Wintersportregion Hochkönig

Weg von der Piste

Text: Emely Nobis / Bild: Frits Roest

Was ist, wenn Ihr Partner jeden Tag auf die Piste gehen will und Sie nicht einmal das Skifahren lernen wollen? Dann müssen Sie heutzutage nicht mehr zu Hause bleiben. Im Skigebiet Hochkönig entdecke ich, warum Wintersport so viel Spaß macht.

Verschneite Berge, angestaubte Baumkronen, stimmungsvoll beleuchtete Bergdörfer… Die idyllische Winterwunderwelt Österreichs kenne ich nur von Bildern. Sie werden mich für Gold nicht auf die langen Latten bekommen. Ich habe immer gedacht, dass man in einem Skigebiet sonst nicht viel zu suchen hat. Ziellos durch ein Dorf laufen oder endlos lesen, während Ihre Reisebegleiter scheinbar mühelos die Pisten hinuntergleiten? Das ist nicht meine Vorstellung von Urlaub.

Pferdekutsche in Dienten

Aber als Chefredakteur eines Magazins über Österreich (und Partner eines erfahrenen Skifahrers) muss ich daran glauben. Ich möchte für mich das Geheimnis des Wintersports lüften. Es stellt sich bald heraus, dass viele Skigebiete in Österreich das Schicksal von mir und meinen Pistenvermeiderkollegen in Angriff genommen haben. Sie bieten nun auch zahlreiche Sportmöglichkeiten abseits der Piste an. Einige davon, wie Schneeschuhwandern und Langlaufen, möchte ich ausprobieren.

Auf der Suche nach einem leicht zugänglichen, nicht allzu touristischen Ziel, das sowohl Skifahrern als auch weniger abenteuerlustigen Sportlern genug zu bieten hat, landen wir in Hochkönig (Salzburgerland). Das Skigebiet rund um die drei Dörfer Mühlbach, Dienten und Maria Alm verfügt über 120 Kilometer Pisten, sowie 40 Kilometer Langlaufloipen und 85 Kilometer Winterwanderwege.

Fackelzug

Mountain Mania Skishow

Unser Ausgangspunkt wird Dienten sein, das geographische Zentrum von Hochkönig. In dem achthundert Einwohner zählenden Dorf gibt es noch viele alte Holzhäuser, oft ehemalige Bauernhäuser. Auf der Südseite, auf einem Hügel am Fuße des Hochkönigs, befindet sich ein hübsches Kirchlein mit einem Zwiebelturm, der abends wie ein Leuchtfeuer beleuchtet wird. Und obwohl es Ende Januar ist, ist die Weihnachtsstimmung immer noch sehr präsent, denn die Weihnachtsbeleuchtung und -dekoration bleibt traditionell bis Mariä Lichtmess am 2. Februar erhalten. Noch romantischer wird es, wenn wir am ersten Abend an einem Fackelzug durch das Dorf teilnehmen, über den Sonnberg bis zur Bründlarena.

Die Skischulen in Dienten werden eine zweistündige Demonstration ihrer Fähigkeiten, wie Synchronskifahren, Freestyle und Snowkiten mit fluoreszierenden Drachen, geben. Nach dieser Mountain Mania Skishow ist es Zeit für mein erstes Après-Ski-Erlebnis im Bründlstadl abseits der Piste. Die Atmosphäre in der Hütte ist gemütlich und familiär. Kinder und Erwachsene, Touristen und Einheimische: Ohne zuviel Humpapa mischen sich hier alle auf entspannte Art und Weise.

Übergroße Schuhe

Schneeschuhe

Am nächsten Morgen fahren wir zum Arthur­haus in Mühlbach. Der Familie, die dieses Hotel in fünfter Generation führt, gehören auch die umliegenden Wälder. Dort gehen wir mit der einheimischen Führerin Silvia Wieser auf eine Schnupperkurs Schneeschuhwandern.

Wir leihen Schneeschuhe und Stöcke im Hotel aus; in die übergroßen Schneeschuhe stecken wir unsere eigenen Wanderschuhe. Die erste Viertelstunde geht es noch etwas ungewohnt zu, aber bald machen wir einen gemütlichen Spaziergang durch den weißen Wald. Die Grundtechnik ist einfach: Beim Aufsteigen stützt man sich auf den Vorderfuß, beim Abstieg auf den Hinterfuß. Da zudem beim Abstieg der ganze Fuß im Schneeschuh stecken bleibt, ist die Wahrscheinlichkeit eines Sturzes eigentlich gleich Null. Dank der Metallspitzen an den Schneeschuhen rutscht man auch nicht so leicht ab. Unsere Stöcke sind also nicht wirklich notwendig, aber sie geben ein etwas ausgeglicheneres Gefühl.

Schneeschuhwandern

Winterwandern ohne Schneeschuhe ist ebenfalls möglich, aber nur bei hartem Schnee, andernfalls besteht ein hohes Risiko, das man einsinkt und schwer verletzt wird. Nach unserem Aufstieg erreichen wir einen Hügel, auf dem die Wipfel junger Bäume über die weiße Ebene hinausragen. Wir ziehen unsere Spuren im jungfräulichen Schnee und ich bin beeindruckt von der Stille, der reinen, fast schwarz-weißen Landschaft und dem Blick auf die umliegenden Berge und Täler. Ohne es zu wissen, habe ich in all den Jahren etwas verpasst.

Rodeln

Arthurhaus

Zurück im Arthurhaus essen wir in der Sonne auf der Terrasse eine Jausenplatte mit köstlichem Käse aus der hinter dem Hotel gelegenen Sennerei. Silvia weiß nicht nur alles über Wandern, sondern auch über Geologie, Flora und (Bergbau-)Geschichte der Region. Sie erzählt, wie die Kupfererzbergwerke in Mühlbach dem Dorf Reichtum brachten, mit dem Ergebnis, dass irgendwo in der Mitte des letzten Jahrhunderts fast alle alten Häuser geschleift wurden, um Platz für neue zu machen. Die einzigen zwei alten Bauernhäuser, die noch stehen, sind kriegsversehrte „Kumpel“. Sie konnten nicht zurück in die Bergwerke, also hatten sie kein Geld, um neue zu bauen“.

Schaubergwerk

Dass es in Dienten noch viele alte Häuser gibt, liegt daran, dass die Bergwerke hier kein Kupfer-, sondern Eisenerz lieferten. Diese Produktion kam um 1850 zum Erliegen, was zu großer Armut führte. Die Menschen in Dienten hatten nie Geld, um ein Haus abzureißen und ein modernes Neues zu bauen. Im Nachhinein: Glück im Unglück. „In Hochkönig haben schon immer viele Bergleute aus anderen Ländern gearbeitet“, sagt Sylvia. „Traditionell waren wir es gewohnt, mit Menschen aus verschiedenen Kulturen zu tun zu haben, was sich jetzt im Tourismus als nützlich erweist. Viele Frauen hier sind auch mit Ausländern verheiratet.“

Rodeln

Zurück in Dienten lockt am Abend die beleuchtete Rodelbahn. Über einen Pfad entlang der Strecke (eigentlich nur am Rande des Weges) gehen wir eine Stunde lang stetig nach oben. Ab und zu tauchen wir zur Seite, um einem Schlitten Platz zu machen, der die Kurve sehr weit nimmt. Zum Glück ist die Rodelbahn mit einer Schneemauer gut gesichert. Oben angekommen machen wir nach gutem Brauch eine Pause auf der Grünegg, einem gemütlichen Gasthaus mit Schnaps und Gin aus der eigenen Brennerei. Für ein paar Euro mieten wir uns hier eine Rodel und gleiten, gestärkt durch ein Vogelbeerenbrand, wieder nach unten. Es ist Jahre her, dass ich das letzte Mal einen Schlitten gefahren bin, aber es gibt immer noch genau den gleichen Adrenalinschub wie früher.

Wie eine Hexe

Langlaufen

Vor meiner nächsten Aktivität in meinem Anfängerkurs Wintersport habe ich ein bisschen Angst: Langlaufen. Ich warne Sigi Bertha, die sich um mich kümmert, im Voraus: Mein Gleichgewicht ist nicht sehr gut, also fürchte ich mich vor Stürzen. „Ein Grund mehr, Langlaufen zu lernen“, so die resolute Sigi. „Das ist sehr gut für Ihre Koordination und Ihr Gleichgewicht.“ Sie will wissen, wie viel ich wiege, denn mein Gewicht (und nicht meine Größe) bestimmt die Größe der Langlaufskier. Nachdem wir passende Schuhe, Skier und Stöcke ausgewählt haben, gehen wir zum Übungsloipe in Maria Alm. Erst dort darf ich meine Schuhe in die Skier einklicken, denn Langlaufskier vertragen es nicht, wenn man mit ihnen auf Asphalt geht. Sigi erklärt derweil die Verkehrsregeln beim Langlaufen: „Auf der Loipe laufen alle in die gleiche Richtung, d.h. Einbahnverkehr. Wenn Sie zwei Spuren sehen, ist das kein Weg vor und zurück. Die zweite Strecke ist die ‚Überholspur‘. Wenn Sie einen langsamen Passanten überholen wollen, können Sie in die zweite Spur treten, Tempo machen und in Ihrem eigenen Tempo weiterfahren.“

Trainerin Sigi Bertha

Nachdem ich mich aufgewärmt habe, muss ich daran glauben. Auf der blauen Loipe (flach und ohne Kurven) üben wir eine Reihe von Techniken, wie z.B. wechseln, mit den Stöcken absetzen, auf einem Bein balancieren, bremsen und Kniebeugen, mit den Stöcken unter den Armen, ein bisschen gleiten. Es ist nicht leicht, und wie erwartet falle ich ein paar Mal, aber ich lande sanft in den weichen Schnee. „Aufstehen ist schwieriger als Fallen!“ Sigi erklärt, dass ich mich zu sehr zurücklehne und mich auf den Latten klein machen muss, „wie eine Hexe auf einem Besenstiel“. Ich bin kein Naturtalent, aber dank Sigis Enthusiasmus und Ausdauer fällt der Groschen, und ich schaffe es, eine Runde auf eigene Faust zu drehen. Und noch wichtiger: Ich bin auf den Wintersportgeschmack gekommen. Schneeschuhwandern ist eine Entdeckung, Langlaufen ist etwas, das ich wirklich lernen möchte, und wer weiß, vielleicht traue ich mir nächstes Jahr sogar einen Skikurs zu. Vor allem gefällt mir das ganze Paket: die herrliche Bergluft, die charmanten Dörfer, das Zusammensitzen in den gemütlichen Hütten. Winterromantik pur.

Tipps &Adressen

Allgemein

Das Wintersportgebiet Hochkönig liegt zwischen 800 und 1.900 Metern. Während der Wintersaison fährt ein kostenloser Skibus zwischen den drei Gemeinden Maria Alm, Dienten und Mühlbach zu den Liften.  Wer nicht Skifahren will, kann aus zahlreichen anderen Aktivitäten wählen: Pferdekutschenfahrten, Eisstockschießen, Skitouren, Nachtskifahren, Rodeln. Die Hochkönig-Card, die bei vielen Unterkünften inbegriffen ist, bietet Ermäßigungen auf Eintrittspreise, (Ski-)Unterricht oder den Verleih von (Ski-)Ausrüstung bei angeschlossenen Betrieben. Weitere Informationen zu allen Aktivitäten, Veranstaltungen und (Buchungen von) Unterkünften in der Region: hochkoenig.at

Lokale Fremdenverkehrsbüros: Dorf 66a in Dienten, Am Dorfplatz 154 in Mühlbach und Am Gemeindeplatz 7 in Maria Alm.

Nächtigen

Mitterwirt

Angenehmes Hotel der Familie Ottino im Zentrum von Dienten, mit geräumigen Zimmern, Wellness-Einrichtungen und Privatparkplatz. Das Personal ist sehr herzlich und zuvorkommend. Gepflegtes Abendessen (manchmal in Form eines Buffets) im gemütlichen Speisesaal. Der Mitterwirt organisiert zahlreiche Aktivitäten für Gäste, wie Schneeschuhwandern, Eisstockschießen und Nachtrodeln. Dorf 23 in Dienten, hotel-mitterwirt.at

Arthurhaus

Hunde- und kinderfreundliches Berghotel zwischen Hochkeil und Mandelwänden, mit mehreren Skiliften und einer Langlaufloipe vor der Tür (Ausrüstung kann im Hotel ausgeliehen werden). Auf der Speisekarte Käse aus der Sennerei Schweizerhütte gleich hinter dem Hotel. Mandlwandstraße 110 in Mühlbach am Hochkönig, arthurhaus.at

Essen & Trinken

Bäckerei Bauer

Biobackker, Café und Konditorei mit Filialen in Dienten (Dorf 7), Maria Alm (Dorfstraße 4) und Mühlbach (Dorf 248), wo Sie Brot, Brötchen und hausgemachte Schokolade (wie eine Bergkäse-Schokolade) kaufen können. Auch eine gute Adresse für Frühstück, Mittagessen oder ‚Kaffee und Kuchen‘. baeckerei-bauer.at

Grünegg

Traditionelle Stube in einem Haus aus dem Jahr 1506 auf der Grünegg-Alm, am Anfang der Rodelbahn von Dienten. Nach einigen Gläsern des preisgekrönten ‚Schnapserl‘, Gin oder Likören der Familie Rainer geht es problemlos die 1,5 km lange Rodelbahn hinunter. Mit Rodelvermietung. Eine Reservierung für das Abendessen wird empfohlen. Grüneggweg 1 in Dienten, gruenegg.at

Bründlstadl

Attraktive und beliebte Après-Ski-Hütte im ehemaligen Pferdestall, mit neuem Teil im alten Stil. Reservierungen für das Abendessen werden empfohlen. Bründl 11 in Dienten, stadl.at

Steinbockalm

Café-Restaurant mit traditioneller Stube und einem modernen Chill- und Lounge-Bereich auf der Steinbock Alm in Hinterthal. Herrliche Aussicht von der Panoramaterrasse. Moderne, internationale Speisekarte mit regionalen Akzenten. Erreichbar mit dem Lift, zu Fuß und auf (Langlauf-)Skiern, was ihn zu einem idealen Ort für die Mittagspause von „aufgeteilten“ Gruppen macht. Hochmais 6 in Maria Alm, steinbockalm.at

Sehen & Tun

Königstour

Diese königliche Tour durch das Reich des Hochkönigs führt von Maria Alm über Dienten nach Mühlbach (oder umgekehrt) und hat 32 miteinander verbundene Pistenkilometer. Auf dem Weg überqueren Sie 6.700 Höhenmeter und passieren fünf Berggipfel. Der höchste Punkt ist die Bergstation der Abergalmbahn mit 1890 Metern. Gute Skifahrer können die Fahrt in drei Stunden zurücklegen. Wenn Sie sich die Zeit nehmen wollen, all die Panoramablicke und das breite kulinarische Angebot entlang der Strecke zu genießen, ist es ratsam, frühzeitig anzufangen. Entlang der Route der Königstour sind Geocaching-Schätze versteckt. GPS-Geräte können kostenlos (gegen Pfand) in den Tourismusbüros in Mühlbach, Dienten und Maria Alm ausgeliehen werden.

Skilanglauf

Hochkönig verfügt über vierzig Kilometer Langlaufloipen, die für Anfänger und Fortgeschrittene geeignet sind. Die meisten Wanderwege (30 Kilometer) befinden sich in Maria Alm. Sie sind auch mit dem Pinzgauer Loipennetz verbunden. Am Fuße des Hochkönigs gibt es zwei weitere Rundwege. Die Arthurhaus-Loipe (1.500 Meter hoch, 3,7 Kilometer lang) beim Arthurhaus in Mühlbach und die Birgkarloipe (1.370 Meter hoch, 7 Kilometer lang) vom Berggasthof Mittereggalm in Dienten (Parkplatz an der Talstation des Dacheggliftes). Langlaufunterricht kann in der  Alpin Skischule in Maria Alm gebucht werden.

Winter(schnee-)wandern

Das Gebiet Hochkönig verfügt über 85 Kilometer gepflegte, präparierte Winterwanderwege. In allen drei Dörfern können Sie mit einem Führer Schneeschuhwanderungen unternehmen. Melden Sie sich beim Fremdenverkehrsamt Mühlbach (+43 6584 20388 40) oder im Arthurhaus an.

Mountain Mania Skishow

Diese zweistündige spektakuläre Show der Skischulen in Dienten findet mehrmals pro Saison statt.

Bergbaumuseum

Das Kupfer-Bergbau-Museum in Mühlbach macht die Geschichte des Kupfererzbergbaus in und um Mühlbach lebendig, von der Vorgeschichte bis zur Neuzeit. Direkt neben dem Museum haben ehemalige „Kumpels“ einen ehemaligen Luftschutzbunker in einen Demonstrationsschacht umgebaut. Es gibt alte Werkzeuge und Animationen, die zeigen, wie Kupfer aus Kupfererz in prähistorischer, mittelalterlicher und moderner Zeit gewonnen wurde. Das Museum hat von Ende Dezember bis Anfang April und von Mitte Mai bis Mitte Oktober geöffnet. Der Schacht des Demonstrationsbergwerks kann nur mit einem Führer besichtigt werden. Mühlbach am Hochkönig 237, museum-hochkoenig.com