeiten wieder aufleben lassen soll. Damals war es üblich, dass die Bewohner dieser Region sich selbst, ihr Vieh und ihre Waren mit speziellen Ruderbooten transportierten, vor allem wenn das Tiefland in feuchten Zeiten überschwemmt wurde. Die Fähre befindet sich auf der anderen Seite des Flusses, aber das Läuten einer Glocke bringt das Boot bald in Bewegung. Für einen mehr als fairen Betrag von zwei Euro bringt uns Kapitän Gerhard auf die andere Seite.

Draufähre

Draufähre

Es gibt ein kleines Holzgebäude am Wasser, in dem man Kaffee und Bier trinken kann. Drei Männer sitzen draußen auf einer Bank und rauchen. Wir trinken schnell eine Tasse Kaffee und setzen unseren Weg fort. Dies ist nicht die offizielle Route – sie liegt auf der anderen Seite -, aber wir haben auf der Karte gesehen, dass es ein Stück weiter eine Brücke über die Drau gibt. Wir radeln auf einem unbefestigten Weg, der bald unbefahrbar wird. Zu Fuß erreichen wir dennoch die kleine Brücke, überqueren sie, radeln noch einige hundert Meter weiter und setzen uns dann, für unser Mittagessen, auf die Terrasse des Café Mosaik im Dorf Kellenberg. Mosaik manifestiert sich als eine Art ‚Raststätte‘ für Radfahrer. Nach dem Mittagessen wandern wir zum großen hölzernen Herzen am Fluss. Für Verliebte ein romantischer Ort für ein Foto: wir beide vor dem Herzen, mit der Drau dahinter.

Draukraftwerk

Draukraftwerk

Es sind nur wenige Kilometer bis zum Dorf Puch, wo wir in einem Naturschwimmbad baden wollen. Es ist erst zwei Uhr nachmittags, und Villach ist nicht mehr weit weg. Puch liegt auf der anderen Seite des Flusses, den wir über eine nagelneue Brücke überqueren – die auch nicht auf der Karte verzeichnet ist. Das Bad ist wunderbar erfrischend. Wir bleiben hier für zwei Stunden und faulenzen auf dem grünen Gras.

Drau-Ufer in Villach

Wir befinden uns bereits auf der rechten Seite des Flusses und radeln die letzten Kilometer unserer Reise nach Villach, vorbei an einem beeindruckenden Wasserkraftwerk und dann durch die Vororte der Stadt. Villach fühlt sich wirklich urban an, mehr als Spittal. Wir radeln noch eine ganze Weile am Kai entlang, bevor wir schließlich in den Hauptplatz abbiegen, der mit seinen Bogentoren und versteckten Straßen und Plätzchen ganz italienisch aussieht.  Wir parken unsere Fahrräder im modernen und komfortablen Hotel City, duschen den Schweiß von unseren Körpern und gehen wieder in die Stadt. Die Nachmittagssonne verleiht ihr noch mehr italienischen Glanz. Auf einer Terrasse trinken wir ein Glas Wein und stoßen darauf an, dass wir unser Ziel erreicht haben.

Villacher Braugasthof

Villacher Brauhof

Tipps & Adressen

Weitere Informationen über die (verschiedenen Etappen der) Fahrradroute, die Gastronomie entlang der Strecke und eine Übersicht der Anbieter, bei denen Sie die Tour inklusive Fahrradverleih, Unterkünfte, Gepäcktransport, (Zug-)Transfers und Kartenmaterial buchen können: alpe-adria-radweg.comalps2adria.info

Für die Befahrung des Alpe-Adria-Radweges ist der gleichnamige Radführer unverzichtbar. Es handelt sich um einen sehr vollständigen Ringband, der auch unterwegs praktisch zu verwenden ist. Wenn Sie bei einem Reiseveranstalter buchen, erkundigen Sie sich bitte, ob Sie diesen Führer erhalten. Gehen Sie auf eigene Faust? Der Führer ist im besseren Buchhandel erhältlich und kann bestellt werden auf: alps2adria.info

In Kärnten kann man, statt mit dem Rad zur Adria zu fahren, auch den Drauradweg folgen nach Slowenien. Sie kommen dann auch zu den beiden Städten Villach und Klagenfurt und den Kärntner Seen, wie z.B. der Faaker See  und den Klopeiner See, und können dort beim Spitzenkoch Michael Sicher essen gehen.

Wenn Sie die Fahrt mit dem eigenen Fahrrad machen wollen, lassen Sie es vorher von einem Fahrradmechaniker überprüfen/reparieren. Fahrradhelme sind notwendig.

Besonders im Sommer kann es in Österreich ziemlich heiß werden. An mehreren Orten entlang der Route gibt es (natürliche) Schwimmbäder und Seen. Bringen Sie ein Handtuch und Badekleidung in Ihrer Fahrradtasche mit.

Überall entlang der Route finden Sie gute Restaurants und/oder Hotels (Gasthof), wo sie traditionelle österreichische Küche servieren. Einige Restaurants sind speziell auf Radfahrer ausgerichtet. Wenn Sie während der Route zu Mittag essen möchten, vergewissern Sie sich, dass Sie pünktlich ankommen. Restaurants schließen normalerweise um 14.00 Uhr.

Hier lesen Sie mehr über die Etappen 1 & 2 im Salzburgerland.