Klagenfurt

Stadt mit Strand

Text: Emely Nobis / Bild: Frits Roest

Eine Städtereise ermüdend? Nicht in Klagenfurt. Wenn Sie genug von der Hektik der Stadt und der Kultur haben, finden Sie Ihr Dolce-Vita-Gefühl am Strand des schönen Wörthersees im Handumdrehen wieder.

Lindwurm am Neuer Platz

Das historische Zentrum von Klagenfurt, der Hauptstadt Kärntens, hat ein unverkennbar italienisches ‚Aussehen‘. Dies ist zum Teil auf die fünfzig Renaissance-Höfe mit Arkaden und zahlreichen Terrassen zurückzuführen. Sie stammen aus der Zeit nach einem Großbrand im Jahr 1514, der die Stadt fast vollständig in Schutt und Asche legte. Der damalige österreichische Kaiser Maximilian I. hatte nicht genug Geld für den Wiederaufbau und Klagenfurt blieb vier Jahre lang eine Ruine. Irgendwann übernahmen Adel und Prälaten die Macht. Sie boten an, den Wiederaufbau aus eigenen Mitteln zu finanzieren, wenn der Kaiser ihnen die Stadt mit allen Rechten und Privilegien zum Geschenk machte. Maximilian stimmte zum Erstaunen aller zu und unterzeichnete am 25. April 1518 die Schenkungsurkunde (Gab-Brief).

Innenhof

Die Tatsache, dass ein Kaiser seinen Besitz aufgab, war bereits einzigartig in der Geschichte. Er machte außerdem Klagenfurt zur Hauptstadt Kärntens, auf Kosten von St. Veit an der Glan. Dies war der Beginn einer Blütezeit für die bis dahin wenig einflussreiche Provinzstadt, vor allem in architektonischer Hinsicht. Die neuen Herren gingen fleißig an die Arbeit. Aus Lugano holten sie Domenico dell’Allio, einen der bedeutendsten Baumeister seiner Zeit. Rund um den Alten Platz, das historische Zentrum, errichtete er elegante Bürgerhäuser und Paläste auf den steinernen Fundamenten der abgebrannten Holzbauten. Infolgedessen wurde das mittelalterliche Straßenmuster mit engen, gewundenen Gassen und Gässchen in diesem Bezirk beibehalten. Gleichzeitig gab es eine beträchtliche städtische Expansion. Rund um den Neuen Platz waren breite, gerade Straßen in einem Schachbrettmuster angelegt. Die Stadt, die aus ihrer Asche auferstanden war, erhielt unter anderem auch eine moderne Verteidigungsstruktur als Schutzwall gegen die Bedrohung durch osmanische Invasionen. Von letzterem ist wenig übrig geblieben. 1799 wurde Klagenfurt von den Truppen Napoleons besetzt. Als sie sich 1809 zurückziehen mussten, duldete der französische Kaiser keine Abwehrarbeit in seinem Rücken und was zwischen 1534 und 1591 gebaut worden war, wurde in wenigen Wochen fast vollständig gesprengt. Wenige Jahrzehnte später, nach dem Revolutionsjahr 1848, mussten Adel und Prälaten auf ihren Besitz verzichten. Klagenfurt war nicht mehr in privater Hand und wurde zu einer Stadt mit eigenem Status.

Blick auf den Wörthersee

Das heutige Klagenfurt könnte man als die österreichische Riviera bezeichnen. Die Stadt pulsiert vor allem im Sommer, wenn zahlreiche Veranstaltungen auf den Boulevards am See entlang und am weltlichen Strand stattfinden und das fast mediterrane Klima für südländisches Lebensgefühl sorgt.

Dies sind unsere Tipps für einen angenehmen Aufenthalt in der lebendigen Hauptstadt Kärntens.

Panoramatürme

Aussicht vom Turm

Einen guten Überblick über den historischen Stadtkern erhalten Sie, wenn Sie die 225 Stufen des Turms der St. Egid-Kirche am Pfarrplatz erklimmen. Die Plattform in rund fünfzig Metern Höhe gibt den Blick in so manchen Innenhof frei und bietet als Bonus einen herrlichen Panoramablick auf den Wörthersee und die Karawanken und Koralpe. Der Turm war bis 1966 von Helene Reichelt bewohnt. Sie war die letzte „Türmerin“ von Klagenfurt, die formell u.a. für das Läuten der Kirchenglocken verantwortlich war. Den jahrhundertealten Beruf des Türmers erbte sie von ihrem 1946 verstorbenen Ehemann, mit dem sie seit 1923 im Turm lebte. Sie zog dort sechs Kinder auf und ging erst am 1. Januar 1966 in Rente. Der St. Egid-Turm der Stadtpfarrkirche kann zu festen Zeiten von Mai bis Oktober bestiegen werden. visitklagenfurt.at

Wörthersee vom Pyramidenkogel

Etwas außerhalb von Klagenfurt, in Keutschach am See, bietet der spiralförmige Pyramidenkogel einen spektakulären 360-Grad-Blick auf die Stadt und die Berg- und Seenlandschaft Kärntens. Über einen gläsernen Panoramaaufzug erreichen Sie die höchste Aussichtsplattform in 70 Metern Höhe. Wenn Sie sich trauen, können Sie hinunter über eine spiralförmige Rutsche.

Alter Platz

Terrassen am Alter Platz

Dieser Platz mit Pestsäule ist das älteste Stück Klagenfurts. Hier gründete Herzog Bernhard von Spanheim im Jahre 1246 eine Stadt, die bereits 1252 Stadtrechte erwarb. Im Jahr 1969 entstand rund um den Platz die erste Fußgängerzone Österreichs mit zahlreichen Geschäften, Cafés und Bars. Es ist jetzt das schlagende Herz der Stadt, wo man einkaufen, bummeln oder eine Terrasse genießen kann. Das Haus ‚Zur Goldenen Gans‘ (Nummer 31) ist wahrscheinlich das älteste bestehende Haus in Klagenfurt. Es wird bereits in einer Charta von 1489 erwähnt. Der Innenhof mit Arkaden ist eine Adaption, wahrscheinlich aus dem sechzehnten Jahrhundert. Viele andere Häuser auf dem Platz haben ebenfalls Arkadenhöfe, darunter das alte Klagenfurter Rathaus (bis 1918) an der Nummer 1, mit einem Fresko der Justitia über dem Portal zwischen dem Wappen von Klagenfurt und Kärnten.

Lindwurm

Lindwurm

Der Lindwurm auf dem Klagenfurter Wappen verweist auf die Gründungslegende der Stadt Klagenfurt: In der Antike lebte ein gefährlicher Lindwurm (Drachen) im Sumpf, der für den Bau der Stadt entwässert werden musste. Das Untier verschlang jeden, der sich ihm näherte. Um es aus dem Sumpf zu locken, gab der regierende Herzog den Befehl, einen Turm zu bauen und einen Stier mit einer Kette daran zu binden. Als der Lindwurm den Stier raubte, blieb ihm der Schiffsanker, mit dem die Kette verstärkt worden war, im Hals stecken, und die Jäger konnten ihn töten. Zum Gedenken an diesen Sieg wurde 1593 auf dem Neuen Platz die Lindwurmquelle errichtet, ein Brunnen mit der Statue eines kolossalen Lindwurms. Der 124 Tonnen schwere Brunnen besteht aus einem einzigen Block aus Chloritgestein. Der Kopf ist nach dem Schädel eines eiszeitlichen Wollnashorns geformt, der im 16. Jahrhundert nördlich von Klagenfurt ausgegraben wurde. Man glaubte wirklich, es sei der Schädel eines Lindwurms. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein wurde der Schädel daher als Trophäe im Ratssaal, mit einer Kette am Stuhl des Bürgermeisters befestigt, bewahrt.

Museen

Wappensaal © foto:fritz-press

Eines der bemerkenswertesten Museen ist der Große Wappensaal im Landhaus (Landhaushof 1). An den Wänden sind 665 Familienwappen von kirchlichen und weltlichen Herrschern aus mehr als drei Jahrhunderten Herrschaft (bis 1919) gemalt worden. Ein Fresko an der Südwand zeigt die Übergabe der Schenkungsurkunde von Kaiser Maximilian im Jahr 1518. Der hufeisenförmige Innenhof des Landhauses wird im Sommer regelmäßig für musikalische und theatralische Aufführungen genutzt.

Das Robert Musil Literatur Museum (Bahnhofstraße 50) ist nicht nur dem Autor des berühmten Romans Der Mann ohne Eigenschaften gewidmet, sondern auch der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann und der ebenfalls in Klagenfurt geborenen Dichterin Christine Levant.

Das Museum voor Moderne Kunst (Burggasse 8) verfügt über eine interessante Sammlung von Werken von Malern des Nötscher Kreises, der Kärntner Variante des Expressionismus.

Das Spital des österreichischen Elisabeth-Ordens (Völkermarkter Str. 15), der seit 1710 in der Krankenpflege in Klagenfurt tätig ist, beherbergt ein kleines Museum mit der historischen Holzapotheke des Krankenhauses. Vor einigen Jahren wurde auf dem Dachboden des Klosters neben dem Spital ein besonderer Schatz entdeckt: der Nachlass der Erzherzogin Maria Anna (genannt Marianna), einer Tochter der Kaiserin Maria Theresia von Österreich. Es sind mehr als vierhundert Gemälde, Schmuckstücke, Notizbücher und eine Sammlung wertvoller historischer Gegenstände , wie handgestickte Priestergewänder, Kopfbedeckungen und Pokale aus Textil. Das sogenannte Kunsthaus Marianna, ein Ausstellungsraum im Spital, kann nur nach vorheriger Anmeldung besucht werden.

Zum Strand

Lendkanal

Vom Zentrum von Klagenfurt aus sind Sie innerhalb einer halben Stunde am Strand. Ein angenehmer Weg, um an heißen Sommertagen dem Stadtzentrum zu entfliehen, führt über einen schattigen Radweg  den 4,5 Kilometer langen Lendkanals entlang. Ein Passagierschiff fährt in regelmäßigen Abständen auf dem Kanal hin und her. Wenn Sie möchten, können Sie bei Minimundus aussteigen. In dieser Miniwelt von Österreich können Sie über einhundertfünfzig Miniaturen berühmter Gebäude aus der ganzen Welt sehen, wie z.B. die Kathedrale von Utrecht und das Rathaus von Brüssel. Zur Abkühlung finden Sie am Wörthersee das dreihundert Meter lange Strandbad Klagenfurt mit Rutsche, Volleyballplätzen und Bootsverleih. Direkt am See befindet sich der große Europapark mit Kinderspielplatz und Skatepark sowie vielen Bänken an ruhigen Plätzchen.  Wirklich an die Riviera glauben kann man sich auf einer der Terrassen an der Mole.

Hundertwasserkirche in Minimundus

Bootsfahrt auf dem Wörthersee: woertherseeschifffahrt.at

Lieber nicht in der Stadt selbst übernachten? Camping Klagenfurt ist nur einen Steinwurf vom Strandbad entfernt: camping-woerthersee.at

Geführte Besichtigungen

Jeden Freitag und Samstag um 10.00 Uhr beginnt im Fremdenverkehrsbüro eine etwa eineinhalbstündige Führung durch das historische Stadtzentrum. Es gibt auch verschiedene Themenführungen. Tourismus Klagenfurt, Neuer Platz 1, visitklagenfurt.at

Essen & Trinken

Markt

Auf dem Markt am Benediktinerplatz, auf dem Bauern aus Kärnten, Slowenien und dem Nordosten Italiens ihre Produkte anbieten, können Sie auch regionale Produkte kaufen. Es ist ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen gleichermaßen, auch weil viele Stände ausgezeichnetes Essen anbieten. In der Kochwerkstatt (Stand 15) kocht Christian Cabalier, nach dreißig Jahren Spitzenküche, jetzt einfach und frisch mit Produkten vom Markt. Die Autodidaktin Nini Laudon vom Mini-Lokal in Stand 17 gewann die Trophée Gourmet A la Carte, den österreichischen Gastronomie-Oskar. Der tägliche Markt (bis 13.30 Uhr) ist donnerstags und samstags besonders groß.

In der Innenstadt gibt es viele gute Restaurants, wie z.B. das traditionsreiche Hofbräu zum Lindwurm (Neuer Platz 10), das Bierhaus zum Augustin (Pfarrhofgasse 2, mit einem besonders schönen Innenhof) und das etwas noblere Gasthaus im Landhaushof (Landhaushof 1).

Den Lendkanal entlang ist es gut verweilen am Würstelstand Zur Tramway, in einem alten Straßenbahnwagen: Dieses Buffet Zur Tramway (Wilsonstraße 39) ist dank seiner schattigen Terrasse ein feiner Imbissort. Am Wörthersee selbst isst man gut italienisch (Pizza und Pasta) in der Villa Lido (Friedelstand 1), ein geräumiges, familienfreundliches Restaurant mit großer Terrasse direkt am Wasser.

Veranstaltungen

In Klagenfurt wird es Ihnen nicht langweilig. Besonders im Sommer gibt es fast jedes Wochenende Veranstaltungen. Einen Überblick über alle Veranstaltungen finden Sie hier. 

Einige Höhepunkte:

Ironman Austria im Juli. Sportler, die 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und 42,2 Kilometer laufen. ironmanaustria.at

Festival Musica Sacra im Juli-August. Festival für klassische Musik im Dom zu Klagenfurt. dommusik-klagenfurt.at

Sternnacht am Wörthersee im Juli. Berühmte Schlagersänger treten in der Wörthersee-Ostbucht auf. starnacht.tv

World Body Painting Festival im Juli. Festival für Bodypainter, mit zweihundert Teams und fünfzehnhundert Teilnehmern aus fünfzig Ländern. An verschiedenen Orten in der Stadt und am Wörthersee. bodypainting-festival.com

Altstadtzauber im August. Die Innenstadt verwandelt sich in eine Freiluftbühne für Musiker und Kleinkünstler wie Zauberer und Gaukler, mit einem großen Flohmarkt auf dem Domplatz. altstadtzauber.at

Hauptplatz Villach
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